Bagdad – Für Lieutenant Justin Cole ist die Sache eindeutig: "Wir hatten einige Leute vor Ort am Boden, die dieses Individuen als 'böse Jungs' identifizierten", sagt der Sprecher der Koalitionsstreitkräfte im Irak laut einem Bericht der "New York Times" von heute. "Darum haben wir attackiert. Und bis jetzt hat sich an unsere Haltung nichts geändert."
Doch Scheich Jasim Zaidan Khalaf erzählt eine andere Geschichte: Er behauptet, die bei dem fraglichen Luftangriff der US-Airforce getöteten Männer seien Mitglieder seines Stammes gewesen. Und der kämpft gegen al-Qaida – in Kooperation mit der US-Armee. Insgesamt, so der Stammes-Älteste, seien 50 seiner Leute getötet worden. Außerdem fünf Aufständische, die diese festgenommen hatten.
Der Angriff fand am späten Dienstag in der Nähe von Taji statt, etwa 22 Kilometer außerhalb von Bagdad. US-Streitkräfte hatten zuvor bewaffnete Männer in der Gegend gemeldet – mit "feindlichen Absichten". Helikopter und Flugzeuge kamen daraufhin zum Einsatz, später lieferten sich auch Bodentruppen Feuergefechte mit den vermuteten Feinden. Es sei, so das Militär, aber zuerst auf die Soldaten geschossen worden. Nach dem Ende des Gefechts seien drei Waffenlager entdeckt worden, die unter anderem schwere Maschinengewehre, Raketen und Sprengsätze enthalten hätten – das typische Arsenal von Aufständischen und Terrorgruppen.
Stammesmitglieder verlangen Erklärung
Scheich Khalaf macht allerdings geltend, die Waffen seien von seinen Leuten konfisziert worden. Seine Gruppe habe die Gegend zuvor von Qaida-Kämpfern gesäubert und insgesamt 20 von ihnen festgesetzt. Die Waffen hätten der US-Armee übergeben werden sollen. "Die Amerikaner verdächtigten unsere Leute. Das alles begann mit einem Fehler", zitiert die "New York Times" den Iraker.
Der Bruder des Scheichs, Mansur Abd Salim, berichtete dem Blatt, dass Mitglieder der Anti-Qaida-Allianz noch in letzter Minute panische Anrufe bei ihren Ansprechpartnern auf amerikanischer Seite gemacht hätten – erfolglos.
In mehreren sunnitisch dominierten Teilen des Irak haben sich in den vergangenen Monaten lokale Bündnisse gegen al-Qaida und verwandte Organisationen gebildet. Grundsätzlich betrachtet die US-Armee sie als Verbündete. Der US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, hat ihre Mitwirkung mehrmals gelobt und unterstützt die Gruppen, die meist auf Stammesbasis zusammenfinden – auch materiell. Dadurch sind diese Gruppen erst recht ins Visier von al-Qaida und Co. geraten. Vorvergangene Woche hatte ein erst zehn Jahre alter Selbstmordattentäter sich inmitten einer Versammlung von Scheichs in die Luft gesprengt und sechs von ihnen getötet.
Auf der anderen Seite zeigt der Vorfall, über den die "New York Times" heute berichtet, wie kompliziert die Zusammenarbeit zwischen den Stämmen und der US-Armee mitunter sein kann. Die US-Armee kritisierte die Allianz von Scheich Jasim. Seine Leute seien nicht autorisiert, Gefangene zu machen, schrieb Cole in einer E-Mail an die "NYT".
Die Armee bleibt derweil bei ihrer Darstellung des Vorfalls und berichtete, sie habe in der betreffenden Operation 21 mutmaßliche Aufständische verhaftet. Abd Salim behauptet freilich, 13 von ihnen gehörten in Wahrheit zu seiner Gruppe und seien auch schon wieder frei gekommen. Mitglieder der Allianz sagten der "NYT", sie würden auch weiter mit der US-Armee kooperieren, verlangten aber eine Erklärung.
yas
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