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19.11.2007
 

Bundeswehr in Afghanistan

Norweger nehmen Deutsche gegen Vorwürfe in Schutz

Von Yassin Musharbash und Anna Reimann

Mitten im Gefecht gegen die Taliban soll die Bundeswehr norwegische und afghanische Verbündete im Stich gelassen haben. In der norwegischen Presse sorgte der Bericht für Aufregung - doch das Militär in Oslo ist voll des Lobes über die Deutschen.

Berlin - Die Dame vom Verteidigungsforschungsinstitut in Oslo, das das norwegische Militär in aktuellen Fragen berät, weiß von nichts. Kritik der Norweger an den Deutschen in Afghanistan? Davon habe sie noch nie etwas gehört. Im Gegenteil: Man sei in Norwegen sehr glücklich darüber, dass ein deutscher Arzt erst in der vergangenen Woche einem norwegischen Soldaten in Afghanistan das Leben gerettet habe. Nur Lob - alles andere müsse ein Missverständnis sein.

Norwegischer Jeep und deutscher Hubschrauber beim Einsatz in Nordafghanistan: "Absolut keine Konflikte zwischen deutschen und norwegischen Soldaten"
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Lars Magne Hovtun/ Forsvaret

Norwegischer Jeep und deutscher Hubschrauber beim Einsatz in Nordafghanistan: "Absolut keine Konflikte zwischen deutschen und norwegischen Soldaten"

Eine Meldung vom Wochenende sagt etwas anderes: Kürzlich hätten die Deutschen norwegische und afghanische Soldaten im Gefecht allein zurückgelassen. Deutsche Sanitätshubschrauber seien während der Kampfhandlungen einfach zurück ins Lager geflogen - die Operation habe deshalb abgebrochen werden müsssen, lautete die Behauptung in der "Sunday Times". Und weiter: Die Bundeswehr behindere Nato-Operationen in Afghanistan, weil es ein Nachtflugverbot für deutsche Piloten von Sanitätshelikoptern gebe. Regelmäßig flögen diese deshalb am Nachmittag zurück in die Basis, damit die Maschinen bei Sonnenuntergang im Hangar stünden.

Die Bundeswehr dementiert

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr wies diese Darstellung bereits gestern zurück: Es gebe keinesfalls ein Nachtflugverbot für deutsche Piloten von Sanitätshelikoptern in Afghanistan, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Sie seien dafür ausgerüstet und solche Einsätze würden regelmäßig geübt. Eher als die Dunkelheit machten gelegentlich "klimatische Bedingungen" das Fliegen problematisch.

Doch die "Sunday Times" zitierte auch einen Kronzeugen: einen norwegischen Offizier, der an besagter Schlacht beteiligt gewesen war, die vor etwa drei Wochen im Nordwesten Afghanistans stattfand. "Wir griffen die bösen Jungs an, und dann, um drei oder vier Uhr, verlassen uns die (deutschen, Anmerkung der Red.) Helikopter. Wir mussten zu unserer Basis zurückkehren. Wir sollten norwegische Helikopter haben. Die können wenigstens auch bei Nacht fliegen."

Aufruhr in der norwegischen Presse

Der britische Artikel sorgte auch in der norwegischen Presse für Aufregung: "Norwegische Soldaten von deutschen Piloten im Stich gelassen", titelt die Zeitung "Dagbladet" in ihrer Online-Ausgabe. "Während norwegische Soldaten mitten im Kampf waren, machten sich die deutschen Hubschrauber auf den Heimweg, bevor es dunkel wurde", schreibt die "Aftenposten" auf ihrer Homepage.

Aber was genau ist dran an den Vorwürfen?

Details zu dem konkreten Vorfall kenne er leider nicht, sagt der norwegische Oberstleutnant John Inge Øglænd zu SPIEGEL ONLINE. Tatsache sei aber, dass die Operation, über die die "Times" berichtet, keinesfalls abrupt gestoppt wurde. "Wie der Offizier auf dem Schlachtfeld zu dieser Einschätzung kam, kann ich nicht nachvollziehen", sagt Øglænd. Zudem sei der Abflug der deutschen Hubschrauber absolut nicht überraschend gekommen, die norwegischen Kommandeure in Afghanistan wüssten über die Restriktionen der Deutschen Bescheid. Die norwegische Armee beziehe sie bei all ihren Planungen mit ein.

Akteure, Mandate und Konflikte in Afghanistan

Nach dem Sturz des Taliban-Regimes genehmigte der Uno-Sicherheitsrat am 20. Dezember 2001 die Aufstellung International Security Assistance Force (Isaf). Die Hauptaufgaben der Isaf liegen im Bereich des Wiederaufbaus und der Stärkung demokratischer Strukturen und vorläufiger Staatsorgane Afghanistans. Die Schutztruppe unterstützt die afghanische Regierung insbesondere bei der Herstellung der inneren Sicherheit sowie bei der Wahrung der Menschenrechte. Zunächst erstreckte sich das Operationsgebiet der Nato-geführten Schutztruppe allein auf die Hauptstadt Kabul, wurde anschließend jedoch schrittweise auf weitere Teile Afghanistans erweitert. 37 Staaten, darunter auch Deutschland, verantworten den militärischen Einsatz mit insgesamt rund 33.000 Soldaten. Der Bundestag erteilte am 22. Dezember 2001 das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr am Isaf-Einsatz. Vom 10. Februar bis zum 11. August 2003 stand die Isaf unter deutsch-niederländischer Führung.

Der norwegische Militär nahm die deutschen Einsatzkräfte überdies gegen jede Kritik in Schutz: Wann immer norwegische Truppen in Afghanistan die Hilfe Deutschlands gebraucht hätten, hätten sie diese in der Vergangenheit bekommen.

Lob aus Oslo für die Bundeswehr

"Wir sind uns darüber im Klaren, dass Deutschland mit seinen mehr als 3000 Soldaten, all der Ausrüstung und dem Know-how einen extrem wichtigen Beitrag leistet. Der ganze Einsatz im Norden Afghanistans wäre sehr schwierig, wenn Deutschland nicht so gute Arbeit leisten würde." Das deutsche Krankenhaus in Masar-i-Sharif etwa sei besser ausgestattet als manches Krankenhaus in Norwegen, so der Militär. "Es gibt absolut keine Konflikte zwischen deutschen und norwegischen Soldaten in Afghanistan - im Gegenteil. Das haben mir gerade norwegische Offiziere bestätigt, die am Hindukusch sind."

Diese Darstellung deckt sich mit der Information des deutschen Einsatzführungskommandos, das SPIEGEL ONLINE gestern bestätigt hatte, es gebe keine offizielle Beschwerde aus Norwegen.

Aus der Abhängigkeit der Deutschen will man sich in Norwegen trotzdem befreien: Es sei bereits entschieden, dass erstmals norwegische Hubschrauber nach Afghanistan geschickt würden, sagte Øglænd SPIEGEL ONLINE. Drei Hubschrauber sollten im kommenden Jahr dort eingesetzt werden.

Die Bundeswehr wird das nicht stören: Schon mehrmals habe man Oslo gebeten, Helikopter an den Hindukusch mitzubringen, hieß es aus Bundeswehrkreisen.

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