Von Ulrike Putz, Kairo
Sie alle finden sich in einer Welt wieder, in der die Flurvorsteher Schutzgelder kassieren und Angebote für schnellen Sex auf der Zelle an der Tagesordnung sind. Eines Tages knüppeln 40 Wachleute ohne ersichtlichen Grund auf die Gefangenen ein und hetzen Hunde auf sie. "Ein Armenier fiel dabei die Treppe herunter und ist seitdem gelähmt." Der Fall schlägt Wellen, Dubaier Medien berichteten von der missglückten "Übung" der Wärter, eine Menschenrechtskommission der Dubaier Polizei ermittelt.
Nicht alle Geschichten, die Mo aus dem Gefängnis erzählt, sind wie die des Armeniers nachprüfbar. Unglaubwürdig sind sie nicht. "Dubai legt seine Gesetze sehr harsch aus", sagt Saima Hirji, Anwältin bei "Fair Trials Abroad", einer Londoner Organisation, die seit 1992 dafür kämpft, im Ausland Verhafteten faire Prozesse zu garantieren. Die Anzahl der Fälle, in denen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Petitessen mit drakonischen Strafen geahndet werden, habe in den vergangenen Jahren "bedenklich zugenommen, es ist besorgniserregend". Vier Jahre als Mindeststrafe für Drogenvergehen "darf einfach nicht wahr sein", sagt die Anwältin.
"Für immer ein vier Monate langes Loch in meinem Leben"
Auch ihre Organisation habe Leute beraten, bei denen – genau wie bei Mo – mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Mengen Drogen gefunden wurden. "Da fragt man sich dann, ob nicht jeder, der mal in Kontakt mit Drogen war, gefährdet ist", sagt Hirji und berichtet von einem Fall, bei dem der Angeklagte mit dem Schuh in etwas getreten war, was die Polizei als eine winzige Menge Haschisch identifizierte. Angesichts solcher Fälle gebe es kaum eine Chance, sich davor zu schützen, in die Fänge der Dubaier Justiz zu geraten. "Touristen sollten sich informieren und sich bewusst sein, dass ihnen im Zweifelsfall auch die Botschaft kaum helfen kann."
Mo hatte letztlich Glück im Unglück. Jedes Jahr erlässt der Scheich von Dubai zum Fastenmonat Ramadan eine Amnestie. Dieses Jahr wurden 480 freigelassen, Mo war dabei. In seiner weißen Gefängniskluft setzte die Polizei ihn am Flughafen ab, an dem er vier Monate vorher gelandet war. Sein Alptraum war vorbei, doch hat er "für immer ein vier Monate langes Loch im Leben", sagt Mo. Den Verdienstausfall und die Anwaltskosten zusammen genommen haben ihn die 0,03 Gramm Haschisch 50.000 Dollar gekostet. Für eine Weile will er sich in Kairo erholen, dann einen neuen Job in Asien antreten.
Eins, sagt Mo, ist sicher: "Selbst wenn ich dürfte, würde ich nie wieder eine Fuß nach Dubai setzen." Dubai sehe nach Spaß aus, könne sich aber in einer Sekunde in ein Desaster, in ein Drama verwandelt. "Es ist eine aus Lügen gebaute Welt."
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