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21.11.2007
 

Werbetour für Europa

Cohn-Bendit im Kreuzverhör türkischer Studenten

Von Maximilian Popp, Istanbul

Wortgewaltig warb der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit vor Studenten in Istanbul für Europa. Die aber stellten ganz andere Fragen: Hilft uns Deutschland im Kampf gegen die PKK? Und wie lange will uns die EU noch belügen?

Istanbul - Im "Großen Saal" der Bosporus-Universität in Istanbul spielen die Studenten eigentlich Theater – große Dramen, Shakespeare und Schiller. Jetzt steht nur ein schmaler Holztisch auf der mächtigen Bühne. Dahinter sitzt der deutsch-französische Politiker Daniel Cohn-Bendit. Er trägt ein schwarzes Cordsakko zu einer weinroten Cordhose.

Cohn-Bendit in Istanbul: Ein "großer Europäer" warb für den Beitritt
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Maximilian Popp

Cohn-Bendit in Istanbul: Ein "großer Europäer" warb für den Beitritt

Als einen "großen Europäer" hatte der Rektor der Universität den Gastredner Cohn-Bendit angekündigt. Der Türkei-Besuch des Vize-Chefs der Grünen im Europaparlament kommt zur rechten Zeit, Gesprächsbedarf gibt es genug: über den Kurden-Konflikt und über einen möglichen Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak.

"Wer hätte vor 65 Jahren daran geglaubt, es könnte je Frieden zwischen Deutschland und Frankreich geben?", ruft Cohn-Bendit den Studenten entgegen. Etwa zweihundert sind gekommen, der Saal ist fast voll. "Und wer hätte es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten, dass an der deutsch-polnischen Grenze irgendwann keine Grenzsoldaten mehr stehen?" Cohn-Bendits Stimme überschlägt sich. "Der Weg der Türkei in die Europäische Union ist noch weit", ruft er, "aber ich glaube an das Wunder vom Bosporus!"

Doch die Studenten wollen anderes wissen: "Ich erwarte mir von Herrn Cohn-Bendit klare Worte zum Kurden-Konflikt, und ob er die Türkei immer noch für beitrittsfähig hält", sagt Fevzi, ein Politikstudent der Bosporus-Universität vor der Veranstaltung. Ein Kommilitone ergänzt: "Ich will wissen, wie die EU reagiert, sollte die Türkei tatsächlich einen Krieg im Nordirak vom Zaun brechen."

Cohn-Bendit aber spricht vor allem über das "großartige Friedensprojekt" Europa. Er erzählt von den Plänen de Gaulles und von Helmut Kohls Tränen, als er die Deutsche Mark zu Gunsten des Euros aufgab. Es ist ein wortgewaltiger kurzweiliger Vortrag ohne Redemanuskript, aber die brennenden aktuellen Fragen klammert er weitgehend aus. Am Ende dürfen die Studenten Fragen stellen:

"Herr Cohn-Bendit, misst Europa die Türkei mit dem gleichen Maßstab wie andere Länder?" Seine Antwort: "Nein, aber über den EU-Beitritt der Türkei muss auch anders diskutiert werden als über den Beitritt Maltas oder Kroatiens." Oder: "Wer garantiert uns, dass wir, wenn die Beitrittskriterien erfüllt sind, auch tatsächlich Mitglied der EU werden? Die EU hat uns oft genug belogen." Cohn-Bendit: "In der Politik gibt es keine Garantien, aber wenn die Türkei ihre Reformpolitik fortführt, steht die Tür offen." Ein anderer will wissen: "Warum befürworten Sie einen EU-Beitritt der Türkei?" Antwort: "Weil Europa die Türkei braucht, als ein demokratisches, islamisches Land."

Die Zuhörer im Saal klatschen. Es ist wie ein Heimspiel für Cohn-Bendit, denn die renommierte Bosporus-Universität ist einer der liberalsten Einrichtungen der Türkei.

Nach seinem Vortrag trifft sich Cohn-Bendit zu einem Hintergrundgespräch mit Studenten des "European Center of Excellence". Durch die Fenster des schmalen Raumes schimmern die Lichter der Stadt. Cohn-Bendit wird jetzt konkreter: Wolle die Türkei Mitglied der EU werden, müsse sie den Nationalismus überwinden, Gül müsse Präsident aller Türken sein, der Muslime wie der Christen, und die Regierung müsse den Kurden-Konflikt friedlich lösen.

"Wie denken Sie über einen Krieg gegen die Terroristen der PKK? Würde Deutschland die Türkei unterstützen?", will ein Student wissen. "Ein Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak wäre eine große Dummheit", sagt Cohn-Bendit. "Er würde das Land destabilisieren, und er würde der PKK nur nützen." "Sollte sich die Türkei dennoch zu einem Krieg entschließen, wie reagiert die EU?", wird weiter gefragt. "Die Türkei wird einen solchen Krieg nicht führen", antwortet Cohn-Bendit. Basta.

Er muss weiter. Heute trifft Cohn-Bendit in Ankara Staatspräsident Abdullah Gül und Premierminister Recep Tayyip Erdogan. Cohn-Bendit hat für die Gespräche kritische Worte angekündigt.

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