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West Wing Supermacht der schlechten Laune

2. Teil: Worin sich Amerikaner und Deutscher weiterhin unterscheiden - und warum sich alte Feinde näherkommen

Einem wie Karl Rove - der Stratege hinter George W. Bush und Architekt seiner beiden Präsidentschaftskampagnen - ist das Übellaunige und Unentschlossene der Gesellschaft längst aufgefallen. In diesen Zwiespalt der Menschen würde er gern einen groben politischen Keil treiben. Den Republikanern empfiehlt er daher, beherzt die Gesundheitspolitik von Hillary Clinton ins Zentrum der kommenden Wahlkampagne zu stellen: Sollen die Wähler doch entscheiden, ob sie Freiheit gegen Regierungsbürokratie tauschen wollen, sagt er listig.

In ihrer Einstellung zum Umverteilungsstaat unterscheiden sich Deutsche und Amerikaner doch erheblich: Die Wähler zwischen Passau und Rügen glauben, sie könnten mit Hilfe von Vater Staat vom Nachbarn was abbekommen. Die Wähler zwischen Miami und Seattle fürchten, wenn der Staat eingreift, müssten sie dem Nachbarn was abgeben.

David Brooks, Kolumnist der "New York Times", sieht sein Land denn auch in einen "tückischen politischen Strudel" geraten. Einerseits seien die Leute verrückt nach einem Wechsel, sagt er. Andererseits wünschten die Wähler keinerlei Veränderung ihres Status Quo. "Die Menschen wollen eine Nachtwächter-Regierung, die in der Nähe ihres Hauses patrouilliert, ohne es zu betreten."

So ist Hillary Clinton womöglich die richtige Frau zur richtigen Zeit. Nur die Linke reibt sich an ihr, weil sie gar nicht erst versucht, ihre Erwartungen zu erfüllen. Ihr Pragmatismus ist vernünftig, aber gerade deshalb empfinden ihn nicht wenige als unerträglich.

"Hillaryland" - Land der begrenzten Möglichkeiten

Wahlkampf bedeute das Annoncieren einer kühnen politischen Architektur und nicht das Plakatieren eines Raumbelegungsplan für die nächsten Jahre, wird ihr vorgehalten. Hillary Clinton aber verweigert sich. Wer mit ihr auch nur einen Abend verbracht hat, der weiß, dass sie höflich, präzise, wissbegierig, energisch und diszipliniert ist. Visionär ist sie mit Sicherheit nicht.

Ihr Pragmatismus ist von spröder Natur. Anders als Angela Merkel, die im Tagesgeschäft zuweilen ähnlich versteift wirkt, gestattet sich Hillary Clinton auch in kleinster Runde keinen subversiven Humor.

Dafür ist Hillary Clinton zu vorsichtig, zu misstrauisch. Man könnte glauben, sie und nicht Merkel sei in der DDR groß geworden. Ihr ewiges "könnte", "müsste" oder "hätte", die von ihr zur Meisterschaft gebrachte Relativierung der Relativierung, das Spannen eines politischen Sicherheitsnetz unter einem Seil, das ohnehin nur knapp überm Erdboden gezogen wurde, macht ihren Gegnern schwer zu schaffen.

Wenn die Amerikaner sich tatsächlich mit Hillary Clinton einlassen, werden sie es ihrem Ehemann Bill gleichtun und mit ihr eine Vernunftehe schließen. "Hillaryland" ist ein Land der begrenzten Möglichkeiten.

Aber vielleicht liegt die Katerstimmung der Amerikaner gar nicht an ihr oder an Bush. Womöglich sind weder der Irak-Krieg, noch die Globalisierung allein schuld. Was wäre davon zu halten, wenn in diesem Fall die Menschen und nicht die Umstände das Problem sind?

Die Herausforderungen, die Amerika heute zu bestehen hat, sind ja nicht größer als alle bisherigen auch. Gründung, Ausbau und Verteidigung einer Supermacht haben schon bisher viel Kraft gekostet. Das Neue ist, dass der Kraftvorrat der Menschen, die den heutigen Herausforderungen trotzen sollen, sich verkleinert hat.

Das Lebensalter steigt - der Lebensmut sinkt

Die Babyboomer, die Amerika ihren Rhythmus gaben, sind in die Jahre gekommen. Waren 1950 erst 12 Prozent aller Erwachsenen über 65 Jahre, sind es heute fast doppelt so viele. Noch nie war Amerika so alt.

Das Lebensalter der Bewohner steigt, aber vieles andere schrumpft eben mit den Jahren dahin - der Mut, die Zuversicht, die Lust am Risiko auch. Die erfolgreichste amerikanische Musik-CD dieser Tage kommt von den Altrockern der Gruppe Eagles. Das einzige wachsende Segment im amerikanischen Motorradgeschäft sind die "Trikes", Dreiräder für die Generation der Kniegeschädigten.

"Easy Rider" war der Jugendfilm der Babyboomer, Philip Roth hat mit "Jedermann" ihren Altersroman geschrieben. Sein trauriger Held, der ehemalige Kreativdirektor einer Werbeagentur, hat ihr Leben gelebt, mit einer passablen Berufslaufbahn, so mancher erotischen Zerstreuung, das Ganze gespickt mit privaten Niederlagen und lebenslangen Feindschaften.

Am Grab trifft man sich wieder, Freunde, Feinde, die verschiedenen Ehefrauen. Das Leben erlaubt keinen Neuanfang, murmelt jemand. Alle sind in Sentimentalität vereint.

Das wahre Leben folgt zuweilen den Dichtern. Kürzlich im großen Saal der New Yorker Public Library, saßen zum ersten Mal drei der wichtigsten US-Parteienberater beieinander, die sich seit Urzeiten befehden. George Lakoff von der Uni Berkeley und enger Ratgeber der Demokraten, neben Frank Luntz, Meinungsforscher für die Republikaner und Drew Westen, ein Psychologe von der Emory University in Atlanta, ebenfalls Demokrat. Jahrzehntelang hatte man sich nur angegiftet.

Jetzt redeten sie über ihre Ideale, die richtige Wahlkampfführung und über Sprache, auch die falsche. Der Republikaner sagte, dass ihn schon der von Bush geprägte Begriff vom "Krieg gegen den Terror" störe, weil er Angst verbreite und den Optimismus im Keim ersticke.

Demokraten erinnern sich wehmütig an Ronald Reagan

Der Demokrat Westen erinnerte sich wehmütig an Ronald Reagan und dessen legendären Wahlkampfspot, "It's Morning again in America". Der Film erzählt die Geschichte eines Landes, in dem die Inflation gering und die Zahl der Hochzeiten hoch ist, ein Land das "stolzer, stärker und besser" dastehe als je zuvor. "Lasst uns mit Vertrauen in die Zukunft schauen. Es ist wieder Morgen in Amerika", sagte ein Sprecher mit samtiger Stimme.

Westen bestand darauf, den Spot vor 500 Zuschauern vorzuspielen. Die Wirkung im Saal war enorm, als hätte jemand im politischen Kleinkrieg plötzlich den Waffenstillstand ausgerufen.

Auch die drei Experten auf der Bühne waren ergriffen. Der Republikaner Luntz fand als erste seine Sprache wieder. Es war die Sprache der Versöhnung: "Können wir uns nicht wieder verstehen? Können wir nicht wieder zusammenkommen? Können wir nicht alle wieder Hoffnung haben?"

Der Saal vibrierte.

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insgesamt 26 Beiträge
hasenstein 26.11.2007
Natürlich wird im Artikel der niedrige Dollar angeführt als Zeichen, dass dem Land harte Zeiten bevorstehen. Wieso? Der Dollar Kurs führt doch dazu, dass der Konsum zurückgeht - nach den vielen vielen Artikeln der letzten Jahre, [...]
Natürlich wird im Artikel der niedrige Dollar angeführt als Zeichen, dass dem Land harte Zeiten bevorstehen. Wieso? Der Dollar Kurs führt doch dazu, dass der Konsum zurückgeht - nach den vielen vielen Artikeln der letzten Jahre, dass die Amis über ihre Verhältnisse leben, wohl nicht die schlechteste Nachricht, oder? Außerdem wird der Export aus den USA einfacher. Da lacht nicht nur Boeing, die ganze IT Branche feiert da mit. Noch ein Effekt: Amerikas Schulden werden immer kleiner! Schließlich sind US Schulden in Dollar ausgezeichnet! Also ich würde sagen, am niedrigen Dollar hat vor allem der Rest der Welt zu knabbern. Alles in allem ein vollkommen sinnfreier Artikel voll von "opinion" statt "facts and information". Aber genau deswegen werden schon morgen einige tausend Forumartikel hier drin stehen, denn über "nichts" lässt sich ja viel besser durch viel mehr Leute ewig diskutieren... ja, wenn man stattdessen (als Spiegel-Schreiber) mit gehaltvollen Artikeln sein Geld verdienen müsste, eine Zumutung!
Voll Mann 26.11.2007
Der Frust wächst weil die Realität den Optimismus verdrängt. Es reicht auf Dauer nicht nur die besten Waffen zu haben und am meißten zu konsumieren. Eine Weltmacht muß Ziele aufzeigen denen die Völker folgen wollen, wenn sie [...]
Der Frust wächst weil die Realität den Optimismus verdrängt. Es reicht auf Dauer nicht nur die besten Waffen zu haben und am meißten zu konsumieren. Eine Weltmacht muß Ziele aufzeigen denen die Völker folgen wollen, wenn sie das nicht schafft wenden sie sich Anderen zu. Weder Asien noch den arabischen Völkern kann Amerika heute noch eine Zukunft zeigen. Russland, Indien und Südamerika haben eigene Visionen von ihrer Zukunft. Eine sich verstärkende Erderwärmung wird diese Situation verschärfen und der Schuldige ist schnell gefunden, gerade wenn er seine Führungskraft verliert. Wenn Amerika nicht bald eine neue Vision entwickelt wird ihr Abstieg unaufhaltsam sein.
oberhuber 26.11.2007
Da liegt ja das Problem. Der Amerikaner schwelgt doch im Glauben, dass Konsum frei macht. Ich gebe Ihnen aber recht, Steingart's Artikel ist gewohnt seicht.
Zitat von hasensteinDer Dollar Kurs führt doch dazu, dass der Konsum zurückgeht
Da liegt ja das Problem. Der Amerikaner schwelgt doch im Glauben, dass Konsum frei macht. Ich gebe Ihnen aber recht, Steingart's Artikel ist gewohnt seicht.
FaripiY 26.11.2007
Der Rest der Welt, der bisher die USA durch Anleihen, Dollarreserven finanziert, wird nur solange knabbern, bis die Schmerzgrenze erreicht ist. Die Chinesen etc sind bestimmt nicht glücklich darüber, dass das Vermögen immer [...]
Zitat von hasensteinNatürlich wird im Artikel der niedrige Dollar angeführt als Zeichen, dass dem Land harte Zeiten bevorstehen. Wieso? ... Also ich würde sagen, am niedrigen Dollar hat vor allem der Rest der Welt zu knabbern.
Der Rest der Welt, der bisher die USA durch Anleihen, Dollarreserven finanziert, wird nur solange knabbern, bis die Schmerzgrenze erreicht ist. Die Chinesen etc sind bestimmt nicht glücklich darüber, dass das Vermögen immer weiter schmilzt. Deshalb wird zunehmend in andere Währungen investiert, Dollar abgestoßen, was gleichzeitig den Abwärtstrend beschleunigt. Nicht umsonst ist auch, wie ein Artikel in der FAZ darlegte, eine Starke Währung ein Symbol für das Selbstbewußtsein eines Staates.
herbert1080 26.11.2007
Es reicht auf Dauer nicht nur die besten Waffen zu haben und am meißten zu konsumieren. Eine Weltmacht muß Ziele aufzeigen denen die Völker folgen wollen, wenn sie das nicht schafft wenden sie sich Anderen zu. Welche Ziele [...]
Es reicht auf Dauer nicht nur die besten Waffen zu haben und am meißten zu konsumieren. Eine Weltmacht muß Ziele aufzeigen denen die Völker folgen wollen, wenn sie das nicht schafft wenden sie sich Anderen zu. Welche Ziele sollen das denn sein ? Die Welt mit Militär zu überziehen wird wohl über kurz oder lang zum abstieg führen. Asien und Südamerika warten schon auf den Kollaps nur Europa spielt noch immer Blindekuh
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