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Republikaner-Debatte Clash der Kandidaten

2. Teil: Buhrufe, Widersprüche - und ein Außenseiter mit Überraschungschancen

Eine halbe Stunde dauert es, bis der Irak erstmals Thema wird. Der Kongressabgeordnete Ron Paul meldet sich. Durch seinen Widerstand gegen den Irak-Krieg ist er mittlerweile ein Liebling vor allem junger Internet-Wahlkampfspender geworden - er merkt zum Haushaltsbudget an, ein Abzug aus dem Irak könne Unsummen sparen.

Das lässt ihm Senator und Militärheld John McCain nicht durchgehen: "So eine Art von Isolationismus hat den Zweiten Weltkrieg verursacht und Hitler an die Macht gebracht." Er habe gerade Thanksgiving mit Soldaten im Irak gefeiert. Die hätten ihn gebeten: "Lasst uns Zeit, hier zu gewinnen."

McCain, dessen bedingungslose Unterstützung des Irak-Kriegs ihn in Umfragen zurückgeworfen hat, erntet Buhrufe für diese Sätze. Aber das scheint ihn gar nicht zu irritieren - und auch deshalb ist es ein starker Moment für ihn. Denn seine furchtlosen Bemerkungen erinnern daran, warum er seit langem als Politiker mit Rückgrat in Washington so respektiert ist.

Romney muss einstecken an diesem Abend

Als seine Mitbewerber auf der Bühne sich in den Fragen zur Einwanderungspolitik mit populistischen Vorschlägen überbieten, seufzt McCain vernehmlich und sagt: "Das sind doch auch Gottes Kinder." Zu einer YouTube-Einspielung, ob simuliertes Ertränken nun Folter sei oder nicht, liefert McCain den Satz des Abends: "Das ist ja hier nicht '24'." In der Fernsehserie wird schon mal gefoltert, um wichtige Informationen zu erhalten. Wie man das Menschen antun könne, übersteige sein Vorstellungsvermögen, sagt McCain zu Romney - der sich nicht zu einer klaren Antwort auf die Frage durchringen kann.

John McCain saß selbst fünf Jahre in Vietnam in Einzelhaft und wurde brutal gefoltert. Neben ihm wirkt Romney in dem Moment einfach wie ein blasser Politiker.

Er muss noch mehr einstecken an diesem Abend. Jeder Bewerber darf während der Debatte ein Filmchen selbst einspielen. Fred Thompson zeigt noch nicht mal sein eigenes Gesicht, sondern widersprüchliche Aussagen seiner Rivalen. Prominent an erster Stelle: Romney, der als Gouverneur von Massachusetts vor wenigen Jahren das Recht auf Abtreibung verteidigte - und nun im Wahlkampf genau das Gegenteil verlangt.

Solche Widersprüche wirken auf Video besonders verheerend. Es ist nach der Debatte der Demokraten im Juli das zweite Mal, dass YouTube als Hilfsmittel für die Kandidatenentscheidung genutzt wird - und dieses neue Instrument scheint sich zu bewähren.

Zwar sind nur wenige Video-Einspielungen aufwendig produziert. Aber es wirkt einfach plastisch, wenn auf einem eingeblendeten Dollarschein der Stand der Staatsschulden mitläuft, während ein Mann dazu eine Frage stellt. Manchmal sind die Zuschauerfragen simpler und origineller, als es Journalisten wohl einfiele: Was würde Jesus zur Todesstrafe sagen?, fragt einer. In einem Video hält ein angespannt wirkender junger Mann einfach eine Bibel in die Kamera: "Glauben Sie jedes Wort darin?"

"Hillary darf als erster Mensch auf den Mars"

Bei beiden Fragen punktet vor allem Mike Huckabee. Jesus? "Der war viel zu schlau, um sich für ein öffentliches Amt zu bewerben", witzelt er. Zur Bibel sagt der ehemalige Prediger schlicht, natürlich glaube er jedes Wort. Giuliani dagegen windet sich, als habe er eine Interpretationsaufgabe für den Schulaufsatz zu erledigen.

Beflügelt bringt Huckabee noch einen Spruch zu Hillary Clinton unter. Als ein Bürger per Video nach den Chancen einer US-Marsmission fragt, befürwortet der Ex-Gouverneur sie - "und Hillary kann als erster Mensch mitfliegen".

Nach dem Schlagabtausch taucht Huckabee noch persönlich im Reporter-Raum auf - äußerst ungewöhnlich für Kandidaten. Jemand fragt ihn, wieso er so viel Aufwind spürt. Huckabee antwortet fröhlich, er halte sich eben aus den Schlammschlachten unter den Rivalen heraus. Glaubt er ernsthaft, dass er eine Chance gegen Giuliani und die anderen hat? "Es gibt ein First-Class-Ticket, ein Business-Class-Ticket, ein Economy-Class-Ticket. Mal schauen, welches es für mich wird", sagt er und grinst.

Das klingt für viele, als ziele Huckabee auf das Amt als Vizepräsident. Aufgeregt schnattern schon die ersten Kommentatoren, das sei doch eine gute Kombination: Der liberalere Giuliani als Kandidat, Huckabee als sein Schutzschild gegen die Kritik der religiösen Rechten. Durchaus eine interessante Variante.

Trotz des schwierigen Erbes, das Präsident Bush hinterlassen wird, und trotz aller derzeitigen Vorteile für die Demokraten: Die Republikaner sind gerissene Wahlkämpfer. Und den Wahlkampf haben sie spätestens gestern begonnen.

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