Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Die Entwicklung wird dadurch beflügelt, dass sich in den meisten Polit-Blogs nicht Hobbyautoren, sondern namhafte Journalisten mit besten Verbindungen austoben. Alleine den "Caucus"-Blog der "New York Times" füttern rund 20 erfahrene Reporter. Für den TIME-Blog schreiben Starautoren wie Joe Klein, Autor des Bestellers "Primary Colors". Die genießen, sich dort schneller, umfassender und weniger kontrolliert austoben zu können - und so die in US-Medien sehr strenge Trennung zwischen reinen Nachrichtentexten und Meinungsbeiträgen zu umgehen.
Auch die Republikaner haben das Potential der Blogs entdeckt - zumindest in dem Punkt können sie vom Bush-Erbe profitieren. Die Kooperation mit regierungsfreundlichen Bloggern stand früh auf dessen Tagesordnung, erinnerte sich sein Ex-Medienberater Dan Bartlett vor kurzem bei einer Diskussion in Washington. "Nach der Amtsübernahme wollten wir uns erst am 'großen Kommunikator' Ronald Reagan orientieren, der fast jeden Tag Bilder für die TV-Nachrichten zu produzieren versuchte", sagte Bartlett. "Aber wir mussten feststellen, dass sich die Medienumgebung seither völlig verändert hat. Die Abendnachrichten der großen TV-Sender etwa werden immer unwichtiger, das Internet immer wichtiger." Bald gewährte Präsident Bush Bloggern sogar exklusive Interviews.
Auch führende Kandidaten für seine Nachfolge wie Mitt Romney verfügen längst über 24-Stunden-Beobachtungsteams der wichtigsten politischen Blogs. "Ich bekomme sehr oft Anrufe von republikanischen Kampagnen, die Kommentare zu unseren Blogs haben oder mir Hinweise für Storys geben wollen", sagte Victorino Matus vom "Weekly Standard", der Hausfibel der Neokonservativen, SPIEGEL ONLINE. Die Mitarbeiter des republikanischen Bewerbers Ron Paul - der vor allem im Internet sehr erfolgreich Spenden sammelt - haben gerade einen regelrechten E-Mail-Krieg gegen den Polit-Blog der "Baltimore Sun" gestartet, die kritisch über Paul berichtet hatte.
Fragt sich nur, ob das alles die Wahlkampfberichterstattung verbessert. Das "Shorenstein Center" an der Harvard University ist in einer Analyse über die Medien-Coverage der ersten Monate des Wahlkampfes soeben zu einem niederschmetternden Ergebnis gekommen: Die Faszination der Medien für das "horse race" - dem Schaulaufen der Kandidaten - sei nach wie vor weit größer als das Interesse an Inhalten. Dagegen hat sich der Ombudsmann der "New York Times" gerade in einem Artikel gewehrt - mit Verweis unter anderem auf die Internet-Angebote der Medien, wo eine Fülle an Information zu politischen Inhalten für interessierte Wähler angeboten werde. Ob er damit auch die Blogs meint?
Die diskutieren mit Vorliebe das "horse race". Top-Themen zurzeit: Ist Hillary Clinton nicht ehrlich genug für das Weiße Haus? Schadet Ehemann Bill mehr als er hilft? Sollte Obama mehr attackieren und ist seine Hautfarbe doch ein Problem? Und: Ist Mitt Romney eigentlich wirklich ein Fan des Baseball-Teams "Red Sox"?
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