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10.12.2007
 

West Wing

Das Ende der Globalisierung?

Von Gabor Steingart, Washington

In den USA bahnt sich ein historischer Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik an: Der Freihandelsgedanke, Grundlage der heutigen Globalisierung, überzeugt nur noch eine Minderheit. An der Spitze der Skeptiker marschieren die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Mike Huckabee.

Washington - Große Politik beginnt meist winzig klein. In ihrem Embryonalzustand ist sie oft nichts anders als ein Zweifel, der im Innern eines Politikerherzens keimt. So brachte die Skepsis gegenüber der Konfrontationspolitik des Kalten Krieges schließlich die Entspannungspolitik hervor.

Setzt sich für eine neue Handelspolitik ein: Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton
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REUTERS

Setzt sich für eine neue Handelspolitik ein: Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton

Auch das heutige China verdankt seine Existenz einem Zweifel. Der KP-Führer Deng Xiaoping glaubte nicht mehr daran, dass mit Mao und Marx ein Staat zu machen sei. Selbst die britischen Siedler in der neuen Welt wären noch heute Briten, wenn in ihnen nicht Zweifel an der Gewogenheit des Mutterlandes gekommen wären. Aus Zweifel wurde Zorn, aus Zorn schließlich Krieg, bis am Ende das heutige Amerika geboren war.

Im US-Wahlkampf ist derzeit wieder ein Zweifel zu besichtigen, der sich als geschichtsmächtig erweisen könnte. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat sich von der Freihandelstheorie losgesagt, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges Amerikas Weltsicht prägt. Der Warenaustausch zwischen den Nationen steigert demnach automatisch den Wohlstand aller; jeder Handel sei besser als kein Handel. Alle amerikanischen Präsidenten seit Harry S. Truman setzten einen Großteil ihrer Arbeitszeit ein, um Zollmauern und Handelsbeschränkungen zu beseitigen.

Clinton sagt sich vom Erbe ihrer Vorfahren los

Ohne Übertreibung lässt sich sagen: Dem Freihandel verdankt die heutige Globalisierung ihr Gesicht. In den grundlegenden Fragen der Wirtschaftspolitik herrschte ein Allparteienkonsens. Zuletzt war es Präsident Bill Clinton, der Mexiko, Kanada und die USA im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen zusammenschweißte.

Hillary Clinton sagt sich jetzt vom Erbe ihrer Vorfahren los, auch von dem ihres Gatten. Sie glaubt nicht mehr daran, dass der Handel mit anderen Nationen automatisch Vorteile für ihr Land bringt. Die alte Theorie stimme nicht mehr, sagte sie jetzt der "Financial Times". Als Präsidentin wolle sie die laufende Welthandelsrunde, die einst in Doha gestartet wurde, nicht mehr zu Ende führen. Eine Handelspolitik, die da weitermache, wo Bush ende, komme für sie nicht in Betracht: "That is not an option."

Ausweislich aller verfügbaren Umfragen ist ihr Zweifel in beiden politischen Lagern mehrheitsfähig. Die tiefrote Handelsbilanz der einst größten Exportnation unter der Sonne hat Spuren in der Psyche der Bevölkerung hinterlassen. Das neuzeitliche Amerika exportiert vor allem eines – die gut bezahlten Jobs seiner Mittelklasse. Was mit Fabrikarbeitern begann und sich bei Software-Ingenieuren fortsetzt, wird als nächstes Investmentbanker und Pharma-Forscher betreffen, sagt Alan Blinder, Professor in Princeton, einst Vizepräsident der US-Notenbank. Bis zu 40 Millionen amerikanische Jobs – das Doppelte der heutigen US-Industriearbeiterschaft – stünden demnach zur Verlagerung an.

2001, als Blinder noch fest im Glauben war, klang er so: "So wie 99 Prozent aller Ökonomen seit den Tagen von Adam Smith bin ich ein Freihändler vom Kopf bis zu den Füßen." Wenn wir den Sinneswandel von Blinder und Hillary Clinton zurückverfolgen, landen wir in einem der oberen Stockwerke des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Dort findet sich ein langer Gang mit allen nur denkbaren Ökonomen der vergangenen Jahrhunderte an der Wand. Adam Smith, David Ricardo, Karl Marx. Irgendwann biegt der Gang ab zu einem Büro, wo ein über 90-Jähriger mit Fliege um den Hals sitzt – und Sushi isst. Professor Paul A. Samuelson hat schon die Präsidenten Eisenhower und Kennedy beraten. Für seine Theorien bekam er 1970 den Nobelpreis. Sein Lehrbuch ist die Pflichtlektüre aller Studenten der Volkswirtschaft.

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Die neuesten Beiträge:
28.12.2007 von Silverhair: Abhängigkeit und Urheberrechte

Zur Produktpiraterie muss man leider auch etwas sagen - da hat sich der Westen letztlich selber ein Grab geschaufelt. Produktpiraterie und Ideenklau ist ein jahrtausende altes Hobby aller Nationen gewesen. Nur eines von [...] mehr...

28.12.2007 von Silverhair: Abhängigkeit und Urheberrechte

Ich glaube sie sind da über - wer braucht wenn - nicht so ganz richtig informiert. Gerade die USA produzieren schon lange keine Güter mehr in relevantem Umfange, man hat sich vollständig auf den Import gerade aus Asien [...] mehr...

26.12.2007 von barnabas1: Existenzbedrohende Situation für Neoliberale

Die wirtschaftliche Notwendigkeit, vom Freihandel abzusehen, bringt klassisch liberale Berufsgruppen zum Absturz. Die Wallstreet hat schon viele tausend Trader entlassen, was die Arbeitslosenstatistik New Yorks signifikant in [...] mehr...

16.12.2007 von newliberal: It´s just good old splendid isolation, stupid !

Der hier als vermeintlich neu beschriebene Trend in der US-Politik ist eine der ältesten Grundströmungen amerikanischer Aussenpolitik und hat einen Namen: ISOLATIONISMUS. Wer mehr wissen will bitte googeln. Ich habe kürzlich [...] mehr...

13.12.2007 von michael1171: Erklärungsversuch

Genaue Zahlen habe ich jetzt nicht parat, aber die Fertigung ist in Fernost einfach DEUTLICH günstiger zu haben. Andererseits sind bei Modemarken (und dazu zählen auch Sportartikel-Marken) die Entwicklungskosten ebenso wie die [...] mehr...

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