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West Wing Das Ende der Globalisierung?

2. Teil: Die Gefahr eines ökonomischen Tsunamis

Samuelson liest Ex- und Importstatistiken mit der gleichen Anteilnahme wie unsereins den Wetterbericht. Er schaut auf die Satellitenbilder der Volkswirtschaft und versucht die Wirbelsturm vom Hurrikan zu unterscheiden. Er meldet seit längerem schon, dass da ein ökonomischer Tsunami unterwegs ist. Eine Druckwelle, die sich unter Wasser gebildet hat. Mit jedem Tag gewinne sie an Kraft. Wenn wir erst die haushohen Wellen am Strand sehen, wird es zu spät sein. Die Wucht des Tsunami wird vieles zerstören, sagt er, auch die Reste der amerikanischen Industrie. Übrig bleibe, im besten Falle, "eine amerikanische Bürowirtschaft".

Ist die Globalisierung dann Ihrer Meinung nach ein Nullsummenspiel, bei dem der eine gewinnt und der andere verliert? fragte ich Samuelson, nachdem er sein Sushi verspeist hat. Nein, sagt der alte Mann, der Wohlstand der Welt steigt. Aber, schränkte er sogleich ein, das gelte leider nicht für alle Gruppen einer Gesellschaft. Aber wiegen denn die Gewinne der Gewinner die Verluste der Verlierer nicht auf? Seine Antwort: Nein, nicht mehr, die Globalisierungsbilanz für Amerika sei seit geraumer Zeit negativ. Gegenüber den Asiaten befinde sich das Land in einer "Win-Lose"-Situation. Asien gewinne an ökonomischer Stärke, Amerika verliere Substanz.

Koalition der Zweifler

Die Freihandelskritikerin Hillary Clinton beruft sich heute auf Samuelson. Seine Zweifel sind jetzt auch ihre.

Die Koalition der Zweifler ist in Amerika derzeit in der Übermacht. Die Freetrader, die früher als Männer von klarem ordnungspolitischem Profil galten, sind mittlerweile bei vielen als Starrköpfe verschrien. Sie gelten bis weit ins Lager der Republikaner als Ideologen, die ein Prinzip um des Prinzips willen verteidigen. "Der neue Präsident müsse verstehen, dass es keinen freien Handel geben kann, wenn es keinen fairen Handel gibt", sagt auch der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee.

Führen Zweifel und Skepsis automatisch zur richtigen Politik? Leider nicht. Der Zweifel kann auch Zerstörung bedeuten, wie sich am Beispiel Michail Gorbatschows beweisen lässt. Der sowjetische Reformer glaubte nicht mehr daran, dass sich mit Hilfe von Geheimdienstlern und Planbürokraten Wohlstand erzeugen ließe. Aber eine Alternative ist ihm nicht gelungen. Das Sowjetreich zerfiel. Die Industrieproduktion brach ein. Der Wohlstand war am Ende geringer als zuvor.

Auch in der Freihandelsdebatte ist Behutsamkeit gefragt. Protektionismus jedenfalls, also das ökonomische Abschotten Amerikas, wäre eine tödliche Medizin. Als Präsidentin sollte sich Hillary Clinton vielleicht am ehesten am großen chinesischen Reformer Deng Xiaoping orientieren. Der zweifelte an allem, auch an seiner eigenen Weitsicht. Er warb zeitlebens für eine Politik der kleinen Schritte: "Niemand ist diese Straße gegangen. Deshalb müssen wir vorsichtig gehen."

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insgesamt 71 Beiträge
Saftsack99 10.12.2007
Na klar. Die Welt kauft z.B. amerikanische Produkte, während die Amerikaner durch Zölle den Verkauf eigener Produktion im eigenen Land sicherstellen. Hatten wir das nicht schon in Reinkultur? Man könne es auch anders [...]
Na klar. Die Welt kauft z.B. amerikanische Produkte, während die Amerikaner durch Zölle den Verkauf eigener Produktion im eigenen Land sicherstellen. Hatten wir das nicht schon in Reinkultur? Man könne es auch anders formulieren: Der Westen ist eben nicht so gut, als dass er seine Schulden- und Hochlohnpolitik aus sich heraus rechtfertigen könnte. Und was dann? Da bin ich auch gespannt.
Norbert Rost 10.12.2007
Kapitalismus ist bekanntlich alles andere als ein perfektes System: Arbeitslosigkeit, Konjunkturzyklen, Armut und Umweltzerstörung legen klar Zeugnisse davon ab. Insofern ist es passend, wenn die Globalisierung des [...]
Kapitalismus ist bekanntlich alles andere als ein perfektes System: Arbeitslosigkeit, Konjunkturzyklen, Armut und Umweltzerstörung legen klar Zeugnisse davon ab. Insofern ist es passend, wenn die Globalisierung des Wirtschaftssystems auch kritisch beleuchtet wird. Ich hoffe schwer, daß dies nicht gleich zu hartem Protektionismus in den USA führt, sondern daß man versucht intelligente Konzepte zum Nutzen aller zu diskutieren. Es macht ja durchaus auch Sinn möglichst viele Produkte dort herzustellen, wo sie auch konsumiert werden. Das verringert Abhängigkeiten, spart Transport und es hat auch was von Gerechtigkeit, wenn die Menschen am Produktionsprozess beteiligt werden, die die Produkte kaufen sollen - genau wie es wichtig ist, daß produzierende Menschen sich die eigenen Produkte auch kaufen können müssen. Eine Debatte, wie die Globalisierung sinnvoll weiterentwickelt bzw. ergänzt werden kann, wäre im US-Wahlkampf natürlich gut aufgehoben - denn da wird auch bei uns hingehört! Ich plädiere derweil klar dafür, regionale Märkte als Ergänzung zum globalen Markt zu schaffen. Damit die KMUs nicht gänzlich von den GlobalPlayern verschluckt werden: http://www.regionales-wirtschaften.de/4.24.0.0.1.0.phtml
burninghands 10.12.2007
An erster Stelle exportieren die USA wohl Inflation, Waffen und Krieg, und danach kommen erst die Arbeitsplätze. Jetzt, wo die Amerikaner merken, daß keine Substanz mehr da ist, weil sie seit der Abschaffung des Goldstandards [...]
An erster Stelle exportieren die USA wohl Inflation, Waffen und Krieg, und danach kommen erst die Arbeitsplätze. Jetzt, wo die Amerikaner merken, daß keine Substanz mehr da ist, weil sie seit der Abschaffung des Goldstandards und der Ankopplung des Dollars an das Erdöl auf Pump gelebt haben, wollen sie die Stalltür zumachen - dazu ist es aber wohl zu spät. Wer hat denn immer das Sagen im IWF und der Weltbank gehabt, und den Entwicklungsländern Kredite aufs Auge gedrückt, die diese unentrinnbar in die Schuldenfalle gedrückt haben, und sie gezwungen, alles, was in ihren Nationen einen Wert hatte, zu privatisieren? Nicht umsonst vergleicht David Walker, Chef des Rechnungshof der Vereinigten Staaten, die Situation der USA mit der des römischen Reichs vor dem Zusammenbruch (http://www.ft.com/cms/s/0/80fa0a2c-49ef-11dc-9ffe-0000779fd2ac.html?nclick_check=1). Warum ist es wohl seit einigen Monaten fast unmöglich, Gold- oder Silbermünzen auf dem freien Markt in Europa zu bekommen? Its the end of the world as we know it.
Treeman 10.12.2007
Sieht man von Rohstoffimporten ab, ist ein Wirtschaftsraum der nur das umfast, was wir heute als den "Westen" bezeichnen, ohne größere Probleme überlebensfähig. Indien und China sind es alleine definitiv nicht.
Zitat von Saftsack99Hatten wir das nicht schon in Reinkultur? Man könne es auch anders formulieren: Der Westen ist eben nicht so gut, als dass er seine Schulden- und Hochlohnpolitik aus sich heraus rechtfertigen könnte.
Sieht man von Rohstoffimporten ab, ist ein Wirtschaftsraum der nur das umfast, was wir heute als den "Westen" bezeichnen, ohne größere Probleme überlebensfähig. Indien und China sind es alleine definitiv nicht.
Iggy Rock 10.12.2007
Interessant das der Jobexport erst noch gutbezahlte Kreise erreichen musste, bis man einmal anfängt an der Ideologie zu zweifeln. Heute in den USA, in 10-20 Jahren auch bei uns, bis dahin werden aber noch viele Arbeitsplätze ins [...]
Zitat von sysopIn den USA bahnt sich ein historischer Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik an: Der Freihandelsgedanke, Grundlage der heutigen Globalisierung, überzeugt nur noch eine Minderheit. An der Spitze der Skeptiker marschieren die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Mike Huckabee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,522305,00.html
Interessant das der Jobexport erst noch gutbezahlte Kreise erreichen musste, bis man einmal anfängt an der Ideologie zu zweifeln. Heute in den USA, in 10-20 Jahren auch bei uns, bis dahin werden aber noch viele Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, wichtig ist der Profit, sonst nichts, nach uns die Sintflut. Stellt sich nur die Frage wer das alles wieder aufbauen soll, nach dem Richtungswechsel.
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