Von Mathieu von Rohr
Hamburg - Eine Koalition der Linksparteien und von Teilen der Christdemokraten wählte stattdessen eine andere Vertreterin aus Blochers Partei ins Amt – Eveline Widmer-Schlumpf, die Finanzministerin des Bergkantons Graubünden. Blocher erhielt im zweiten Wahlgang 115 Stimmen, Widmer-Schlumpf kam auf 125 Stimmen.
Widmer-Schlumpf hatte offiziell gar nicht für das Ministeramt kandidiert. Es war zunächst nicht bekannt, ob sie die Wahl annehmen würde – sie befindet sich derzeit auf dem Weg von Chur nach Bern, um sich vor dem Parlament zu erklären. Sollte Widmer-Schlumpf ablehnen, müsste die Wahl wiederholt werden – dann stünde Blocher erneut zur Wahl. Allerdings wären seine Chancen angesichts seines Resultats gering.
Die Vertreter der Linken fielen sich im Nationalratssaal in Bern nach der geglückten Abwahl Blochers in die Arme und brachen in Jubel aus. Die überraschten Anhänger Blochers zeigten sich konsterniert.
"Große Leistung des Parlaments"
Der Parteipräsident der Sozialdemokraten (SP), Hans-Jürg Fehr, sprach anschließend von einer "großen Leistung des Parlaments". Die SP-Abgeordnete Chantal Galladé sagte, ihre Partei zeige mit der Wahl einer SVP-Politikerin anstelle Blochers, dass sie zwar zur Konkordanz stehe, dass aber "nicht alle Personen akzeptabel" seien. Blocher habe "Grenzen überschritten, die nicht tolerierbar" seien.
Der prominente SVP-Abgeordnete Adrian Amstutz, der für das Präsidentenamt seiner Partei im Gespräch ist, sagte dagegen, die Abwahl Blochers sei "eine absolute Frechheit". Sein Parteikollege Ueli Giezendanner bekräftigte: "Das ist eine schwierige Stunde für unser Land."
Die SVP, mit 29 Prozent die stärkste Partei im Schweizer Parlament, die bei der Wahl im Oktober mit einem aggressiven, auf Blocher zugeschnittenen Wahlkampf erneut Stimmen gewonnen hat, hatte gedroht, sich komplett aus der Regierung zurückzuziehen und ihre Politik mit Volksreferenden durchzusetzen, sollte Blocher nicht gewählt werden.
Das wäre ein politisches Erdbeben für die Schweiz, die seit 1959 von einer Koalition aller großen Parteien regiert wird. Die Konsensdemokratie wäre damit am Ende. Es wird erwartet, dass die SVP mit ihrem Anführer Blocher eine aggressive Oppositionspolitik verfolgen würde.
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Sehr klare Analyse. Schiller reedited. Und eine wahre Trouvaille, der SPON Strang aus dem Jahre 2007. Die Zeit ist seither stillgestanden in den Alpen. mehr...
Gruezi! Die CH-Regierung in Bern bietet heute ein jämmerliches Bild: zerstritten bis zum geht nicht mehr. Jede/r der sieben gleichberechtigten Bundesräte pflegt zuerst mal seinen Schrebergarten und sabotiert,wenn die Gelegenheit [...] mehr...
Diese angebliche Schlappe würden viele gerne gegen unsere "Schlappen" eintauschen. mehr...
Hallo George Bent, Sie sprechend mir aus dem Herzen, Danke für Ihren Beitrag! mfg G.L. mehr...
Es wird mit fast 100%iger Sicherheit so weitergehen wie früher schon (vor Blocher). Die Parteien werden sich zusammensetzen - Stichwort Zauberformel - und die politischen Probleme bzw. Lösungen zusammen "ausjassen". [...] mehr...
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