Grosny - 180 Mal seien am Freitag Kampfflugzeuge zum Einsatz aufgestiegen, teilte die Militärführung am Samstag mit. Nach tschetschenischen Angaben wurden bei den mehrstündigen Bombardements fünf mehrstöckige Mietshäuser in der Hauptstadt Grosny vollständig zerstört. Eine der russischen Bomben haben einen Bunker im Stadtzentrum getroffen; dabei seien neun Menschen, darunter sieben Frauen, getötet worden.

Auf der Suche nach tschetschenischen Rebellen in Gudermes
Die russische Artillerie nahm die Rebellenhochburg Bamut am Samstag weiter unter Beschuss. Am Freitag hatten russische Einheiten bei dem Versuch, sich der Stadt zu nähern, Verluste hinnehmen müssen; russische Soldaten sprachen von mindestens zehn getöteten Kameraden.
In einem Gespräch mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan verteidigte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin am Samstag das russische Vorgehen. Das einzige Ziel seines Landes sei es, Terroristen zu vernichten und den Frieden wiederherzustellen, sagte Putin Medienberichten zufolge in dem 20-minütigen Telefonat. "Wir sind überzeugt, dass wir alle moralischen Argumente auf unserer Seite haben."
Annan hatte zuvor Russland in seiner bislang schärfsten Erklärung zum Krieg in Tschetschenien vorgeworfen, weit über das Ziel der Vernichtung von Terroristen hinausgegangen zu sein und unschuldige Zivilisten zu töten. Annan forderte die russische Regierung auf, unverzügliche Schritte zu unternehmen, um der Bevölkerung weitere Leiden zu ersparen, wie UN-Sprecher Fred Eckhard erklärte. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind bislang mehr als 200.000 Menschen aus Tschetschenien geflohen.
Präsident Bill Clinton will mit seinem russischen Kollegen Boris Jelzin auf dem OSZE-Gipfel in Istanbul in der kommenden Woche über den Tschetschenienkrieg sprechen, wie Sicherheitsberater Sandy Berger in Washington mitteilte. Ziellose Gewalt sei falsch und kontraproduktiv. Sie erschwere eine Lösung der Krise. Berger sagte, auf dem Gipfel werde die Auswirkung des russischen Vorgehens in Bezug auf das internationale Ansehen und Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand stehen. Rund 200 bosnische Moslems demonstrierten am Samstag in Sarajevo gegen den Tschetschenienkrieg und forderten die internationale Staatengemeinschaft auf, dem russischen Vormarsch ein Ende zu setzen. "Gestern Sarajevo, heute Grosny", war auf einem der Plakate zu lesen. Organisiert wurde der Protest von einer Gruppe namens Junge Moslems.
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