Charsadda - Zweieinhalb Wochen vor der Parlamentswahl sind in Pakistan Dutzende Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Der Attentäter mischte sich unter die etwa 1000 Gläubigen, die in der Moschee den ersten Tag des muslimischen Feiertags Eid el Adha begingen. Nach Angaben eines Augenzeugen zündete er den Sprengsatz, als der Vorbeter den Satz "Allah ist groß" sprach.
Schwer verletztes Opfer in Pakistan: Selbstmordattentat in Moschee
Wie der Gesundheitsminister der Provinz Syed Kamal bestätigte, galt der Anschlag dem ehemaligen Innenminister Aftab Sherpao. Er bliebt bei dem Attentat unverletzt. Sherpao gilt als Vertrauter von Präsident Pervez Musharraf und war bis zum vergangenen Monat für die zivile Terrorbekämpfung in Pakistan verantwortlich.
Der Attentäter habe in der zweiten Reihe hinter dem Ex-Minister gestanden, teilte die Polizei weiter mit. Weshalb die Explosion Sherpao nicht verletzte, war zunächst unklar. Offiziellen Angaben zufolge wurde jedoch einer seiner Söhne verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Es war bereits der zweite Anschlag auf Sherpao innerhalb von acht Monaten: Im April wurde er bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kundgebung leicht verletzt, mindestens 28 Menschen kamen ums Leben.
Blutige Jahresbilanz: 760 Tote durch Attentate
Der Anschlag in Charsadda ist das blutigste Selbstmordattentat seit der Rückkehr von Ex-Regierungschefin Benazir Bhutto im Oktober, als 139 Menschen bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen. Wie ein Fotograf berichtete, riss die Bombe in der Moschee Gläubigen die Gliedmaßen ab. Während Rettungskräfte noch Stunden nach der Tat verstümmelte Leichen aus den Trümmern bargen, schrien viele Angehörige aus Entsetzen vor der Moschee. "Ich habe sechs Kinder herausgezogen und zwei Brüder bei dem Attentat verloren", erzählte der Gläubige Jehangir Khan mit Tränen in den Augen.
Pakistans Präsident Pervez Musharraf verurteilte den Anschlag als "abscheuliche Tat". Wie die pakistanische Nachrichtenagentur APP meldete, beauftragte der Staatschef Sicherheits- und Geheimdienste damit, die Hintermänner des Anschlags ausfindig zu machen. Außerdem kündigte er an, den Kampf gegen Extremisten fortzusetzen. Mit dieser Begründung hatte Musharraf im November einen Ausnahmezustand ausgerufen, den er erst kürzlich aufhob. Vorausgegangen waren zahlreiche religiös motivierte Anschläge nach der Erstürmung der von Extremisten besetzten Roten Moschee in Islamabad im Juli durch die Armee.
Der Anschlagsort Charsadda liegt unweit des Stammesgebietes an der Grenze zu Afghanistan, wo Taliban und al-Qaida nahestehende Islamisten die pakistanische Armee bekämpfen. Das Attentat schürt in Pakistan Angst vor Gewalt während der Parlamentswahlen am 8. Januar. Erst kürzlich kündigte ein den Taliban nahestehender Kommandeur in der pakistanischen Presse an, die Wahlen verhindern zu wollen. Im Laufe des Jahres wurden in Pakistan rund 760 Menschen getötet, die meisten von ihnen bei Selbstmordanschlägen.
amz/asc/AFP/AP/dpa/Reuters
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