Machester - Die Vorwahl in Iowa ist Geschichte, mit aller Macht setzen die Kandidaten jetzt auf den zweiten wichtigen Stimmungstest, der am Dienstag in New Hampshire stattfindet. Hillary Clinton muss kämpfen, und sie kämpft.
Bislang galt sie in den nationalen Umfragen als klare Favoritin im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Nach der Schlappe von Iowa muss sie nun den zweiten Test unbedingt gewinnen, um einen Durchmarsch des Überraschungssiegers aus Iowa, Barack Obama, zu verhindern.
Doch heute wurde eine neue Umfrage des Instituts Zogby bekannt - und die verheißt nicht Gutes. Demnach liegt Clinton zwar noch in Spitzenposition, doch ihr Vorsprung schwindet. Sie kommt auf 32 Prozent - und liegt nur noch vier Prozentpunkte vor ihrem härtesten Konkurrenten. Vor Bekanntwerden von Obamas Sieg in Iowa hatte Clinton in New Hampshire noch sechs Prozentpunkte vor dem Senator aus Illinois gelegen. Der ehemalige Senator von North Carolina, John Edwards, belegt mit 20 Prozent den dritten Platz unter den demokratischen Bewerbern.
Zwar erfolgte die Erhebung von Dienstag bis Freitag und damit zum größeren Teil noch vor der Vorwahl in Iowa am Donnerstag. Doch nach Einschätzung von Meinungsforscher John Zogby war bereits ein erster Aufschwung für die in Iowa siegreichen Kandidaten feststellbar. Die Fehlermarge der Zogby-Umfrage liegt bei 3,3 Prozentpunkten.
Die Auswirkungen von Iowa zeigen sich auch besonders deutlich in einer ebenfalls heute veröffentlichten Umfrage der Universität Suffolk: Demnach rutscht Clinton in New Hampshire von 16 Prozentpunkten Vorsprung auf sieben Prozentpunkte Vorsprung ab. Obama kann sich um sechs Punkte auf 29 Prozent verbessern.
Im Lager der Republikaner kommt Senator John McCain der Zogby-Erhebung zufolge mit 32 Prozent nur noch auf zwei Prozentpunkte Vorsprung vor Mitt Romney. Der in Iowa siegreiche Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, lag mit zwölf Prozent an dritter Stelle. New Yorks früherer Bürgermeister Rudolph Giuliani kam nur auf neun Prozent.
Applaus für Clinton, Standing Ovations für Obama
Gestern bereits nutzte Clinton die Chance um ihre Kampfbereitschaft zu unterstreichen. Bei einem gemeinsamen Spendendinner mit Obama stellte sie ihre Kompetenz und Bereitschaft für das Amt des US-Präsidenten heraus. "Erstens, wer wird am Tag eins (nach der Wahl) bereit sein, Präsident zu sein?" fragte die Senatorin, und hielt damit Obama seine mutmaßlich mangelnde Politikerfahrung vor. "Zweitens, wen können wir nominieren, der den ganzen Wahlkampf gegen die Republikaner durchsteht?" Alle Angriffe auf die Demokraten seien bisher auf sie abgezielt gewesen, damit habe sie ihr Durchhaltevermögen unter Beweis gestellt, erklärte Clinton und erntete Applaus.
Obama, der letzte Redner beim Spendendinner, brachte die Menschen jedoch zum Jubeln: Plakate wurden geschwungen, er bekam tosenden Applaus. Er hatte dazu aufgerufen, eine auf fortschrittlichen Werten beruhende und weniger konfrontative Politik anzustreben. "Das wird nicht weh tun. Dadurch wird man nicht kompromittiert, vielmehr kann man die Mehrheiten formen, durch die man die Interessengruppen schlagen und Wahlen gewinnen kann", sagte Obama.
Der in Iowa zweitplatzierte Senator John Edwards war der von etwa 3000 Menschen besuchten Spendengala wegen einer Wahlkampfveranstaltung ferngeblieben.
Der Iowa-Sieger der Republikaner, der ehemalige Gouverneur und Baptistenprediger Mike Huckabee, stürzte sich sofort in die Wahlkampfveranstaltungen in New Hampshire. Er muss seinen Vorsprung verteidigen, da er in dem Bundesstaat weniger bekannt ist und es insgesamt weniger evangelikale und religiös motivierte Wähler gibt. Deswegen hofft der überraschend unterlegene Geschäftsmann und ehemalige Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts, Mitt Romney, in New Hampshire wieder aufholen zu können. Eine zweite Niederlage wäre für seinen Wahlkampf eine schwere Hypothek. Die Besonderheit der Vorwahl in New Hampshire ist, dass nicht nur eingetragene Parteianhänger abstimmen dürfen wie in Iowa.
Alle Wahlberechtigten unter den knapp 1,3 Millionen Einwohnern des kleinen Staats im Nordosten der USA können zu den Urnen gehen - ein wichtiger Stimmungstest. Das Schicksal der Favoriten wird sich aber vermutlich frühestens am 5. Februar entscheiden. An diesem sogenannten Superdienstag entscheiden die Wähler in rund der Hälfte der 50 US-Staaten. Der Vorwahlmarathon zieht sich danach noch bis Anfang Juni hin. Die Entscheidung fällt im Spätsommer auf Nominierungsparteitagen, deren Delegierte in den Vorwahlen bestimmt werden.
jul/AP/AFP
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