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26.01.2008
 

Afrika

Paradies der brutalen Selbstherrscher

Von Thilo Thielke, Nairobi

2. Teil: Der schwarze Täter zählt wenig

Demokratie ist in Afrika ein relativ neues Phänomen. Bis in die sechziger Jahre herrschten fast überall die Kolonialmächte, danach Diktatoren entlang der Fronten des Kalten Kriegs: hier Mobutu, dort Mengistu. Massenmorde sah man den Herrschern nach, wenn nur die Ideologie stimmte. Dass in europäischen Medien ein schwarzer Toter weniger zählt als ein weißer, ist jedenfalls ein sich hartnäckig haltender Mythos. In Wahrheit zählt nämlich nicht das schwarze Opfer wenig, sondern der schwarze Täter.

Wo sonst auf der Welt hätte man sich solche Leichenberge leisten können, ohne den Verlust der Reputation und internationalen Unterstützung zu riskieren? In Afrika geht das immer noch. Und das ist wenigstens ein Grund dafür, warum das Schuldbewusstsein der afrikanischen Alleinherrscher so unterentwickelt ist. Jahrzehntelang haben ihnen die Entwicklungshelfer souffliert, für all das von ihnen angerichtete Elend sei in Wirklichkeit das böse Erbe des Kolonialismus verantwortlich. Hätte man doch nur einen von ihnen so kritisch beurteilt wie Chiles Autokraten Augusto Pinochet oder Paraguays General Strössner! Vielleicht stünden einige Dinge heute besser.

Für die desolaten Zustände kommen also mehrere Faktoren zusammen: ein bestenfalls vordemokratisches Bewusstsein; Stammestraditionen, die extrem auf starke Führer ausgerichtet sind; Rentenstaaten, die fast nur von Rohstoffeinkünften leben und eine internationale Gemeinschaft, die sich benimmt, als sei es das normalste von der Welt, seinen Staat auszuplündern und Minderheiten auszurotten. Für das Desaster werden dann meistens die ungerechten, von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen oder die Globalisierung verantwortlich gemacht. Und wenn das Chaos komplett ist, finden sich mit Sicherheit ein paar Helfer, die alles wieder aufbauen.

Der Rest der Welt trägt aber wirklich eine Mitverantwortung für das Desaster. Dass afrikanische Führer viel Geld für Waffen, Luxuskarossen und teuren Schnickschnack haben, liegt auch daran, dass sie sich um das Gesundheitswesen, die Infrastruktur oder die Bildung nicht mehr zu kümmern brauchen, weil in Afrika praktisch alles, was unter die Fürsorgepflicht des modernen Staats fällt, von ausländischen Helfern übernommen wird.

Das weiß auch Mwai Kibaki. Woher soll dann sein Verantwortungsbewusstsein kommen? So etwas lernt man schließlich nicht in einem Workshop. Worum soll Kibaki sich sorgen? Es klingt absurd, aber: Sein autoritäres Gebaren verschafft Kibaki unter seinen Spießgesellen in der Afrikanischen Union nur noch mehr Respekt. Und je schlechter es Kenia aufgrund der von ihm angerichteten Krise geht, desto mehr Entwicklungshilfe wird er kurioserweise kassieren. Dafür werden seine Helfershelfer sorgen. Sie haben darin Routine.

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