Samstag, 21. November 2009

Politik



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09.01.2008
 

Sieger in New Hampshire

Clinton erfindet sich neu - Triumph für McCain

Aus Nashua, New Hampshire, berichtet Gregor Peter Schmitz

Sensationelles Comeback von Hillary Clinton in New Hampshire: Ihr Sieg über Barack Obama lässt beide gleichauf in die nächsten Vorwahl-Runden der Demokraten gehen. Bei den Republikanern hat John McCain auf einmal gute Karten - obwohl ihn das Partei-Establishment nicht sonderlich schätzt.

Nashua - Hillary Clinton steht in der überfüllten Sporthalle der Southern New Hampshire University in Manchester. So laut tobt die Menge, dass sie ein paar Minuten lang gar nicht zu Wort kommt. Sie lächelt, glücklich und entspannt, wie man es selten bei ihr sieht. Dann kann sie endlich anfangen: "In der letzten Woche habe ich euch zugehört. Und dabei habe ich meine Stimme gefunden." Clinton macht eine Pause. Eigentlich könnte sie jetzt aufhören. Ihre Anhänger kreischen wie von Sinnen. Der Satz wird morgen überall zitiert werden. Clinton weiß das in diesem Moment. Man sieht es ihrem Lächeln an, es wirkt jetzt fast entrückt.

Hillary Clinton feiert nicht einfach einen Wahlsieg, kurz nach 23 Uhr Ortszeit. Sie erfindet sich soeben neu - als eine zugänglichere, offenere, liebenswertere Kandidatin.

Und wenn nicht jetzt, wann dann? Clinton hat gerade ein erstaunliches Comeback hingelegt. Völlig unerwartet stoppte die ehemalige First Lady mit 39 Prozent der Stimmen den Durchmarsch von Senator Barack Obama (37 Prozent). Noch am Wahltag lag sie in fast allen Umfragen bis zu zehn Prozentpunkte hinter Obama. "Lasst uns ganz Amerika ein Comeback schenken, wie ihr es mir beschert habt", ruft Clinton. Nun läuft alles auf einen klaren Zweikampf hinaus - da John Edwards nach seinem verpassten Sieg in Iowa in New Hampshire mit 17 Prozent weit hinter den beiden Favoriten landete.

Huckabees Botschaft interessierte kaum

John McCain, deutlicher Sieger mit 37 Prozent, ist das andere "Comeback Kid" des Abends. Unter Konfettiregen ließ er sich mit "Mac is back"-Sprechchören von seinen Anhängern in einem überfüllten Hotelballsaal in Nashua feiern. "Wir haben dem ganzen Land gezeigt, was ein ordentliches Comeback ist", triumphierte McCain. Er wiederholte seinen Vorwahl-Triumph gegen George W. Bush von vor acht Jahren - und das nur ein halbes Jahr nachdem seine Kampagne fast Bankrott anmelden musste, weil er republikanische Spender mit seiner Unterstützung für die Einbürgerung illegaler Einwanderer verärgert hatte. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, erreichte als Zweitplatzierter nur 32 Prozent. Mike Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas und einstiger Baptisten-Prediger, erhielt lediglich elf Prozent. In Iowa profitierte Huckabee noch von der massiven Unterstützung der religiösen Rechten. Die nicht sonderlich religiösen Wähler an der Ostküste konnten mit seiner Botschaft weniger anfangen.

Die Schlangen vor den Wahllokalen waren in allen Teilen New Hampshires lang. So lang, dass in einigen Lokalen die Wahlzettel ausgingen. Schlangen formierten sich auch vor der South Nashua High School, wo Obama seine Wahlparty abhielt. "Heute werden wir Geschichte schreiben", skandierten junge Gäste vor Bekanntwerden der Wahlergebnisse ausgelassen. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Obama gestand die Niederlage ein, bevor Hillary Clinton an die Mikrofone trat. "Ich bin noch immer voller Elan und bereit loszulegen", sagte Obama. "Vor ein paar Monaten hätte niemand für möglich gehalten, was wir heute erreicht haben", versuchte er der Niederlage einen positiven Spin zu geben.

In der Tat hat Obama wieder sehr gut abgeschnitten. Trotzdem ist er angesichts der Wahlprognosen der große Verlierer. Am Morgen des Wahltags hatte er noch eine Rede am Dartmouth College gehalten, die an ein Rockkonzert erinnerte. Eine junge Studentin wurde vor Aufregung gar ohnmächtig. Die Clintons wirkten hingegen fast verzweifelt. Bill Clinton attackierte wütend die Medien: Diese wünschten sich ein "Obama-Märchen" herbei. Hillary Clinton brach beinahe in Tränen aus bei einem Auftritt. Schon kursierten Gerüchte, die Clinton-Kampagne werde aus Geldnot die nächsten Staaten überspringen.

Ihr Sieg ändert nun alles. Denn jetzt setzt das "expectations"-Game ein, das amerikanische Wahlkämpfe prägt - das Spiel mit den Erwartungen. Will heißen: Wer besser abschneidet als erwartet, ist der eigentliche Gewinner. Wer schlechter abschneidet, ist der Verlierer.

Nächste Station der Demokraten-Schlacht ist Nevada am 19. Januar, wo rund 40 Prozent der Wähler Latinos sind. In South Carolina eine Woche später wird es für die Demokraten vor allem um die Frage gehen, wer besser bei den schwarzen Wählern abschneidet. Barack Obama ist dabei trotz seiner Hautfarbe nicht automatisch Favorit, da auch die Clintons noch enge Bande zur afro-amerikanischen Community pflegen. Und für "Super-Duper-Tuesday" am 5. Februar, an dem 22 Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen, verfügen beide Lager über eine prall gefüllte Kriegskasse - für teure TV-Werbespots in großen Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York.

Unerschrocken und unorthodox

Bei den Republikanern ist John McCain zumindest zum Mitfavoriten avanciert. In New Hampshire hat er diesmal auch bei konservativen Stammwählern gewonnen, nicht nur bei den Unabhängigen wie vor acht Jahren. Der 71 Jahre alte Senator mag diese mit seiner bedingungslosen Unterstützung für die Truppenverstärkung im Irak überzeugt haben. Obwohl als Senator selbst ein Washington-Insider, wirkte er mit seiner Eigenwilligkeit zudem als glaubhafter Anwalt der derzeit allgegenwärtigen Sehnsucht nach einem umfassenden Wandel.

Vor allem aber profitierte McCain von der Schwäche seiner Rivalen. Huckabee scheint seine Koalition nicht über die religiöse Rechte hinaus ausgedehnt zu haben. Traditionelle Konservative macht er mit seiner Unkenntnis in der Außenpolitik und seltsamen Steuerplänen nervös. Mitt Romneys Strategie, sich mit frühen Siegen in Iowa und New Hampshire einen Vorsprung herauszuarbeiten, ist trotz seiner Millioneninvestitionen kollabiert. Und Rudy Giuliani spielte mit gerade einmal neun Prozent der Stimmen überhaupt keine Rolle in New Hampshire. Seine Strategie, auf Siege in größeren Vorwahlstaaten wie Florida oder Kalifornien zu setzen, wird immer fragwürdiger.

McCain, der unorthodoxe Senator aus Arizona, mag weiter unbeliebt sein in weiten Teilen der Republikanischen Partei - weil er unerschrocken gegen Lobbyisten kämpft, weil er nicht mitmacht bei der Hetze gegen illegale Einwanderer, weil er sich offen gegen Folter ausspricht. Vor acht Jahren verlor er nach einer Schlammschlacht gegen Präsident George W. Bush, der damals die Granden der Republikanischen Partei hinter sich wusste. Diesmal könnten diese sich mangels Alternativen zähneknirschend mit McCain anfreunden müssen.

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