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16.01.2008
 

Romneys Sieg in Michigan

Republikaner steuern auf Kandidatenchaos zu

Aus Southfield, Michigan, berichtet Marc Pitzke

Mitt Romney macht das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur spannend. In seinem Heimatstaat Michigan gewann er haushoch. Damit gibt es nach den ersten drei wichtigen Vorwahlen drei grundverschiedene Sieger. Auf dem Parteitag droht eine Kampfabstimmung.

Southfield - Diesen Sieg hat er gebraucht. Die Erleichterung ist ihm anzusehen: Sein Gesicht glüht, sein sonst steifgelacktes Haar hängt ihm in Strähnen in die Stirn, er hat das Sakko abgeworfen und steht im Hemd da, allein das ein seltener Anblick. "Noch vor einer Woche sah es aus, als sei dies unmöglich", ruft Mitt Romney strahlend. Doch nichts sei eben unmöglich in den Vereinigten Staaten: "Wir sind die großartigste Nation der Welt!"

Jubel bei Mitt Romney und seinen Anhängern: "Comeback für Amerika"
REUTERS

Jubel bei Mitt Romney und seinen Anhängern: "Comeback für Amerika"

Gestern abend in Southfield, einem Vorort Detroits: wählen als patriotischer Rausch. Rund 400 Romney-Anhänger treten sich im niedrigen, klaustrophobischen Ballsaal einer Hotelkette jubelnd auf die Füße, Bierflaschen und Rotweingläser in der Hand. Nur wenige Autominuten von hier, in Bloomfield Hills, ist Mitt Romney aufgewachsen und zur Schule gegangen. Jetzt, fast 50 Jahre später, ist er zurückgekehrt wie ein verlorener Sohn, um seinen Heimsieg in Michigan zu feiern.

Es ist vor allem der alte Draht zu seinem Geburtsstaat, der Romney diese politisch überlebenswichtige US-Vorwahl gesichert hat, nach Niederlagen in Iowa und New Hampshire und dem Pro-Forma-Sieg von Wyoming, wo seine Konkurrenten McCain und Huckabee nicht antraten. Romney, 60, nutzte seinen Heimvorteil bis zum Schluss gnadenlos - auch indem er unermüdlich den Geist seines Vaters beschwor, der hier mal Gouverneur war: "Michigan", prophezeite er bei seinem letzten Auftritt in Grand Rapids im Westen dieses weiten Staats, "wird heute wieder einen Romney wählen."

Michigan tat ihm den Gefallen. Aus Eigennutz: Für mehr als die Hälfte der republikanischen Primary-Wähler gestern war die Konjunktur das Top-Thema - und sie setzen nun auf einen Multimillionär, Ex-Vorstandschef und Sohn eines einstigen Detroiter Automagnaten, der sie aus der Malaise retten soll. Sie setzen auf einen Mann, der verspricht, die verlorenen Jobs - vor allem eben in der Auto-Branche - wieder zurückzuholen, notfalls auch mit Milliardeninvestitionen, statt sie wie sein Rivale John McCain realistisch abzuschreiben.

Dieses Wortgefecht um die Michigan-Jobs, mit dem sich die beiden Kandidaten hier täglich beharkt hatten, erwies sich damit als wahlentscheidend in diesem Bundesstaat mit der höchsten Arbeitslosenquote der USA. "Der heutige Abend ist ein Sieg des Optimismus über den Pessimismus Washingtons", proklamierte Romney in scharfer Anspielung auf McCains 25-jährigen Dienst im Kongress - und passend zum Transparent an der Stirnwand des Saals: "Washington ist kaputt."

"Truth Squad" für die Schlammschlacht

Da war McCain, 71, der Gewinner von New Hampshire, schon längst nach South Carolina weitergeflogen, dem nächsten Schlachtfeld. Ihm wurde in Michigan auch das Wetter zum Verhängnis: Es war bitterkalt, und fast überall im Staat schneite es. Die Wahlbeteiligung war mickrig. Knallharte Republikaner kämpften sich Umfragen zufolge trotzdem in die Wahllokale durch; Parteilose und jene demokratischen Überläufer dagegen, die McCain hier in 2000 den legendären Sieg über George W. Bush beschert hatten, blieben lieber zu Hause.

Zu dumm. "Für einen Moment in New Hampshire dachte ich, dieser Wahlkampf könnte leichter werden", sagte McCain in Charleston grinsend, wo er sich mit Anhängern vor den TV-Schirmen versammelt hatte. "Aber wisst Ihr was? Auch wir sind ziemlich gut darin geworden, es auf die harte Tour zu machen. Und ich glaube, wir haben ihnen gezeigt, dass wir keinen Streit scheuen."

Will heißen: McCain gibt natürlich nicht auf. Zumal er in South Carolina bereits eine massive Wahlkampfinfrastruktur aufgebaut hat, unter anderem mit einem Sondereinsatzteam, das er "Truth Squad" nennt und Schlammschlachten abwehren soll, wie sie ihn hier 2000 aus dem Rennen geworfen hatten.

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