Aus Southfield, Michigan, berichtet Marc Pitzke
Ähnlich kämpferisch gibt sich Mike Huckabee, der in Michigan mit 16 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz landete: "Es sieht also aus, als hätte ich Iowa gewonnen, John McCain New Hampshire und Mitt Romney Michigan", rief er, ebenfalls bereits in den Südstaat weitergewandert, wo die Republikaner am Samstag vorwählen. "Ladies and Gentlemen, wir werden South Carolina gewinnen!"
Und so taumeln die Republikaner einem Nominierungschaos entgegen: Drei grundverschiedene Vorwahlstaaten, drei grundauf verschiedene Sieger - und kein Spitzenreiter bisher, hinter dem sich die Partei geschlossen versammeln könnte. Der Bauernstaat Iowa fand den folkloristischen, doch wertkonservativen Baptistenprediger Huckabee am attraktivsten. Das notorisch unabhängige New Hampshire den Querdenker McCain. Das marode Michigan den Manager Romney. Die "Grand Old Party" in Seenot: "Kein GOP-Anker in Sicht", kommentiert die "New York Times".
Und dann sind da noch die Schläferkandidaten Fred Thompson und Rudy Giuliani, die bisher nur aus der Ferne zuschauten. Südstaaten-Sohn Thompson (geboren in Alamaba, Senator für Tennessee) hofft auf South Carolina. Giuliani spekuliert auf einen Durchbruch am 29. Januar in Florida, wo er seit Tagen per Bus tingelt. Was wird, wenn sich die Lage bis zum "Tsunami Tuesday" am 5. Februar nicht klärt, wenn die Republikaner in 21 Staaten auf einmal antreten? Da dräut das Schreckgespenst aller Parteistrategen: ein Wahlparteitag im Sommer - ohne vorbestimmten Kandidaten. Eine Convention mit Kampfabstimmung: Das hat es bei den Republikanern seit 1948 nicht mehr gegeben.
"Keiner auf der republikanischen Seite scheint das Geld und das Personal zu haben, um in allen Staaten effektiv zu konkurrieren", schreibt Peter Baker in der "Washington Post". "Und wenn keiner den 5. Februar auf einer schwungvollen Welle erreicht, wird auch keiner abräumen." Das orakelte John Judis vom "New Republic" schon im September: "Wenn es bis dahin keinen klaren Spitzenreiter gibt, wird das Rennen wohl bis Juni und vielleicht sogar bis zum Parteitag andauern."
Nächstes Ziel: South Carolina
Und dann müsste der Kandidat dort hinter den Kulissen ausgehandelt werden, in einem mühsamen, zermürbenden Schachern aller Seiten. "Brokered convention", heißt das im Polit-Jargon. "Meine Vorhersage: Wir steuern auf eine 'brokered convetion' zu", ahnte der republikanische Senator Rick Santorum schon in New Hampshire. "Ich glaube nicht, dass wir vorher einen Kandidaten haben werden."
So dramatisch war der Vorwahlkampf seit Jahrzehnten nicht - ein gefundenes Fressen für die US-Medien, die sich mehr für das "horse race" der Kandidaten interessieren, das buchstäbliche Pferderennen, als für Inhalte: "Es fällt schwer, nicht über die Möglichkeiten nachzugrübeln", freut sich Baker bereits auf einen turbulenten Parteitag in St. Paul.
Fest steht: Während sich die Demokraten auf das Duell Clinton-Obama einschießen, schlingern die Republikaner dahin - uneins, unschlüssig, führungslos und vor allem ohne jene einende Koalition der Flügel, wie sie einst Ronald Reagan zum Triumph trug und anfangs auch George W. Bush. Christenbasis (Huckabee), Sicherheitsfalken (McCain), Wall-Street-Establishment (Romney) - sie können nicht zueinander finden. Kein Wunder, dass Romney gestern Reagan gleich mehrfach zitierte, um sich dessen Mantel umzuhängen.
"Romney ist der einzige Kandidat in der Partei, der das volle Spektrum abdeckt", sagte sein Pressespecher Kevin Madden gestern am Rande der Wahlparty in Southfield auf einem zugigen Hotelflur. "Er bringt alle Flügel zusammen, um die Wahl im November zu gewinnen." Dann eilte er auch schon zum Flieger, Ziel: South Carolina.
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