Washington/Brüssel - Die Gräben innerhalb des Militärbündnisses drohen sich mit den jüngsten Äußerungen von US-Verteidigungsminister Robert Gates zu vertiefen: "Die meisten europäischen Truppen, Nato-Truppen, sind für Einsätze gegen Rebellen nicht ausgebildet", sagte Gates in einem Interview der "Los Angeles Times". Stattdessen seien sie noch immer auf dem Stand des Kalten Krieges, als die Soldaten auf eine sowjetische Invasion vorbereitet wurden.
US-Verteidigungsminister Gates: "Die Verbündeten da drüben haben keine Erfahrung"
Gates führte in dem Interview Nato-Schwierigkeiten im Süden Afghanistans an. Zugleich verwies er auf Erfolge des US-Einsatzes in den östlichen Grenzregionen zu Pakistan: "Unsere Männer im Osten erledigen ihre Aufgaben großartig", sagte Gates dem Blatt. "Sie haben das Ding im Griff. Aber ich glaube unsere Verbündeten da drüben haben keine Erfahrung mit so etwas."
Ein Sprecher des Ministers versicherte, die Bemerkungen dürften nicht als Kritik an einzelnen Ländern wie Großbritannien, Kanada oder den Niederlanden missverstanden werden. Die drei Staaten tragen die Hauptlast des Nato-Einsatzes im Süden, der auf erheblichen Widerstand trifft. Stattdessen habe Gates sagen wollen, dass die Allianz als Ganzes nicht die Struktur habe, gegen Aufständische vorzugehen, erklärte der Sprecher in Washington.
Jahrelang haben die Europäer kritisiert, der US-Einsatz in Afghanistan sei einseitig militärisch ausgerichtet und vernachlässige den Wiederaufbau. Nach dem Kommandowechsel übten die USA dann im vergangenen Jahr vergeblich Druck auf Verbündete aus, mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Vor kurzem forderte der britische Premierminister Gordon Brown schließlich einen Strategiewechsel in Afghanistan und verlangte "nüchternen Realismus". Er sprach sich zudem dafür aus, enger mit einheimischen Kräften zusammenzuarbeiten.
Die Nato hat 42.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, rund 15.000 davon sowie den derzeitigen Oberkommandierenden stellen die USA. Weitere 15.000 US-Soldaten kämpfen im Osten in einem separat geführten Anti-Terror-Einsatz. Deutschland hat die Verantwortung für den relativ ruhigen Norden Afghanistans und dort rund 3500 Soldaten im Einsatz, darunter in zahlreichen Wiederaufbauprojekten.
amz/Reuters
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