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27.01.2008
 

Irak

Mit dem Ex-Feind auf Patrouille

Von Ulrike Putz, Rawah

2. Teil

Man darf wohl sagen, dass es zumindest in ethnisch homogenen Provinzen im Irak bergauf geht. In Al-Anbar, der größten irakischen Provinz in der Rawah am Euphrat liegt, hat das "Erwachen der Sunniten" die Kehrtwende eingeläutet. Seit deren Stammesführer im Sommer 2007 beschlossen, die Amerikaner in Zukunft nicht mehr zu bekämpfen, sondern mit den Besatzern zusammenzuarbeiten, hat sich die Lage erheblich verbessert. In Rawah wird gebaut, die Kinder spielen wieder auf der Straße. "Die Situation" ist Lieblingsthema beim abendlichen Palaver der Honoratioren des Örtchens. Sie sind sich einig: So gut war es seit Saddams Zeiten nicht mehr. Auch die USA spüren, dass der Druck nachlässt. Die US-Verluste sind von ihrem höchsten Stand im Mai 2007 mit 126 Toten in einem Monat auf 38 im November 2007 gesunken. Die Skepsis freilich bleibt, wie lange der Burgfrieden halten wird.

Dass die US-Truppen im Irak in den ersten Jahren des Krieges auf allen Ebenen eklatante Fehler begangen haben, dürfte unbestritten sein. Klar ist aber auch, dass sie dazu gelernt haben, im Kleinen wie im Großen. Wer heute als US-Marine in den Irak geschickt wird, hat einen Monat "Mojave Viper" hinter sich. Auf einem Truppenübungsplatz in Südkalifornien trainieren die Einheiten in den Attrappen irakischer Dörfer, was im echten Irak auf sie zukommt. Dabei stehen nicht nur Feuergefechte mit von Komparsen dargestellten "Terroristen" auf dem Programm, sondern auch der Austausch der im Irak überaus wichtigen Höflichkeiten wird geübt. Arabisch-Grundkurse sind Pflicht, dass sie fruchten, zeigt sich im Alltag. "Du vorne, du in der Mitte, du Funker." Das Arabisch, dass ein Lieutenant bei der Vorbereitung auf eine von Amerikanern und Irakern gemeinsam durchgeführte Patrouille zum Einsatz bringt, ist rudimentär, erfüllt aber seinen Zweck und zeigt vor allem guten Willen. Für komplexere Sachverhalte stehen ohnehin rund um die Uhr Übersetzer bereit.

"Alles passiert durch die Iraker und mit den Irakern. Hilf ihnen!" Der Leitspruch, der auf einem Din-A4-Zettel ausgedruckt im Flur des Außenpostens hängt, steht im Gegensatz zu anderen Marines-Glaubensbekenntnissen, die daneben hängen. "Sei höflich, professionell, habe einen Plan, jeden zu töten, den du triffst", steht da. Der nächste Spruch erscheint wie ein Kompromiss: "Ergreife die Initiative mit dem offensiven Geist eines Kriegers und dem Herzen eines Friedensbringers".

Schwieriger Spagat

Dass sie sich in die Rolle der wohlwollenden Hilfstruppe immer wieder neu einfinden müssen, geben die Marines offen zu. "Es ist manchmal schon ein komisches Gefühl, jetzt mit den Irakern Streife zu laufen", sagt First Lieutenant Brian Perkins. Einige der Einheimischen, die heute als Polizisten auf dem gleichen Flur wie die Marines schlafen, kennen die Amerikaner noch vom vergangenen Jahr. "Einige hatten wir verhaftet, weil wir wussten, dass sie zu den Aufständischen gehören. Wir mussten sie aber laufen lassen, weil wir nicht genug Beweise gegen sie hatten." Es ist ein Spagat, der manchem nicht leicht fällt. "Ich bin dazu ausgebildet, diese Männer zu töten, und jetzt muss ich ihnen auf Streife mein Leben anvertrauen", sagt ein Marine, der anonym bleiben möchte.

Die meisten der jungen Männer der Apache-Kompanie sind zum dritten oder vierten Mal für ein halbes Jahr in der Region stationiert. Seit die Marines in Rawah sind, haben sie durch Sprengminen, Überfälle und Angriffe 20 Mann verloren. Zwar liegt der letzte Angriff auf die Kompanie bereits drei Monate zurück, trotzdem legen einige der Marines auch in den Schlafquartieren die geladenen Pistolen am Gürtel nicht ab. Sie nehmen einen Spruch ernst, der per Schablone an viele der Wände des Camps gesprüht steht: "Complacency kills - Selbstzufriedenheit tötet".

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