Gaza - Maskierte Männer zündeten vor dem Morgengrauen die Sprengladungen und rissen so mehrere Dutzend Löcher in die Sperranlagen. Augenzeugen berichteten, dass Kämpfer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas Bulldozer einsetzten, um Stacheldrahtzaun und Metallsegmente der Grenze zu zerstören. Es habe mindestens 15 Explosionen gegeben.
Die ausgehungerten Palästinenser eilten in ägyptische Ortschaften wie Rafah und Al-Arisch, um dort in großen Mengen Nahrungsmittel, Benzin und andere Versorgungsgüter einzukaufen. Die ägyptischen Grenzbeamten und die Hamas-Polizei griffen nicht ein.
Nach Angaben von Beobachtern vor Ort errichteten die Ägypter jedoch auf den Landstraßen der Sinai-Halbinsel Straßensperren, um zu verhindern, dass die Palästinenser nach Kairo oder in andere Regionen des Landes weiterreisen.
Präsident Husni Mubarak hatte am vergangenen Montag zusätzliche Grenzwächter nach Rafah geschickt und die israelische Regierung aufgefordert, ihre Blockade des Gaza-Streifens zu lockern. Die Hamas-Regierung hatte Ägypten wiederholt aufgefordert, seine Grenze zu öffnen.
Israel rief die Führung in Kairo heute zu Maßnahmen gegen das Stürmen der Grenze auf. "Wir erwarten, dass Ägypten dieses Problem löst", heißt es in einer Erklärung des israelischen Außenministeriums. Ägypten sei dafür verantwortlich, dass die Grenzkontrollen entsprechend internationaler Abkommen verliefen.
Weil Israel die Grenze zum Gaza-Streifen nach den andauernden Raketenangriffen abgeriegelt hat, leiden die Bewohner des Gebiets unter einem akuten Versorgungsmangel. Auch Ägypten sperrte seine Grenze zum Gaza-Streifen. Bei Zusammenstößen zwischen mehreren Hundert Palästinensern und ägyptischen Grenzbeamten wurden gestern 70 Menschen verletzt.
Nach einer Lockerung der Grenzsperre durch Israel wurde die Stromversorgung in der Stadt Gaza nach nahezu zweitägiger Unterbrechung wieder aufgenommen. Israelische Tanklastwagen brachten 700.000 Liter Kraftstoff über die Grenze. Weitere Lastwagen transportierten Gasflaschen und Medikamente. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums kündigte an, dass die Lieferungen heute fortgesetzt würden.
als/AFP/AP/dpa
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