Aus Charleston, South Carolina, berichtet Gregor Peter Schmitz
Diese erstickten Lacher ziehen sich durch ihre Reden. Manchmal gelten sie ihrem Mann. Dass der nicht die Socken wegräumt, erzählt sie, dass er so einen komischen Namen hat. Die Studenten lachen darüber, doch Journalisten haben die Stirn gerunzelt. Sie schrieben: Darf man das sagen über einen Mann, der vielleicht bald der Führer der freien Welt sein wird?
Aber die Obamas wirken dadurch auch wie ein sehr normales Ehepaar. Man könnte sich vorstellen, dass sie sich am ersten Tag im Weißen Haus lachend angucken und nicht recht glauben, wie das passieren konnte. Vor drei Jahren, berichtet Michelle, haben sie endlich ihre Schulden fürs Studium abgestottert.
Ihre Rivalen, die Clintons, haben viele der Räume im Weißen Haus selbst dekoriert. Sie sind wohl das bekannteste Ehepaar der Welt. Die Clintons haben zusammen rund 15 Millionen Dollar Vorschuss für ihre Memoiren erhalten.
Barack Obama ist von Medien und Fans längst in den Rockstar-Himmel der Clintons gehoben wurden. Seine Frau holt ihn auf die Erde zurück.
Gestern Abend ist sie für ihn in Charleston unterwegs. In einer Galerie drängen sich fast 200 Frauen. Viele schwarze Gesichter sind darunter, in allen Altersgruppen. Sie sind "Women for Obama", und sie sind voller Feuer. Sie singen Obama-Slogans, sie tauschen Klatsch über die Clintons aus. Schließlich kommt Michelle, und die Frauen johlen los. Ihr Vortragsstil ist hier anders: Nun ist sie die erfahrene Frau, die mit ihresgleichen Frauen spricht. "Sie bauen dir erst eine Hürde auf", ruft sie. "Dann schaffst du die. Und dann legen sie sie wieder höher. Du schaffst die auch. Und dann legen sie sie wieder höher. Kennt ihr das?" Zustimmendes Gejohle der Frauen. Schließlich brüllt Obama fast: "Wenn Barack Präsident wird, werde ich weiter sagen, was ich denke. Ich werde einen Platz am Tisch haben, ich werde ihn nicht mehr weggeben." Der Applaus schwillt zum Orkan.
Es sind viele gebildete Frauen in dieser Gruppe. Ihre Gespräche drehen sich um Hochschulen, Stipendien. Bei einfacheren Frauen hat Obama einen schwereren Stand. Die gucken fast eingeschüchtert, wenn sie den Raum betritt - sie sieht blendend aus im eleganten Hosenanzug, den hohen schwarzen Lederstiefeln. Doch sie entschuldigt sich einfach lächelnd für die Verspätung. "Ich musste noch mit den beiden kleinen Leuten reden." Ihren Kindern. "Es ist ja bald Schlafensgehzeit." Damit ist das Eis gebrochen.
Replik auf Clintons Attacken
Journalisten drängen sich mittlerweile bei Michelle Obamas Auftritten, CNN berichtet. Die Aufmerksamkeit, die sie erhält, liegt auch an den Rivalen: den Clintons. Hillary hat ihre historische Rolle als weibliche Bewerberin neu umarmt: Frauen haben sie in den Vorwahlstaaten New Hampshire und Nevada zum Sieg getragen. Ehemann Bill greift seit Wochen Obama an. Er nennt ihn unerfahren, verspottet seine Rhetorik als Träumerei. So engagiert ist Bill, dass Obama mittlerweile fragt: "Gegen wen trete ich eigentlich an?"
Michelle Obama ignorierte die Clintons bisher. Gestern aber hat sie denen in einer E-Mail an ihre Anhänger vorgeworfen, "um jeden Preis" gewinnen zu wollen. Bill Clinton tritt in Charleston ein paar Straßen von ihr entfernt in einem Restaurant auf. Davor stehen Katherine und Victoria. Die beiden schwarzen Großmütter sind 50 Meilen mit dem Auto gekommen und haben sich richtig herausgeputzt. Den Ex-Präsidenten wollen sie sehen, sie schwärmen für ihn. "Er ist so cool und aus dem Süden. Der weiß, wie man sich unter schwarzen Leuten bewegt", sagt Katerine.
Doch in der Wahl am Samstag will sie trotzdem für Hillarys Rivalen stimmen - auch wegen Michelle und der Kinder. Sie hat sich Fotos von den vier zusammen angeschaut, nach Obamas Sieg in Iowa. "Klar, Bill kann man den ersten schwarzen Präsidenten nennen, wenn man will", sagt Katerine. "Aber schau dir das Foto an: Die Obamas sind nun mal wirklich schwarz."
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