Aus Columbia, South Carolina, berichtet Gregor Peter Schmitz
Von dieser Rede werden die Amerikaner noch lange reden. Und von diesem Vorwahlkampf erst recht, soviel steht jetzt schon fest. Neun Tage vor dem "Super Duper Tuesday", an dem bei den Demokraten 22 Bundesstaaten abstimmen werden, ist das Rennen nach wie vor völlig offen. Clinton hat dreimal gesiegt, Obama zweimal. Er hat ein paar Delegierte mehr, was aber nicht viel wert ist.
Die Delegierten von Edwards dürften noch wichtig werden
In South Carolina ging es um 45 Delegierte, am 5. Februar stehen mehr als 1000 zur Verteilung an. Und weil die Demokraten diese proportional aufsplitten, wird es wohl selbst dann mathematisch unmöglich sein für einen der beiden Rivalen, entscheidend davon zu ziehen. So könnte sogar John Edwards die Rolle des "Königsmachers" zufallen. Der Ex-Senator lächelt am Abend tapfer, er fühlt sich ermutigt durch sein Ergebnis von 18 Prozent.
Aber natürlich ist ein dritter Platz eigentlich ein Tiefschlag für ihn. Edwards wurde in South Carolina geboren, vor vier Jahren hat er hier noch gewonnen. Am Vorabend hielt er eine Rede auf dem Campus des College of Charleston, die Zahl der Zuschauer war übersichtlich. "Ich bin der Underdog, der sich um die einfachen Menschen kümmert", beschwor Edwards sie. Doch er wartet immer noch auf einen Sieg, sein Team hat kaum Geld für den weiteren Wahlkampf. Aber sollte der Zweikampf Obama/Clinton unentschieden bleiben und Edwards durchhalten bis zum Parteitag im August, dürften seine Delegierten dort eine wichtige Rolle spielen.
Auch Clinton setzt nun auf die Delegierten-Mathematik. Während Obama noch seine Rede hält, ist sie schon in Tennessee bei einer neuen Wahlveranstaltung. Auch dort wird am 5. Februar abgestimmt. Statt einer Rede veröffentlicht sie eine Erklärung, in der sie gleich im ersten Absatz hervorhebt, wie froh sie sei, dass Millionen Menschen in Florida und anderen Bundesstaaten bald abstimmen dürften. Florida? Eigentlich hatten die Demokraten sich versprochen, dort keinen Wahlkampf abzuhalten, weil Floridas Demokratische Partei mit ihrer frühen Abstimmung gegen Partei-Bestimmungen verstößt. Aber für solche Feinheiten ist im immer härteren Kampf um die Nominierung keine Zeit mehr.
Denn nun beginnt der Schlagabtausch erst richtig. Bill Clinton hat diese Woche schon vorgelegt. Jesse Jackson, ließ er sich etwa vernehmen, habe South Carolina ja einst auch deutlich gewonnen. Jackson ist der schwarze Bürgerrechtler, der 1988 in elf US-Bundesstaaten siegte - aber die weißen Wähler mit seiner zornigen Rhetorik so verschreckte, dass er nie ein ernsthafter nationaler Bewerber wurde. Die Clinton-Leute wollen, daraus machen sie kaum einen Hehl, Obama als "Jesse Jackson 2" darstellen. Sie werden in den nächsten Tagen vor allem über den überragenden Anteil schwarzer Stimmen für Obama reden. Pat Buchanan, einst republikanischer Präsidentschaftsbewerber und nun Fernsehkommentator, orakelt schon: "Die Clintons haben ihn genau da, wo sie ihn haben wollen."
Auch Ted Kennedy soll sich für Obama aussprechen
Doch es ist genauso möglich, dass diese Strategie nach hinten losgeht. Der gewaltige Vorsprung Obamas macht solche Verengungen schwierig. Und der Senator erhält immer neue Unterstützung. In der "New York Times" schreibt heute Caroline Kennedy, die Tochter von John F. Kennedy: "Ich habe bislang keinen Präsidenten erlebt, der mich so inspiriert hat, wie mein Vater andere Menschen inspiriert hat. Aber ich glaube, in Barack Obama einen Menschen gefunden zu haben, der so ein Präsident sein könnte - nicht nur für mich, sondern für eine neue Generation von Amerikanern."
Ein Obama-Berater erzählt gestern Abend, auch der jüngere Bruder John F. Kennedys, Ted Kennedy, werde sich hoffentlich in den nächsten Tagen für Obama aussprechen. Kennedy ist eine Legende unter den Demokraten, er hat gerade Bill Clinton heftig angegangen für seine scharfen Attacken im Wahlkampf. Seine Kritik fügte sich in den lauter werdenden Reigen an Demokraten, die Kritik an den Clintons äußern: Dass sie nicht nur alt aussehen im Vergleich mit dem jungen Ehepaar Obama, sondern auch in den Schlachten der Neunziger feststecken. Sie sorgen sich zudem, die polarisierende Hillary Clinton könne gar gegen einen moderaten Republikaner wie John McCain verlieren. An den US-Zeitungsständen liegt gerade die jüngste Ausgabe des einflussreichen Magazins "New Yorker" - das fragt, ob es ein Problem für Clinton sei, immer nur zu beeindrucken, aber selten zu begeistern.
In einer der Umfragen, die CNN nach der Wahl durchführte, fragten sie die Leute auch, wer von den Kandidaten sich wirklich um Menschen sorge. Hillary Clinton landet abgeschlagen auf dem letzten Platz. Nicht einmal jeder fünfte Wähler denkt das von ihr.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2008 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH