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30.01.2008
 

Republikaner in Florida

McCain jubelt, Romney kämpft, Giuliani kapituliert

Aus Miami berichtet Marc Pitzke

2. Teil: Sieg im "Sunshine Showdown"

Und so war diese Vorwahl, im bisher größten, unberechenbarsten, demografisch vielfältigsten Wechselwählerstaat der USA, für alle mehr als nur eine Etappe. Sie war der letzte große Test vor der quasi-landesweiten Vorwahl des "Super Tuesday" am kommenden Dienstag, wenn die Republikaner in insgesamt 21 Bundesstaaten über ihre Kandidaten-Präferenz abstimmen.

Sie war der Lackmustest für McCain, bei dem sich zeigen würde, ob seine Siege von New Hampshire und South Carolina nur Glücksfälle waren oder ob er wirklich Führungspotential hat. Sie war Romneys letzte Chance, sich noch nach vorne zu drängeln. Sie war Giulianis einzige Chance.

McCain geht nun als höchstwahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat seiner Partei ins Endspiel. Sein Sieg im "Sunshine Showdown" ("Wall Street Journal") hatte zwar "keine Erdrutsch-Proportionen", wie er selbst seine Fans gestern warnte. "Aber nichtsdestotrotz ist er süß". Ari Fleischer, der Ex-Sprecher des Weißen Hauses, formulierte es elegischer: "Heute Abend hat er die Brücke überquert."

Die Brücke zur Wählbarkeit, vor allem in der eigenen Partei. Bisher ging ja die Mär, McCain sei nicht konservativ genug für die Konservativen, weil er Demokraten die Hand schüttelt, mit Ted Kennedy zusammenarbeitet und für Klimaschutz ist - eine vermeintliche Schwachstelle, die auch Romney in letzter Minute noch auszunutzen versucht hatte, indem er sich im frühen Morgengrauen vor eine Tankstelle in West Palm Beach stellte und McCain "linksliberal" schimpfte.

Es war einer von gleich mehreren Mythen, die gestern zerbrachen. Bei der Florida-Primary waren nämlich ausschließlich eingetragene Parteimitglieder der Republikaner zugelassen, keine Unabhängigen oder wankelmütige Demokraten, wie sie McCain in New Hampshire und South Carolina geholfen hatten.

Sechs Städte in zwölf Stunden

Trotzdem gewann McCain auch hier und bewies so, dass er die gesamte Partei hinter sich bringen kann. "Ich bin stolz, ein republikanischer Konservativer zu sein", stellte er gestern klar - in einer Rede, in der er drei Mal Ronald Reagan erwähnte, der die Flügel der Partei vereinte wie kein anderer.

McCain gewann mit einer cleveren Wahlkampf-Logistik, die zugleich auch seine Qualifikation für einen landesweiten Feldzug unter Beweis stellt. Er konzentrierte seine Tingeltourneen durch den Sonnenstaat auf Bezirke mit einem hohen Anteil an Veteranen (die den Ex-Kampfpiloten als Idol verehren), an Senioren (die mit dem 71-Jährigen eine Altersaffinität empfinden) und an Latinos (die seine moderate Einwanderungspolitik schätzen). Er wusste, wo die entscheidenden Stimmen zu holen waren.

Da konnte sich Romney - der am Montag per Charter-Jet schnell noch sechs Städte in zwölf Stunden abklapperte - noch so sehr als Finanzexperte aufplustern, in der Hoffnung, in ihrer Rezessionsangst würden die Wähler lieber einem Multimillionär trauen als einem Soldaten.

Für Romney geht es nun wirklich ums "Endgame". Spätestens hier in Florida zeigte sich, dass seine unendlichen Finanz-Ressourcen allein keinen Sieg garantieren. Die Niederlage war knapp, doch sie bleibt eine Niederlage, da McCain alle 57 Delegierten Floridas für den Wahlparteitag zugesprochen bekommt.

Die zweite, dramatische Story dieses Abends war der sang- und klanglose Untergang von Rudy Giuliani. Seine Strategie, die ersten Vorwahlen zu ignorieren und alles auf Florida zu setzen, ging gründlich daneben - was sich schon in den letzten, traurigen Tagen seiner Rundreise gezeigt hatte. Dies ist der endgültige Schlussstrich unter die jahrelange, politische Instrumentalisierung des 11. September 2001. Einer seiner Mitarbeiter sagte, Giuliani werde seinen Wählern für die Vorwahl in Kalifornien am kommenden Mittwoch McCain empfehlen. Alles deutet also darauf hin, dass sich Giuliani aus dem Rennen zurückzieht.

"Heute Abend, meine Freunde, feiern wir"

Bei den Demokraten wurde gestern übrigens auch gewählt. Zumindest pro forma. Die Partei hatte Floridas Primary zwar vorab für irrelevant erklärt, indem sie sich weigerte, dessen Delegierten beim Nominierungsparteitag im August zuzulassen - als Strafe dafür, dass Florida seinen Vorwahltermin eigenmächtig vorverlegt hatte. Woraufhin es zu einer typisch floridianischen Groteske kam: Es gab hier keinen Wahlkampf, aber trotzdem eine Wahl. Eine reine "Schönheitskonkurrenz", wie Barack Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe gestern lästerte.

Bei der "siegte" Hillary Clinton, die gestern den ultimativen Akt der Heuchelei beging: Nachdem sie zuvor erklärt hatte, sie werde Florida ignorieren, flog sie zur "Siegesfeier" in Davie ein, einem Vorort von Fort Lauderdale, um dort zu versichern: "Eure Stimme zählt!"

Dahinter steckt jedoch eine perfide Strategie: Clinton hofft, dass die Florida-Delegierten am Ende doch noch mitgerechnet werden und sie, im Falle eines Patts mit Obama, zur Kandidatur tragen. "Wir erwarten, dass die Delegierten berücksichtigt werden", sagte Clintons Wahlkampfchefin Patti Solis Doyle gestern in einer eigens dazu einberufenen Konferenzschaltung mit Reportern.

Und so richteten sich denn schon gestern Abend alle Blicke auf den nächsten Dienstag. "Heute Abend, meine Freunde, feiern wir", rief McCain. "Morgen geht's zurück an die Arbeit."

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