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05.02.2008
 

Geschichte

Polen bleibt beim Nein zum Vertriebenenzentrum

Endgültige Absage: Warschau will sich an dem in Berlin geplanten Zentrum gegen Vertreibungen endgültig nicht beteiligen. Der polnische Regierungsbeauftragte Bartoszewski sagte jedoch, die Einbindung polnischer Wissenschaftler sei möglich.

Warschau/Berlin - Wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und sein polnischer Gesprächspartner Wladyslaw Bartoszewski in Warschau mitteilten, beabsichtige die polnische Seite zwar nicht, "sich an dem Vorhaben formell zu beteiligen, was eine Beteiligung polnischer Historiker (aber) nicht ausschließt".

Die beiden vereinbarten eine Zusammenarbeit bei Projekten zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Polen. Dazu zählen die Renovierung eines Denkmals auf der Danziger Westerplatte und die Gestaltung eines "Museums von Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert" in Danzig.

Die Reise Neumanns nach Danzig hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk im Dezember bei einem Treffen in Berlin vereinbart. Der Streit über die Errichtung eines Vertriebenenzentrums in Berlin belastet seit Jahren das deutsch-polnische Verhältnis. Im Koalitionsvertrag von 2005 hatten sich Union und SPD darauf verständigt, ein "sichtbares Zeichen" gegen Vertreibungen in Berlin zu setzen.

Das Konzept dafür erarbeitete Kulturstaatsminister Neumann in Abstimmung mit den SPD-Politikern Wolfgang Thierse und Monika Griefahn. Danach soll eine Ausstellung im Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof unweit des Potsdamer Platzes entstehen, die sich den Vertreibungen im Europa des 20. Jahrhunderts widmen soll.

Neumann betonte in Warschau, es sei die Absicht der Bundesregierung, "den historischen Zusammenhang darzustellen und dabei auch die Deportation polnischer Bevölkerung zu berücksichtigen". Die polnische Seite beabsichtige aber nicht, sich an dem Vorhaben formell zu beteiligen.

In Polen befürchtet man den Versuch einer Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg. Tusk hatte bei seinem Berlin-Besuch als Alternative zum Vertriebenenzentrum die Errichtung eines europäischen Weltkriegs-Museums in Danzig angeregt. Merkel zeigte sich zwar offen für ein solches Projekt, ließ allerdings keinerlei Bereitschaft erkennen, im Gegenzug die Pläne der Bundesregierung für das "sichtbare Zeichen" zu den Akten zu legen.

asc/AP/dpa

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