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11.02.2008
 

Demokraten-Duell

Obama rockt, Clinton hat den Blues

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Es war eine Verzweiflungstat: Nach fünf Niederlagen in Serie zog Hillary Clinton die Reißleine und feuerte ihre Wahlkampfmanagerin. Ob sie mit diesem Manöver ihre Kandidatur noch retten kann? Die Obama-Kampagne bekommt täglich mehr Schwung.

Washington - Good Vibrations für Barack Obama: In Los Angeles wurden die "Grammys" vergeben, einer Art Musik-Oscar. Und einen davon gab es für den Rockstar unter den Politikern - Obama. Er gewann seinen "Grammy" für die Hörbuchaufnahme seines Bestsellers "The Audacity of Hope" - der Mut zur Hoffnung. Ein Buchtitel, der selbst schon wie eine inspirierende Song-Zeile klingt.

Die Nachricht fügte sich ein in einen Vielklang von Misstönen für Obamas große Rivalin Hillary Clinton. Gestern unterlag die ihm deutlich bei der Abstimmung in Maine - nach klaren Niederlagen am Tag zuvor in Nebraska, Washington und Louisiana. Fast noch mehr Lärm aber machte der abrupte Umbau in Clintons engstem Beraterkreis. Ihre Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyles muss das Feld räumen. Ihre Aufgaben wird Maggie Williams übernehmen, eine langjährige Clinton-Vertraute, die schon seit deren Niederlage in Iowa Anfang Januar mehr Verantwortung erhalten hatte.

Natürlich bemühten sich die PR-Helfer der ehemaligen First Lady nach Bekanntwerden der Personalie gestern Nachmittag sofort um rhetorische Schadensbegrenzung: Der Ausstieg Doyles sei lange geplant gewesen, versuchten sie den Journalisten einzuflüstern, diese müsse sich einfach mehr um ihre Kinder kümmern. Sechs und neun Jahre seien die erst alt, und Doyles könne ihnen nicht noch weitere Wochen oder Monate der Schlacht mit Barack Obama zumuten. Und natürlich bleibe sie Clinton ja auch erhalten - als Beraterin.

Tatsache aber ist: Der Personalumbau wirkt wie eine Verzweiflungstat. Genauso wie die Nachricht wenige Tage zuvor, dass die Clintons fünf Millionen Dollar aus ihrem eigenen Vermögen auf ihre Wahlkampfkonten überwiesen hatten - um mit Obamas rasant anschwellender Kriegskasse mithalten zu können, die allein im Januar um 32 Millionen Dollar wuchs. Clinton kam in diesem Zeitraum auf eher bescheidene 13 Millionen Dollar an Spenden.

Clintons bisherige Wahlkampfstrategie ist fehlgeschlagen

Beide Entwicklungen offenbaren, wie sehr Clintons ursprüngliche Wahlkampfstrategie fehlgeschlagen ist. Eigentlich wollte sie sich am vorigen Super Tuesday schon die Nominierung sichern. Mark Penn, ihr Strategieguru - dessen Anweisungen übrigens auch Doyles meistens folgte - hatte für sie den Weg zur "Unvermeidlichkeit" vorgezeichnet.

Penn ist im Hauptberuf Präsident der PR-Firma "Burson Marsteller": ein kühler Zahlenmensch, ein Herr über Datenbanken - über "Mikrotrends", wie ein Besteller heißt, den Penn verfasst hat. Er wollte für Clinton eine große Koalition aus vielen demoskopisch präzise ausgeleuchteten Wählergruppen im ganzen Land schmieden - die sie zur nicht aufhaltbaren Bewerberin werden lassen sollte. "Ich trete an, um zu gewinnen", verkündete Clinton bei der Erklärung ihrer Kandidatur im Januar 2007. Sie wollte sich mit den anderen demokratischen Herausforderern nicht messen, sie wollte sie überrollen. Ihr Blick war schon ganz auf den großen Preis gerichtet, auf die Wahl im November dieses Jahres gegen die Republikaner.

Aber diese kühle Strategie geriet spätestens mit Clintons Niederlage in Iowa ins Wanken. Und rasch zeigten sich die Grenzen des Pennschen "Mikotrend"-Ansatzes. Gegen Obamas inspirierende Rhetorik wirkte Clinton auf einmal oft kleinkariert und berechnend. Im Duell mit dem Menschenfänger erschien sie plötzlich vielen bloß als eine weitere Politikerin.

Deshalb waren ihre Top-Berater schon lange unter Beschuss geraten. Kurz vor den zweiten Vorwahlen in New Hampshire, als alle Umfragen einen weiteren Triumph Obamas voraussagten, hatten Mark Penn und Patti Solis Doyles bereits ihren Rücktritt angeboten. Nach Clintons überraschendem Sieg wurde der Personalumbau dann vertagt.

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