Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Jetzt kommt er doch noch. Denn die Versäumnisse in ihrem Team sind offensichtlich - und sie sind strategischer und organisatorischer Natur. Am überraschendsten: Die erfahrene Clinton-Maschinerie kann mit dem organisatorischen Unterbau des Obama-Teams oft nicht mithalten. In Bundesstaaten, die einen komplizierten Caucus abhalten - bei dem Wähler nicht einfach ihre Stimme abgeben, sondern erst an einer Diskussionsveranstaltung teilnehmen müssen - mobilisiert Obama seine Anhänger weit besser als Clinton. Auch Clintons Rückstand beim Geldsammeln zeigt die Schwächen der Entscheidung ihres Teams, vorwiegend auf wohlhabende Großspender zu setzen und darüber den Aufbau eines Netzwerkes weniger finanzstarker Geldgeber zu vernachlässigen. Zwar hat das Clinton-Lager nun verkündet, schon 10 Millionen Dollar im Februar eingesammelt zu haben - doch Obama wird im Geld-Zweikampf wohl auch in diesem Monat wieder deutlich vorne liegen. Denn er spricht viel mehr Unterstützer an, die immer wieder Kleinspenden geben können, bis sie die zulässige Höchstgrenze von 2300 Dollar erreicht haben. Viele von Clintons Spendern haben diesen Höchstbetrag hingegen längst ausgeschöpft.
Die Berater um Penn und Doyles scheinen zudem nicht vorausgesehen zu haben, wie geschickt das Obama-Team seine Ressourcen bündelt. Dem war von Anfang an klar, dass sie sich in großen US-Bundesstaaten gegen die starke Marke Clinton schwer tun würden. Deshalb konzentrierten sie ihre Anstrengungen auf kleinere Bundesstaaten und solche, in denen ein Caucus abgehalten wird. Diese große Zahl von Siegen in kleineren Bundesstaaten lässt sich nun hervorragend als Siegesserie im ganzen Land verkaufen - mittlerweile kann Obama imposante 20 Siege vorweisen. Clinton hat bloß 10 feiern können, wenn auch in größeren Bundesstaaten.
Präzedenzfall John Kerry: mit neuem Manager neue Energie
Ob der Personalumbau für sie eine Wende zum Besseren einläutet? Vor vier Jahren hat der damalige demokratische Bewerber John Kerry durch das Feuern seines Wahlkampfmanagers seine Bewerbung neu belebt und sich Weg zur Nominierung gebahnt - aber das geschah lange vor der ersten Vorwahl in Iowa.
Auch aus dem Clinton-Umfeld heißt es nun, ihr Team brauche neue Energie. Doch am meisten bräuchte sie wieder Siege. Bei den weiteren Vorwahlen im Februar, in denen Obama überwiegend favorisiert ist, scheint das jedoch nur mäßig wahrscheinlich. Daher setzt Clinton nun ganz auf die Abstimmungen in den großen Bundesstaaten Ohio und Texas am 4. März. Dort leben viele hispanische Wähler, dort dreht sich der Wahlkampf um Wirtschaftsthemen - beides Vorteile für die ehemalige First Lady. Aber wie riskant eine solche Wartestrategie sein kann, hat bei den Republikanern gerade Rudy Giuliani vorgeführt. Der Ex-Bürgermeister von New York igelte sich während des gesamten Januar in Florida ein und hoffte, dass ihm die Siege seiner Konkurrenten in anderen Bundesstaaten nicht schaden würden. Eine grandiose Fehleinschätzung.
Auch Obama könnte durch weitere Vorwahl-Siege morgen und nächste Woche so viel Begeisterung entfachen, dass ihn diese ebenfalls zum Triumph in Ohio und Texas am 4. März trägt. Schon jetzt liegt Obama bei den Stimmen und Delegierten, die es bislang zu verteilen gab, vorne. Nur Clintons stärkerer Rückhalt unter den 796 "Super-Delegierten" - ehemaligen und aktuellen Parteihierarchen - sichert ihr derzeit noch einen knappen Vorsprung. Aber die können ihre Präferenz auch jederzeit ändern.
Wenigstens die Unterstützung eines "Super Delegate" hat Clinton ganz sicher - Ehemann Bill. Doch selbst der musste sich am Wochenende der Obama-Euphorie beugen. Bei den "Grammys" stach Barack Obama nämlich eine Schar anderer prominenter Vorleser von Hörbüchern aus. Darunter, für ein Buch über seine Stiftungsarbeit, Ex-Präsident Bill Clinton.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2008 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH