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19.02.2008
 

Fidel Castro

Väterchen Kuba tritt ab

Von Carsten Volkery

2. Teil: Als 13-Jähriger bat Castro US-Präsident Roosevelt schriftlich um einen Gefallen: "Wenn Sie wollen, schicken Sie mir einen Zehn-Dollar-Schein," schrieb der Kleine, "weil...."

Das Verhältnis zu den USA bestimmte einen Großteil seines Lebens. Sein Interesse am großen Nachbarn erwachte früh. Als 13-Jähriger schickte Castro einen Brief an Franklin Delano Roosevelt. Auf Englisch und in ordentlicher Handschrift bat er den US-Präsidenten um einen Gefallen. "Wenn Sie wollen, schicken Sie mir einen Zehn-Dollar-Schein, weil ich noch nie einen gesehen habe", schrieb der kleine Castro und offerierte im Austausch dafür seine Dienste. "Wenn Sie Eisen brauchen, um Ihre Schiffe zu bauen, kann ich Ihnen die größten Eisenminen des Landes zeigen."

Später wurde die Neugier zur Obsession. Sein ganzes politisches Leben - und viele siebenstündige Reden - widmete Castro dem Kampf gegen das "Imperium im Norden". Es war ein biblisches Drama: Eine kleine Insel stemmt sich gegen die nur 90 Seemeilen entfernte Supermacht. David gegen Goliath. Die USA spielten ihren Part geradezu vorbildlich, aber weder die vom Auslandsgeheimdienst CIA gesteuerte Invasion der Schweinebucht durch Exilkubaner 1961 noch das später verhängte Handelsembargo zwangen Castro in die Knie. Mit jedem Abgang eines US-Präsidenten wuchs Fidels Nimbus der Unbesiegbarkeit: Am Ende hatte Castro zehn Kerben gesammelt, von Eisenhower bis Bush Junior.

Ein Ende in Ohnmacht

Mit dem Ende des Kalten Krieges verlor Kuba jedoch seinen Frontstatus, die Geschichte wurde fortan in anderen Weltregionen geschrieben. Der Fall in die Bedeutungslosigkeit war vielleicht die schlimmste Strafe für Castro. Die letzte Bastion des Sozialismus in der westlichen Hemisphäre wurde zum traurigen Kuriosum, zum Freilichtmuseum für Millionen Touristen. Während die Sowjet-Satelliten in Osteuropa zu liberalen Demokratien heranwuchsen, ließ Castro sein Land sehenden Auges verwahrlosen. Ohnmächtig musste er mit ansehen, wie sich auch in der sozialistischen Gesellschaft Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten herausbildeten. Sein letzter Kampf galt den "Neureichen" auf der Insel - doch wirkte der greise Revolutionär dabei wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen.

Castro wurde zur tragischen Figur, ein starrsinniger alter Mann, der die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollte. Er glaubt immer noch, der Zerfall der Sowjetunion sei ein historischer Fehler und das Ende des Kapitalismus unvermeidlich. Hoffnung geben ihm die Globalisierungskritiker, die bei Weltwirtschaftsgipfeln protestieren, und die Präsidenten von Venezuela und Bolivien, Hugo Chávez und Evo Morales, die sein Werk der "Befreiung Lateinamerikas" fortzuführen versprechen.

Der Linksruck in Lateinamerika bescherte Castro in seinen letzten Regierungsjahren noch einen unerwarteten zweiten Frühling. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte, dem Mercosur-Gipfel in Argentinien, hörten die wichtigsten Regierungschefs des Kontinents dem weitschweifigen Monolog des Kubaners geduldig zu - und boten ihm schließlich eine privilegierte Partnerschaft an.

Nun sieht es so aus, als wäre Castro leichter zu ersetzen als lange geglaubt. Anderthalb Jahre nach seinem Abgang von der Bildfläche geht das Leben in Kuba seinen gewohnten Gang. 2006 war der Schock groß - kein Wunder, sind doch 70 Prozent der Kubaner nach der Revolution geboren. Der Mann, den alle "Fidel" nennen, war für sie eine Vaterfigur.

Seither hatten die Kubaner genug Zeit, sich gedanklich auf ein Leben ohne den Allmächtigen vorzubereiten. Die bange Frage, ob Kuba ohne Fidel ins Chaos stürzen würde, ist in den vergangenen anderthalb Jahren bereits beantwortet: Die neuen Machthaber konnten die Stabilität bewahren. Allerdings werden sie nun verstärkt den Druck spüren, von innen und von außen, mehr Freiheiten zuzulassen. Die Tage der "perfekten Demokratie", wie Castro sein Reich nannte, sind gezählt.

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