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Kuba nach Fidel Raúl Castro klopft bei den Amerikanern an

2. Teil: Die Rolle der Amerikaner

Zwei Faktoren werden machtpolitisch Kubas nahe Zukunft bestimmen: Das Verhalten der Streitkräfte und der Ausgang der US-Wahlen. Das Militär ist heute der wichtigste Machtfaktor auf Kuba, es kontrolliert die Tourismusunternehmen und garantiert die Stabilität des Regimes.

Die Streitkräfte stehen geschlossen hinter Raúl, er gilt als ihr Mann. Aber Raúl ist auch schon 76. Die Jungen, vor allem Carlos Lage und Außenminister Felipe Pérez Roque, haben nicht die gleiche Autorität im Land wie die Castro-Brüder. Der Übergang von Raúl zur jüngeren Generation wird daher viel kritischer sein als der Wechsel von Fidel zu Raúl, der praktisch schon vollzogen ist.

Die Amerikaner könnten beim Übergang zu einem kapitalistischen System wertvolle Hilfe leisten, wenn sie über ihren ideologischen Schatten springen. Denn Washington und Havanna haben ein Ziel gemeinsam: Sie streben Stabilität auf der Insel an. Die USA können keinen Konfliktherd vor ihrer Haustür gebrauchen, sie fürchten eine unkontrollierbare Flüchtlingswelle, wenn das System zusammenbricht. Seit langem machen deshalb einflussreiche politische Kreise in Washington Druck, endlich das anachronistische Wirtschaftsembargo gegen Kuba aufzuheben und den Dialog mit Havanna aufzunehmen.

Unter George W. Bush ist damit nicht mehr zu rechnen, aber unter einem demokratischen Präsidenten im Weißen Haus sind die Tage des Embargos vermutlich gezählt. Kuba-Kenner wie der deutsch-mexikanische Soziologe Heinrich Dieterich setzen auf einen Wahlsieg Barack Obamas.

Raúl Castro bietet den USA einen offenen Dialog an

Raúl hat Washington in den vergangenen Monaten mehrmals einen offenen Dialog angeboten. Das ist nicht nur Rhetorik: Die Kubaner wissen, dass sie die USA langfristig brauchen, denn nur aus eigener Kraft ist die Inselwirtschaft langfristig nicht überlebensfähig.

Dank Venezuelas Staatschef Hugo Chávez, dem wichtigsten Verbündeten der Insel, ist die Energieversorgung Kubas zwar vorerst halbwegs gesichert, Caracas beliefert Havanna mit Öl zu Vorzugspreisen. Aber Chávez steht selbst unter Druck, er könnte bald ein Opfer des Chaos werden, das er mit seiner dilettantischen Wirtschaftspolitik angerichtet hat. Der Sturz der Caudillos würde Kuba mit in den Strudel ziehen.

Raúl, dem ein schlechtes Verhältnis zu Chávez nachgesagt wird, blickt noch aus einem anderen Grund sorgenvoll nach Venezuela: Dort hat der Aufstand gegen die Regierung an den Universitäten begonnen. Schon immer waren es die Studenten, die in Lateinamerika Diktaturen stürzten. Die offene Diskussion an Kubas Unis, die von Raúl selbst angeschoben wurde, könnte sich für das Regime als Bumerang erweisen und zu einer Volksbewegung anwachsen.

Kubas Studenten haben nie einen anderen Präsidenten als Fidel Castro erlebt. Die meisten verehren ihn als Landesvater und Nationalhelden, nicht als Sozialisten. Ohne seine Autorität an der Spitze des Staates könnte sich der Wunsch nach Wandel schneller Bahn brechen als der Regierung lieb ist.

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