Von Hans-Jürgen Schlamp, Brüssel
Kroatien ist der erste Beitrittskandidat in der Warteschlange auf dem Balkan und damit der erste, den die veränderte Stimmung trifft. 2009, so hieß es lange, werde das Adria-Land aufgenommen. Doch davon geht in Brüssel nun niemand mehr aus. 2011, so schätzen Diplomaten, werde es wohl schon werden. Dabei ist eigentlich alles auf gutem Wege. Die Beitrittsverhandlungen, am 3. Oktober 2005 begonnen, "schreiten gut voran", heißt es in einem Bericht der EU-Kommission. Die Wirtschaft wächst, in großen Paketen werden die nationalen Gesetze auf EU-Norm umgeschrieben.
Aber worüber die Brüsseler Kommissare beim Zuwachs von Bulgarien und Rumänien noch großzügigst hinwegsahen, das wird jetzt penibel als Beitrittshindernis aufgelistet, etwa das "ineffiziente Justizsystem" oder die "noch immer weit verbreitete Korruption". Je spröder die EU-Kontrolleure werden, desto mehr kühlt auch die Europa-Euphorie der Kroaten ab und desto bockbeiniger wird deren Politik. Ob im Streit um die Fischerei-Rechte vor Kroatiens Küste oder um einen Zugang des Nachbarstaats Slowenien zu internationalen Gewässern - die Position der Regierung in Zagreb verhärtet sich. Wer zu lange der Möhre nachrennt, verliert irgendwann die Lust am Laufen.
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