Von Marc Pitzke, Los Angeles
Los Angeles - Fast vergessen steht die Statue am Nordrand des Echo Parks, umkränzt von Palmen und weißen Rosensträuchen. Die dunstverhangene Downtown-Skyline im Rücken, blickt die monumentale Bronzebüste des kubanischen Freiheitskämpfers José Martí über die Straßen dessen, was mal das Little Havana von Los Angeles war. Die Exilkubaner haben sich längst über viele andere Stadtteile zerstreut. Doch ab und zu treffen sich noch ein paar Ältere hier, zum Schachspielen am See.
"Castro? Weg?", sagt Miguel Gutierrez, ein bärtiger Rentner, ohne vom Spielbrett aufzublicken. "Erst wenn der andere Castro weg ist, freue ich mich." Sein Partner, der seinen Namen nicht angeben will, grunzt zustimmend: "Nichts wird sich ändern." Ein Streifenwagen mit Blaulicht rast über die Glendale Avenue. "Schach", sagt Gutierrez und gähnt.
Der gedämpfte Enthusiasmus der beiden Exilanten in Los Angeles entspricht der insgesamt sehr kühlen Reaktion der USA auf den Abtritt Fidel Castros. So wie vom Erbe der Cubanos am Echo Park heute kaum viel mehr übrig ist als eine Büste, eine Handvoll Bodegas und das gelegentliche Kuba-Festival, so ist auch die Kuba-Frage selbst hier inzwischen weit in den politischen Hintergrund gerückt.
Was zu einem seltsamen Paradox führt: Das US-Embargo, jenes letzte Relikt des Kalten Krieges, bleibt weiter unangetastet - und wird es vorerst auch bleiben, trotz der Machtübergabe von Havanna. Das älteste Tabu der amerikanischen Außenpolitik bleibt tabu.
Ängstliches Wahlkalkül
Das wurde gestern quer durch die Bank klar: vom Weißen Haus übers State Department bis hin zu den Präsidentschaftskandidaten - beider Parteien. Der Einzige, der sich ein bisschen aus dem Fenster zu lehnen wagte, war der Demokrat Barack Obama - wiewohl mit einem Schachtelsatz, der dieses Fenster nur einen Spalt öffnete: "Wenn die kubanische Führung beginnt, Kuba für einen bedeutsamen demokratischen Wandel zu öffnen, dann müssen die Vereinigten Staaten bereit sein, Schritte zu unternehmen, die Beziehungen zu normalisieren und das Embargo der letzten fünf Jahrzehnte zu lockern." Wenn, wenn.
Ansonsten: harte Linie, wie gehabt. "Dies sollte der Anfang eines demokratischen Übergangs in Kuba sein", mahnte Präsident George W. Bush, der in Ruanda von der Nachricht überrascht wurde, während einer siebentägigen Afrika-Reise. Über eine neue Politik könne man erst reden, wenn es in Kuba freie, faire Wahlen gebe. "Und ich meine frei, und ich meine fair", sagte er. "Nicht diese Art von inszenierten Wahlen, die die Castro-Brüder einem als wahre Demokratie unterzujubeln versuchen." Sprich: Nicht so schnell - ein Castro bleibt ein Castro.
Noch deutlichere Töne kamen aus dem Außenministerium: Ein Ende des Embargos? "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in nächster Zeit passiert", sagte Vize-Außenminister John Negroponte. "Ein Wachwechsel an sich ist nicht bedeutsam", sekundierte Ministeriumssprecher Tom Casey, der Raúl Castro einen "Diktator light" nannte.
Dass die Präsidentschaftskandidaten vor allem der Embargo-Frage ausweichen, ist natürlich Wahlkalkül: Alle brauchen, so sie die Nominierung ihrer Parteien gewinnen, im November die Stimmen Floridas - namentlich die Stimmen der rund eine Million Kubaner im Süden des Staates, der nur gerade mal 80 Seemeilen von der Insel entfernt ist.
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