• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Castros Rückzug Warum sogar die Demokraten am Kuba-Embargo festhalten

2. Teil: "Amerikas Kuba-Ansatz ist hirntot"

Der Republikaner John McCain - der gerade um die Stimmen des konservativen Parteiflügels kämpft - legte die Hürde für Raúl Castro gleich betont hoch, indem er eine lange Liste an Vorbedingungen herunterrasselte: Freilassung aller Polit-Häftlinge, Zulassung von Parteien, Gewerkschaften und Medien, freie Wahlen. Parteirivale Mike Huckabee fügte eine noch drastischere Bedingung hinzu: "Bevor Castro tot ist, kann es in Kuba keine nennenswerte Bewegung in Richtung Reform geben."

Auch die Demokraten schleichen vorerst um den heißen Brei herum - obwohl sich die Hoffnung vieler Kubaner doch auf deren Wahlsieg richten. Hillary Clinton hat sich in dieser Sache immer schon bedeckt gehalten: Seit Jahren spricht sie zwar von Erleichterung des US-Reiseverbots, hält aber am sonstigen Embargo unbeirrt fest.

Obama dagegen erklärte sich schon 2004 bereit, die Handelsblockade zu lockern. Kein Wunder, dass ihn die exilkubanischen Blogs als "Che-Bama" beschimpfen - nicht zuletzt unter Hinweis auf die Kuba-Flagge mit dem Konterfei Che Guevaras, die in seinem Houstoner Wahlkampfbüro hängt und die es prompt zum Renner auf YouTube gebracht hat.

Beide Demokraten - die Castro kürzlich erst als "unschlagbar" bezeichnet hatte, sollten sie gemeinsam antreten - wagten jedoch gestern, im grellen Rampenlicht des US-Vorwahlkampfs, nicht viel mehr als gefahrlose Wortschablonen, mit denen sich nicht argumentieren lässt: "Freilassung der politischen Gefangenen", "substanzielle Reformen", "elementare Freiheiten". Im Westen nichts Neues.

Die meisten Kuba-Experten treibt dieses Herumdrucksen auf die Palme. "Fast jeder, der ehrlich ist, wird einräumen, dass Amerikas Kuba-Ansatz hirntot ist", schrieb Fareed Zakaria, der Chefredakteur der internationalen "Newsweek"-Ausgabe, kürzlich. "Keiner kann sich noch erinnern, warum wir ein totales Embargo über das Land verhängt haben."

"Ein außerordentlich wichtiger Wendepunkt"

So klingt die Beurteilung der jüngsten Entwicklung in den Denkzirkeln der USA denn auch weniger wolkig als in den Wahlkampfzentralen, die nur auf Umfragen, Stimmen und Zielgruppen schielen. Selbst Joe Garcia, der Ex-Direktor der konservativen Exilantengruppe Cuban American National Foundation, sieht in Castros Abgang "den Anfang vom Ende" des Regimes. Julia Sweig, Lateinamerika-Expertin am Council on Foreign Relations, sprach sogar von einem "außerordentlichen wichtigen Wendepunkt".

104 US-Kongressabgeordnete forderten gestern in einem offenen Brief an Außenministerin Condoleezza Rice eine "hart durchdachte Überprüfung" der amerikanischen Kuba-Politik. Denn diese sei schließlich ein für allemal fehlgeschlagen, hieß es in dem Schreiben, das von Demokraten wie Republikanern unterzeichnet war. "Es ist an der Zeit, dass wir neu denken und handeln."

Damit ist freilich vor der Wahl nicht zu rechnen. Und auch dann käme es darauf an, "wer im Weißen Haus ist", sagte der Castro-Biograf Brian Latell der "Washington Post". Latells Prognose: Der Anstoß für eine Normalisierung der US-kubanischen Beziehungen werde eher aus Havanna kommen als aus Washington.

Dieses Zögern war gestern auch in Miami zu spüren, der Hochburg der US-Exilkubaner. Anders als 2006, als die Meldung von Castros Erkrankung dort noch Tausende jubelnd auf die Straßen trieb und manche schon begannen, ihre Boote für eine Überfahrt flottzumachen, herrschte diesmal eher Skepsis, wenn nicht gar Lethargie. An der Freilufttheke des Restaurants "Versailles", des zentralen Treffpunkts in Little Havana, versammelten sich kaum mehr Leute als sonst auch über ihren "cafés cubanos".

"Die Realität dämpft die Feiern", titelte der "Miami Herald". Floridas Küstenwache konnte ihren Notfallplan für einen Exilanten-Exodus in der Schublade lassen. Keine Auffälligkeiten, vermeldete ihr Sprecher Barry Bena: "Business as usual." Es waren die Worte des Tages.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP