Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Fast alle Wahl-Experten sind sich einig, dass sie die Vorwahlen in Ohio und Texas mit deutlichem Vorsprung gewinnen muss, um Obamas mittlerweile klaren Vorsprung bei der Zahl der Delegierten aufzuholen (siehe Grafiken). Und in jüngsten Umfragen liegen Obama und Clinton in Texas mittlerweile fast gleichauf. In Ohio führt sie nur noch knapp.
In ihrer Siegesrede sagte sie danach strahlend: "Ich habe meine eigene Stimme gefunden."
Ein bisschen davon blitzt auch in der TV-Debatte in Texas auf. Stellenweise klingt Clinton wie bei einem Wahlkampfauftritt, derart laut und engagiert spricht sie - als sie verspricht, den Bush-Kurs in der US-Außenpolitik zu korrigieren. Als sie verspricht, dessen "Krieg gegen die Wissenschaft" zu beenden. Als sie über Einwanderung spricht. So engagiert wirkt Clinton an diesen Stellen, dass sie einfach laut weiter spricht, wenn die Moderatorin sie schon stoppen will. Zur Einwanderungspolitik ruft sie, man könne nicht illegale Einwanderer abführen und Babys oder Kinder alleine in den USA zurücklassen. "Das ist nicht das Amerika, das ich kenne. Das ist gegen die amerikanischen Werte."
Als sie und Obama sich mal wieder um den besten Plan für die Gesundheitspolitik streiten, ignoriert Clinton erneut die Moderatorin. "Das ist sehr persönlich für mich", sagt sie und kehrt zum Thema zurück: "Leute packen in Veranstaltungen meinen Arm und fragen danach. Für die ist das das Wichtigste überhaupt." Dann fordert sie ein breites Bündnis für eine Krankenversicherung aller Amerikaner.
Das sind die Augenblicke, in denen sie wirklich als Kandidatin erscheint, der es um Lösungen für Menschen geht.
Ganz am Ende will die Moderatoren wissen, was für sie, Clinton, die größte Herausforderung gewesen sei. Die Kandidatin sagt, jeder wisse ja, dass es in ihrem Leben schwierige Krisen gegeben habe. Aber dann erzählt sie von ihren Treffen mit entstellten Soldaten. Und sagt, ihre Probleme seien doch nichts im Vergleich zu dem, was viele Leute durchmachen müssten.
Dann schaut sie zu Obama. Sie sagt, wie geehrt sie sich fühle, mit ihm hier auf dieser Bühne zu sitzen. Clinton reicht ihm die Hand, um sie zu schütteln.
Was auch immer passiere, sagt Clinton, sie würden schon klarkommen. Sie hoffe nur, dass man das auch vom amerikanischen Volk sagen könne.
Die Zuschauer springen auf und klatschen.
Es sind bewegende Bilder. Clinton vermittelt nicht den Eindruck, bei einer Niederlage die Demokraten spalten zu wollen, was nicht wenige in der Partei befürchten. Im Gegenteil: Sie erscheint in diesen letzten Minuten der Debatte nicht einfach kompetent. Sie wirkt inspirierend.
Obama sieht gerührt aus. Er verabschiedet sich fast freundschaftlich von Clinton. Es fällt ihm nicht allzu schwer. Er weiß: Die Rolle des Inspirators ist schon vergeben in diesem Zweikampf. An ihn.
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