Ankara - Es ist eine riesige Offensive - zumindest, wenn man den Darstellungen aus türkischen Militärkreisen glaubt: Zwei Brigaden mit ungefähr 8000 Soldaten waren demnach im Einsatz. Irakische Quellen sprachen dagegen nur von rund 1000 Soldaten. Nach Angaben des türkischen Generalstabs wurden mindestens 24 PKK-Kämpfer und fünf Soldaten bei Zusammenstößen mit der verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK getötet. Bewohner der irakischen Grenzdörfer Hakurk und Sidekan berichteten von schwerem Artilleriefeuer, von Kampfflugzeugen und Hubschraubereinsätzen. Nach Angaben kurdischer Grenzposten bombardierten die Streitkräfte heute morgen zudem mehrere Gebiete im Umkreis der Stadt El Amadija an der türkisch-irakischen Grenze.
Türkischen Medien zufolge sind die Soldaten inzwischen bis zu zehn Kilometer auf irakisches Gebiet vorgerückt. Das bergige Grenzgebiet ist um diese Jahreszeit weitgehend verschneit.
Die türkische Armee war am Donnerstagabend in den Nordirak einmarschiert, um dort gegen PKK-Stützpunkte vorzugehen. Ankara wirft der autonomen kurdischen Regierung im Nordirak vor, nicht ausreichend gegen die PKK-Rebellen vorzugehen, welche die Grenzregion als Rückzugsgebiet für ihren Kampf gegen die Regierung in Ankara nutzen.
Die bisherigen blutigen Gefechte waren nur der Anfang. Aus der türkischen Armee heißt es, der Einsatz solle heute noch verstärkt werden. PKK-Sprecher Ahmad Danis droht derweil, den bewaffneten Kampf in die Türkei zu tragen. Sollte Ankara die Offensive nicht abbrechen, plane die PKK "Guerilla"-Aktionen in türkischen Städten, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Details, wie genau solche Aktionen aussehen sollen, nannte Danis nicht. Zivilisten sollten verschont bleiben, behauptete er lediglich.
Ein Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte in der nordirakischen Stadt Erbil erklärte zudem, seit Donnerstag seien 2000 zusätzliche kurdische Kämpfer in die Nähe der Grenze verlegt worden, "um sich der türkischen Armee entgegenzustellen, falls dies notwendig werden sollte".
USA unterstützt die Offensive
International löste die türkische Offensive Besorgnis aus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte den Einsatz der Armee. Ihm seien die Bedenken der Türkei zwar bewusst, gleichwohl bekräftige er seine Aufforderung zu größtmöglicher Zurückhaltung und zu Respekt vor der internationalen Grenze zwischen dem Irak und der Türkei. Zugleich forderte er die PKK auf, ihre Terrorattacken auf türkisches Gebiet einzustellen. "Der Schutz der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Grenze bleibt das vordringliche Anliegen", sagte ein Sprecher Bans. Die PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat. In dem Konflikt sind seither 30.000 Menschen getötet worden.
Die US-Regierung haben dagegen ihre Unterstützung für die Offensive zum Ausdruck gebracht. "Wir haben bei der türkischen Regierung darauf gedrungen, dass sie ihre Operationen auf das präzise Ziel der PKK im Ausmaß und der Dauer begrenzt", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Die Bundesregierung in Berlin äußerte "große Sorge". Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, die Präsenz türkischer Truppen im Irak sei ein "nicht unerhebliches Destabilisierungsrisiko".
Die PKK sei der gemeinsame Feind der USA und der Türkei, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice. Sie sei auch ein Feind des irakischen Volkes. Rice forderte die Türkei jedoch auf, bei ihrem Vorgehen die Lage im Irak nicht zu destabilisieren.
ase/AP/dpa/Reuters
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