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28.02.2008
 

Phänomen Obama

Kritiker knöpfen sich den Teflon-Kandidaten vor

Von Marc Pitzke, New York

Zu jung, unerfahren, alles nur ein Hype: Barack Obamas Erfolg führt in den USA zu ersten Zweifeln. Doch bisher perlt jede Kritik an Hillary Clintons Gegner ab - der Gegenwind scheint ihn nur noch stärker zu machen.

New York - Der Kandidat, so heißt es, sei ein Grünschnabel, eine Luftnummer. Ein Mann der schönen, doch leeren Rhetorik. Charismatisch, doch zu jung, die großen Fragen der Zeit zu meistern: "Keine Erfahrung in der Außenpolitik, so gut wie keine in Washington" schreibt "Time", "Mangel an Erfahrung, Tendenz zu Ausflüchten" attestiert die "New York Times", er sei "unerfahren, unvorbereitet" verbreitet die politische Gegenseite.

Hoffnungsträger Obama: "Ruchlose Mixtur aus Teflon und Feenstaub"
AP

Hoffnungsträger Obama: "Ruchlose Mixtur aus Teflon und Feenstaub"

Der Kandidat verteidigt sich dagegen als Sendbote einer neuen Generation, indem er das Rennen zur Wahl zwischen Vergangenheit und Zukunft stilisiert. "Erfahrung zählt, sie ist aber nicht alles", sagt er in einer TV-Debatte. "Werte und Urteilsvermögen zählen auch."

Es ist das Jahr 1992. Der Kandidat heißt Bill Clinton. Und kurz darauf gewinnt er die US-Präsidentschaftswahl gegen George Bush.

Wie sagen sie hier so gerne: "Déjà-vu, all over again." Heute heißt der Charisma-Kandidat Barack Obama - und es ist ausgerechnet Hillary Clinton, die ihm nun exakt das vorwirft, was damals auch ihrem Mann vorgeworfen wurde: Worte ohne Taten, Rhetorik ohne Realität. Sie hat dafür sogar ein hübsches Schlagwort geprägt: "Erfahrungslücke."

Die Ironie ist unübersehbar. Doch trotzdem wird Obama jetzt verschärft unter die Lupe genommen.

"Mixtur aus Teflon und Feenstaub"

Sein Aufstieg, sein Status als "Phänomen" ("Washington Post"), die Reaktion der US-Massenmedien, von denen ihn manche als "Rockstar" (Fox News) anhimmeln: Immer mehr murren jetzt über den Mann, der doch tatsächlich Hillary Clinton aus dem Rennen werfen könnte.

Es ist das alte Gesetz der politischen Schwerkraft. Je höher ein Politiker steigt, desto stärker wird er auf seine Fallhöhe überprüft. Jeder In-Trend wird irgendwann hinterfragt. Und jedem Spitzenreiter drohen lästige Fragen.

Wenn nicht gar die Demontage.

Charles Krauthammer ("Washington Post", Fox News) nennt Obama einen "silberzüngigen Anfänger". Der alte Neokonservative betitelte kürzlich eine Kolumne "Die Kühnheit, Hoffnung zu verkaufen" - in Anspielung auf Obamas Memoiren-Bestseller "Die Kühnheit der Hoffnung". Krauthammers Fazit: "Seine hypnotische Macht führt langsam zu Skepsis und Bedenken bei den Mainstream-Medien."

Zumindest mit Letzterem hat er Recht. Die meisten US-Medien bleiben Obama zwar wohlgesonnen, aber es häufen sich kritische Stimmen.

Robert Samuelson ("Newsweek") bemängelt die "Lücke zwischen Rhetorik und Realität" ("Die Obama-Täuschung"). Ronald Reagans Ghostwriterin Peggy Noonan findet Obamas Reden bei zweiter Lesung gar "nicht so besonders interessant". David Ignatius ("Washington Post") fordert, das "Rätsel Obama" verdiene "schärfere Überprüfung". Die Kolumnistin Maureen Dowd, sonst alles andere als Clinton-freundlich, machte sich in der "New York Times" über seine "glatte Jazz-Fassade" lustig. Stephen Spruiell ("National Review") spricht vom "Obama-Hype", Joel Stein ("Los Angeles Times") sogar vom "Obama-Kult".

"Der Massen-Messianismus hatte irgendwie etwas Gruseliges", findet auch Joe Klein in "Time". Niranjan Ramakrishnan ("Counterpunch") witterte schon am Wochenende vor dem Super Tuesday Anfang Februar eine "Obama-Blase" analog zur New Economy: Obamas "Magie" sei eine Illusion.

Und trotz allem: Obama legt zu. Immer weiter. In fast allen landesweiten Umfragen hat er Hillary Clinton mittlerweile abgehängt. Es steht 54 zu 38 Prozent (CBS/"New York Times"), 51 zu 39 Prozent (Gallup/"USA Today") respektive 46 zu 43 Prozent (AP). Auch in der jüngsten Fernsehdebatte konnte er weiter punkten, Clinton rannte ebenso frustriert wie erfolglos gegen seine Aura an.

Für sie ist es wie verhext. John Heilemann spottet im "New York Magazine", Obama sei "beschichtet mit einer ruchlosen Mixtur aus Teflon und Feenstaub".

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