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29.02.2008
 

Thailand

Warum Bangkoks Elite den Ehrgeiz ihres Ex-Premiers fürchtet

Von Jürgen Kremb, Singapur

Thailands Ex-Premier Thaksin Shinawatra kehrt aus dem Exil zurück, um ein Leben als "normaler Bürger" zu führen - aber das nimmt ihm niemand wirklich ab. Schon droht das Militär: Sollte der charismatische Milliardär wieder nach der Macht greifen, wird wieder geputscht.

Singapur – Wie man die Massen begeistert, dass hatte er nicht verlernt. Kaum war die Maschine der Thai-Airways aus Hongkong gelandet, mit der Ex-Premier Thaksin Shinawatra, 58, heute Morgen um 9.40 Uhr nach Bangkok zurückkehrte, dann zeigte er sich ganz von der devoten Seite. Der ehemalige Politiker und Telecom-Milliardär trat aus dem Flugzeug heraus und kniete sich gleich nieder. Dann faltete er die Hände artig im thailändischen Stil vor der Stirn und küsste den Boden seiner Heimat.

Eine Frage der Ehre: Der ehemalige Premier Thailands, Thaksin Shinawatra, 2006 vom Militär aus dem Amt geputscht, kehrt nach Bangkok zurück, um sich Korruptionsvorwürfen zu stellen
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DPA

Eine Frage der Ehre: Der ehemalige Premier Thailands, Thaksin Shinawatra, 2006 vom Militär aus dem Amt geputscht, kehrt nach Bangkok zurück, um sich Korruptionsvorwürfen zu stellen

Seine Anhänger, die ihn für solche Gesten lieben, hatten schon Stunden auf ihn gewartet. Seit den frühen Morgenstunden versammelten sich mehr als Tausend von ihnen vor dem Ankunftsterminal des noch unter Thaksin eröffneten Suvarahbhumi Flughafens in der thailändischen Hauptstadt. Sie sangen: "We love Thaksin." Andere streckten Spruchbänder in die Luft: "Willkommen Zuhause" stand darauf.

Ein repräsentativer Querschnitt seiner Wählerschaft war da versammelte, diejenigen die ihm und seine populistische "Thai Rak Thai" (Thais lieben Thais - TRT) Partei dreimal (2001, 2005, 2006) zu einem Erdrutschsieg verholfen hatten. Die gleiche Klientel, die auch dem TRT-Nachfolger "People Power" Partei (PPP) im Dezember vergangenen Jahres erneut zur Mehrheitspartei im thailändischen Parlament gekürt hatten.

Es waren Taxifahrer. Ein paar weibliche Caddies vom nahen Flughafen-Golfkurs führten einen Tanz zu seinen Ehren auf. Und vor allem die Unterschicht war versammelt. Weil der milliardenschwere Telecom-Tycoon aus der nordthailändischen Stadt Chiang Mai nach der Asienkrise den verarmten Bauern die Schulden entlassen hatte und eine Krankversicherung für nur 30 Baht (umgerechnet 70 Cent) pro Arztbesuch eingeführt hatte, war er zum Messias der Armen geworden.

2006 bringt er die Elite und die Militärs gegen sich auf

Die Bangkoker Elite und die mächtigen Militärs sahen das schon in Thaksins erste Amtszeit ganz anders. Nach kurzer Begeisterung für den smarten Geschäftsmann mit der weichen Stimme, fühlten sich die Superreichen in der Hauptstadt von dem Mann aus dem Norden von den gewinnbringenden Geschäften und üblichen Kungeleien ausgeschlossen. Er verteilte anders, als sie das gehofft hatte. Thaksins Aufstieg hatte zudem in der Polizei begonnen und so fühlten sich auch bald die Generäle bei wichtigen Beförderungen und Durchstechereien benachteiligt.

Schwerer wog aber bald, dass der Volkstribun auch die royalistischen Zirkel um König Bumiphol Adulyadeji, 80, gegen sich aufgebracht hatte. Der Monarch wird von den 65 Millionen Thais noch immer wie ein Gott verehrt. War es, so lautet eine Erklärung von Politologen, weil Thaksin mit den Armen die gleiche Klientel bediente, unter denen auch der König größten Zuspruch genießt? Oder arbeitete der machtbesessene Premier wirklich daran, die Monarchie abzuschaffen, wenn König Bumiphol verstorben ist, um sich als eine Art Super-Präsident zu installieren? Das behaupten andere Kritiker, wird aber von Thaksin vehement dementiert.

Tatsache ist, im Sommer 2006 gingen Hunderttausende gegen Thaksin in Bangkok auf die Straße. Die Medien hatte er gegen sich aufgebracht, weil er Journalisten mit Millionenklagen Überzog. Sie fürchten um die Pressefreiheit in einem der demokratischsten Länder Südostasiens. Eine Kampagne gegen den Drogenschmuggel hatte zum Entsetzen von Menschenrechtsgruppe zudem ein Jahr zuvor 2500 Tote gekostet. Die meisten davon waren kleine Dealer und Konsumenten, die von der Polizei erschossen wurden. Und im muslimischen Süden hatte das brutale Vorgehen der Polizeikräfte zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen geführt.

Mit dem Vorwurf der Premier und sein Clan habe sich im Amt bereichert und treibe das Land in ein Blutbad, brachten die Militärs am 19. September 2006 die Lage in einem unblutigen Putsch wieder unter Kontrolle. Thaksin weilte damals in New York, wo er vor der UN-Vollversammlung sprechen wollte.

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