Von Jürgen Kremb, Singapur
So empfingen gestern auch mehr als 600 Polizeibeamte den Ex-Premier am Bangkoker Flughafen. Während seiner Abwesenheit wurde ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt - der gelernte Polizeioffizier und Spross eines chinesischen Industriellen soll sich im Amt bereichert haben.
Wie schwierig der Nachweis zu führen ist, dass der "asiatische Berlusconi" sich im Amt bereichert hat, zeigte sich aber schon während seines Londoner Exils. Als der Thai dort für 81,6 Millionen Pfund 75 Prozent der Anteile des britische Fußball-Clubs Manchester City erwarb, wurden Stimmen laut, das Geld stamme aus unlauteren Quellen. Doch auch nach strengem EU-Recht konnte das nicht bestätigt werden.
So lautete der Vorwurf heute Morgen am Flughafen nur noch, Thaksin und seine Frau hätten sich 2003 im Zentrum von Bangkok ein Grundstück im Wert von umgerechnet 17,3 Millionen Euro ungerechtfertigt angeeignet und damit bereichert. Die Ironie bei der Sache ist nicht nur, dass Thaksin am Flughafen der Inhalt des Haftbefehls von Innenminister Chalerm Yubambrung vorgelesen wurde. Dieser gehört der PPP an und hatte schon im Wahlkampf im Dezember versprochen, dass er den "Boss, seinen alten Freund Thaksin" wieder zurückbringen werde.
Bedenklich ist auch, dass der König im Herzen der Hauptstadt bedeutend mehr Grundstücke besitzt, für die er noch nicht einmal Steuern zahlen muss.
Mit den Mittel der Konsensgesellschaft - also in Bar
So war der Rest gestern auch nur noch Formsache. Unter dem Gejohle seiner Anhänger bestieg der Ex-Premier eine Cadillac-Limousine und fuhr zum Büro des Obersten Staatsanwaltes, wo er gehen eine Kaution von acht Millionen Baht (knapp 170.000 Euro) auf freien Fuß gesetzt wurde.
Selbst wenn er nicht verurteilt wird, ist Thaksin auf Grund eines früheren Gerichtsurteils für fünf Jahre von jedwedem politischen Amt ausgeschlossen. In einer ersten Meinungsumfrage haben mittlerweile zwei Drittel der Befragten erklärt, dass der Milliardär als Politiker mehr Gutes als Schlechtes getan habe.
Thaksin betont zwar immer wieder, dass er fortan als "normaler Bürger" in Thailand leben werde und mit seiner Rückkehr nur seine "Ehre herstellen wolle". Doch wenige Beobachter glauben, dass der eitle Vollblutpolitiker seinen politischen Ehrgeiz im Zaume halten kann. Die Militärs ließen indes durchblicken, dass sie einen erneuten Putsch nicht ausschließen, wenn Thaksin wieder zur Macht greife.
Aber vielleicht lässt sich diesmal auch alles nach den Regeln der thailändischen Konsensgesellschaft regeln. Das heißt im Klartext mit entsprechenden Barmitteln. Und davon hat Thaksin noch mehr als genug. Für die ersten Tage zog er aus Sicherheitsgründen nicht in seine opulente Villa in Bangkok ein, sondern miete für sich und seine Entourage im noblen Pennisula Hotel am Chao Praya Fluss gleich elf Zimmer. Allein die Zwei-Zimmer Suite, die er selbst bezog, kostet pro Nacht 2200 Euro und verfügt über einen privaten Butler, sowie einen eigenen Gymnastikraum.
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