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01.03.2008
 

Nahostkrise

Blutiger Samstag in Dschabalija

Aus Dschabalija im Gazastreifen berichtet Ulrike Putz

2. Teil: Blutlachen auf dem Bürgersteig

Vor dem größten Krankenhaus des Gaza-Streifens sind Blutlachen auf dem Bürgersteig vor dem Haupteingang. Krankenwagen treffen im Minutentakt ein. Meist sind es junge Männer, die blutverschmiert und nackt bis auf die Unterhose auf den Bahren liegen. Wer noch eine Uniform trägt, dem wird sie noch im Eingang vom Leib geschnitten. Neben einem Mülleimer liegen rot verschmierte Hosen und Jacken, ein paar ehemals weiße Turnschuhe liegt in Blut gebadet daneben. Ein junger Mann hat Schusswunden im Bauch, der nächste ein tellergroßes, blutiges Loch im Oberschenkel. Miit einem der Ärzte zu reden, daran ist überhaupt nicht zu denken.

Hamas-Leute versuchen, der Lage Herr zu werden, den Ansturm von Angehörigen so zu kanalisieren, dass die Bahren durchkommen: Rein mit Schwerletzten, raus leer, aber bluttriefend. Für Desinfektion ist keine Zeit. Mit quietschenden Reifen fahren die Ambulanzen wieder vom Hof. In der Ferne ist das Stakkato feuernder Kampfhubschrauber zu hören. Wenn es abebbt, sind gesungene Verse des Korans zu hören, die wie eine Schleier aus Musik über der Stadt liegen.

Es ist ein Zeichen der Trauer, dass die Muezzine den Koran aus ihren Lautsprechern schallen lassen. Es wirkt, als hätten sie damit die Hintergrundmusik für einen Kriegsfilm aufgelegt.

Der Sprecher der Gesundheitsbehörde des Gazastreifens steht mitten im Getümmel, ein Handy am Ohr, zwei in der anderen Hand. Zeitungen, Radiostationen, Fernsehsender aus aller Welt rufen an, um zu fragen, wie die Lage ist. "Es fehlt an allem", ruft Khaled Radi in seine Telefone. Das Schifa-Krankenhaus habe allein in den vergangenen Stunden an die 50 Schwerverletzten aufgenommen, 16 in höchst kritischem Zustand. "Leute, deren Gehirn bloßliegt, Männer mit multiplen Amputationen." Immer wieder fielen die Generatoren aus, Medikamente und Betäubungsmittel seien seit Wochen Mangelware im Gazastreifen. "Wir können nichts für diese Leute tun, wir müssen sie erst einmal liegenlassen."

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