Von Ulrike Putz, Gaza-Stadt
Mit den Raketen auf Aschkelon ist die Hamas ein beträchtliches Risiko eingegangen. Sie hat Israel in eine Situation manövriert, aus der es nur zwei Auswege gibt: Verhandlungen oder Krieg. Die Hamas hofft, dass Jerusalem sich früher oder später auf direkte oder indirekte Verhandlungen einlässt, um seine Bevölkerung vor den neuen, weiter reichenden Raketen zu schützen. Die israelische Bevölkerung hat sich in jüngsten Umfragen mit einer Mehrheit von 64 Prozent für solche Gespräche ausgesprochen. Was nun fehlt, ist ein führender Politiker, der Verhandlungen mit dem Feind zu seinem Anliegen macht, auch wenn es ihn - bei dem kleinsten Rückschlag - die Karriere kosten könnte.
Die zweite Variante, den Beschuss aus Gaza langfristig zu unterbinden, ist eine Wiederbesetzung des Gaza-Streifens - was die Politprominenz in Jerusalem, allen voran Verteidigungsminister Ehud Barak, propagiert. Dass die angeblich bereits ausgearbeiteten Pläne dafür vorerst noch auf Eis liegen, liegt am immens hohen Preis, den eine Invasion des Gaza-Streifens hätte. Die palästinensischen Milizen hatten monatelang Zeit, sich auf einen Häuserkampf auf eigenem Territorium vorzubereiten. Dem Vernehmen nach haben sie Tunnelsysteme angelegt und Verstecke für Landminen vorbereitet. Die Waffenarsenale der Hamas sind gefüllt, ihre Anziehungskraft immer noch groß genug, um Zehntausende unter Waffen zu stellen. Die Verluste der Israelis bei einer Invasion wären aller Voraussicht nach empfindlich hoch – zu hoch, hofft die Hamas.
Hinzu kommt, dass Israel nicht darauf bauen kann, das Westjordanland werde ruhig bleiben, sollte es zu einer Schlacht um Gaza kommen.
Und so wird in den kommenden Wochen vermutlich das übliche Muster zu beobachten sein: Attacke und Vergeltung. Parallel dazu wird sondiert, wie eine Verhandlungslösung aussehen könnte. Die Hamas hat gezeigt, dass sie das Leben in einer israelischen Großstadt lahm legen kann, wenn sie nur will. Nun ist der Ball im Feld der Israelis.
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