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06.03.2008
 

Krise in Südamerika

Chávez kündigt harte Sanktionen gegen Kolumbien an

Die Krise in Südamerika verschärft sich. Venezuelas Staatschef Chávez kündigt massive Sanktionen gegen Kolumbien an - "wir könnten einige Firmen verstaatlichen und übernehmen". Er hat fast 9000 Soldaten an die Grenze geschickt.

Bogotá/Caracas/Washington - Martialische Worte von Hugo Chávez. "Unsere Politik ist Frieden, aber wir müssen vorsorgliche Maßnahmen treffen, um einen Krieg zu verhindern", sagte der Präsident von Venezuela - und ließ inzwischen fast 9000 Soldaten zusätzlich an die Grenze zu Kolumbien aufmarschieren. Außerdem kündigte er massive Wirtschaftssanktionen gegen das Nachbarland an: Der Handel werde eingeschränkt, man wolle keine kolumbianischen Investitionen mehr. Venezuela werde Ausschau nach neuen Wirtschaftspartnern halten, um sein jährliches Handelsvolumen mit Kolumbien in Höhe von sechs Milliarden Dollar möglichst ganz zu ersetzen. "Wir könnten auch einige Firmen verstaatlichen und übernehmen. Wir haben kein Interesse an kolumbianischen Investitionen."

Soldaten aus Ecuador vor dem Flug an die Grenze zu Kolumbien: Kriegsgefahr in Südamerika
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AFP

Soldaten aus Ecuador vor dem Flug an die Grenze zu Kolumbien: Kriegsgefahr in Südamerika

Ausgelöst wurden die Spannungen zwischen beiden Ländern durch eine Aktion kolumbianischer Soldaten, die am Wochenende ein Lager der Farc-Rebellen auf ecuadorianischem Boden angriffen und dabei unter anderen den Vize-Chef der Rebellen, Raúl Reyes, töteten. Kolumbien behauptet, dass Ecuador und Venezuela kolumbianischen Rebellen Unterschlupf gewähren.

Den Schlag gegen die kolumbianischen Rebellen auf dem Gebiet Ecuadors nannte Chávez ein Kriegsverbrechen. Gemeinsam mit dem ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa forderte er eine explizite Verurteilung des Angriffs durch die internationale Gemeinschaft.

Ecuador werde nicht ruhen, bevor es zu einer Verurteilung Kolumbiens gekommen sei, sagte Correa. Sollte die internationale Gemeinschaft sich nicht entsprechend positionieren, werde Ecuador "für den Respekt seiner Souveränität sorgen", betonte er. Dabei sei sein Land bereit, "bis zur letzten Konsequenz" zu gehen.

Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verurteilte den Angriff. In einer von Venezuela und Ecuador eingebrachten und gestern in Washington verabschiedeten Resolution hieß es, der Schlag sei eine Verletzung der Souveränität Ecuadors. Als einzige OAS-Nation versicherten die USA Kolumbien ihre rückhaltlose Unterstützung.

Von einem möglichen Krieg in Südamerika will US-Verteidigungsminister Robert Gates aber noch immer nichts wissen. "Meine persönliche Meinung ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konflikts relativ gering ist", sagte Gates in Washington. Er halte es für unwahrscheinlich, dass es zu Kämpfen zwischen den Armeen von Kolumbien und Venezuela komme. Befragt über eine mögliche Unterstützung der USA für Kolumbien im Falle eines Konflikts sagte Gates weiter, dass "die Kolumbianer gut selbst auf sich aufpassen können".

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte die Farc derweil dazu auf, die seit sechs Jahren entführte Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt freizulassen. Mit dieser Aktion könnten die Rebellen ein Zeichen setzen, dass sie keine Terrororganisation seien, erklärte Sarkozy in einer im kolumbianischen Fernsehsender RCN ausgestrahlten Ansprache.

Betancourt, die sowohl die kolumbianische als auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde im Jahr 2002 verschleppt. Sarkozy erklärte, ihre Freilassung sei ihm selbst eine persönliche Verpflichtung und eine nationale Angelegenheit für Frankreich.

als/AFP/AP

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