Washington - Es ist ein Rekord: Die 55 Millionen Dollar (umgerechnet 36,2 Millionen Euro), die Barack Obama an Spenden verbuchen kann, sind ein Novum in der US-Wahlkampfgeschichte. Noch nie ist laut CNN binnen vier Wochen so viel Geld an einen Kandidaten geflossen. Rivalin Hillary Clinton kam im selben Zeitraum auf 35 Millionen Dollar.
Demokrat Obama: Neuer Spendenrekord im Februar
Das Dauerduell der beiden Demokraten lässt die Spendenrekorde reihenweise fallen: Erst im Januar hatte Obama mit 32 Millionen Dollar einen bis dato unerreichten Höchststand an Spenden verzeichnet.
Für Clinton zahlten sich ihre Siege bei den Vorwahlen am Dienstag auch finanziell aus, wie ihr Wahlkampfteam gestern mitteilte. In den ersten 48 Stunden nach den Wahlen habe die Senatorin allein vier Millionen Dollar eingenommen, also zwei Millionen Dollar pro Tag. "Auf Hillarys Helfer ist Verlass, wenn wir sie brauchen, und wir gehen nun mit einem Rekordtempo den kommenden Vorwahlen entgegen", erklärte ihr Internet-Direktor Peter Daou.
Im Duell der beiden um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bahnt sich allerdings neuer Streit an. Die Gouverneure der Bundesstaaten Florida und Michigan forderten die Parteiführung auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen und die Delegierten doch beim Nominierungsparteitag Ende August in Denver zuzulassen. Der Vorsitzende der Demokraten, Howard Dean, lehnte dies ab. Allerdings rief er die Verantwortlichen in beiden Staaten gestern auf, Lösungen vorzuschlagen. Clinton hatte im Januar beide Abstimmungen klar gewonnen.
"Wir werden die Regeln nicht mitten im Spiel ändern"
Allerdings hatte die demokratische Parteiführung zuvor beschlossen, dass die Delegiertenstimmen aus Florida und Michigan bei der Nominierung nicht gezählt werden, weil die Parteien ihre Vorwahlen eigenmächtig vorverlegt hatten. "Wir werden die Regeln nicht mitten im Spiel ändern", sagte Dean.
Zu Spekulationen über Neuwahlen meinte er, dass die regionalen Parteien die Kosten tragen müssten. Medienberichten zufolge würde eine Wiederholung allein in Florida 25 Millionen Dollar kosten. Clinton fordert seit Wochen, dass die Ergebnisse beider Abstimmungen anerkannt werden. Obama lehnt dies ab, schließt aber Neuwahlen nicht aus.
Zudem zeichnete sich ab, dass Obama entgegen ersten Ergebnissen bei der jüngsten Vorwahl in Texas doch vorn liegen könnte. Clinton hatte sich bei der regulären Vorwahl am Dienstag zunächst mit 51 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Bei der ebenfalls abgehaltenen parteiinternen Abstimmung (Caucus) lag allerdings Obama deutlich vorn. Nach Auszählung von rund 40 Prozent der Bezirke führte Obama dort mit 56 Prozent der Stimmen, Clinton kam lediglich auf 44 Prozent. Die nächste Abstimmung steht bereits morgen im Bundesstaat Wyoming an, am Dienstag wird in Mississippi gewählt.
Schwierige Rechenspiele um die Delegierten
Zugleich machte Obama klar, dass er trotz seines enttäuschenden Abschneidens bei jüngsten Vorwahlen weiterhin die Führungsrolle bei den Demokraten beansprucht. Er habe nach wie vor rund 100 Delegiertenstimmen mehr für den Nominierungsparteitag als seine Rivalin Clinton. Dieser Vorsprung sei praktisch nicht mehr einzuholen, meinten Wahlexperten.
Nach Berechnungen des TV-Senders CNN hat der schwarze Senator Obama bisher 1520 Delegierte hinter sich gebracht, Clinton lediglich 1424. Zur Kandidaten-Kür im August sind 2025 Stimmen erforderlich.
Die Zeitung "Washington Post" berichtete, damit werde immer wahrscheinlicher, dass die bisher unentschiedenen 300 Super-Delegierten den Ausschlag geben. Super-Delegierte sind führende Parteipolitiker, die kraft ihres Amtes am Parteitag teilnehmen und unabhängig von ihrer Basis entscheiden können.
Umfragen zufolge hätten sowohl Obama als auch Clinton bei den Präsidentenwahlen im November gute Siegchancen. Wie die "Washington Post" berichtete, würde Obama den republikanischen Kandidaten John McCain mit 52 zu 40 Prozent der Stimmen schlagen. Clinton wäre mit 50 zu 44 Prozent siegreich.
ffr/dpa/AFP
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