Von Ulrike Putz, Beirut
Gush Emunim - der Block der Getreuen - ist eine politische Bewegung, die die Besiedlung der besetzen palästinensischen Gebiete propagiert, weil diese den Juden von Gott versprochen worden seien. "Diejenigen, die diesen Terroranschlag geplant und durchgeführt haben, können heute sagen, dass sie erfolgreich waren, weil sie dem Ort einen harten Schlag versetzt haben, von dem aus die Besatzung begann", heißt es in der "Jedioth Achronot". Die "Jerusalem Post" geht noch einen Schritt weiter. Die Zahl der Toten möge bei anderen Anschlägen höher gewesen sein, dennoch sei das jüngste Attentat das schlimmste seiner Art gewesen. Die Terroristen hätten ihr Anschlagsziel mit der "schrecklichsten Präzision" ausgewählt.
Im Strudel der Gewalt
Es war ein Tag der Trauer und des Schocks für Israel. Seit vier Jahren hat kein Attentat palästinensischer Terroristen derart viele Todesopfer gefordert. Auch wenn es sich bei dem Attentat nicht dezidiert um einen der angekündigten Racheakte für den vor einem Monat getöteten Hisbollah-Führer Mugnijah handeln sollte: Die Angst bleibt, dass der Jeschiva-Anschlag und die blutigen Gefechte in Gaza, bei dem am vergangenen Wochenende über hundert Palästinenser umkamen, der Beginn einer neuen Spirale der Gewalt sind.
"Auf dem Weg zur Dritten Intifada?" fragt "Jedioth Achronot" in einer Schlagzeile und mahnt, Israel müsse seine Vergeltungsmaßnahmen sehr vorsichtig abwägen. Es liege in der Verantwortung der Regierung, gewalttätige Reaktionen sowohl von israelischer als auch palästinensischer Seite zu verhindern. Auch der linke Parlamentarier Yossi Beilin forderte Mäßigung. "Es ist die Aufgabe einer verantwortungsvollen, logischen Führung, in Momenten, in denen wir das Blut sehen und die Schreie nach Rache hören, dafür zu sorgen, dass wir in Israel alles tun werden, um nicht in den Strudel der Gewalt hineingezogen zu werden", sagte er dem israelischen Radio.
In Gaza waren noch am Donnerstagabend Tausende auf die Straße gegangen, um ihre Freude über das tödliche Attentat zu bekunden. "Wir segnen den Anschlag. Er wird nicht der letzte gewesen sein", sagte ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas.
Das jüngste Attentat ist vor allen Dingen ein weiterer Sargnagel für den Friedensprozess von Annapolis. Gerade erst hatte sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bereit erklärt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Er hatte ihn unter Protest verlassen, nachdem israelisches Militär am vergangenen Wochenende über 120 Palästinenser getötet hatte. Etwa die Hälfte davon waren Zivilisten.
Nun fordert die israelische Rechte den sofortigen Stopp der Gespräche. Erst müsse der Terrorismus mit allen möglichen Mitteln ausgerottet werden, vorher könne nicht verhandelt werden, sagte David Rotem von der rechtsgerichteten Partei Israel Beiteinu (Israel unser Haus).
Zwar hält US-Außenministerin Condoleezza Rice geradezu stoisch daran fest, dass es immer noch möglich sei, bis Ende des Jahres einen Frieden zu schließen. Doch mit jedem Toten mehr, sei er Israeli oder Palästinenser, wird deutlicher, dass das reines Wunschdenken ist. Solange Todesopfer in den eigenen Reihen auf beiden Seiten ein Grund sind, die Verhandlungen auszusetzen, haben es die Feinde des Friedens in der Hand, Annapolis nach Belieben zu torpedieren.
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