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Sex-Skandal um Gouverneur Sündenfall auf Zimmer 871

2. Teil: Rendezvous am Vorabend des Valentinstags: "Kunde 9" trifft "Kristen"

Penibel listet eine eidesstattliche Erklärung des federführenden FBI-Agenten diverse "Transaktionen" des Callgirl-Rings auf. Darunter eben auch ein Rendezvous zwischen "Kunde 9" und der Prostituierten "Kristen" am 13. Februar - dem Vorabend des Valentinstags - in einem Nobelhotel in Washington. "Kunde 9", ergänzte das "Wall Street Journal" hilfreich, sei dabei "als Mr. Spitzer identifiziert" worden.

Spitzer, der im demokratischen Vorwahlkampf als Super-Delegierter fungiert und Hillary Clinton unterstützt, übernachtete an dem Tag tatsächlich im Mayflower, einem Luxushotel unweit des Weißen Hauses. Am 14. Februar hatte er einen Termin vor dem Unterausschuss für Kapitalmärkte im US-Repräsentantenhaus.

"Kunde 9" war offenbar Stammkunde: Er hatte der Anklage zufolge beim "Emperors Club" noch ein Guthaben "von früher", in Höhe von "400 oder 500 Dollar". Das Treffen mit "Kristen", die auf Kosten des Klienten eigens mit dem Zug von New York nach Washington gereist sei, erforderte demnach komplizierte Finanzverhandlungen. Schließlich habe "Kunde 9" für das vierstündige Tête-à-tête 4300 Dollar vorausgezahlt, inklusive eines Vorschusses für "künftige" Termine mit "Emperors", und habe "Kristen" auf Zimmer 871 des Hotels bestellt.

Genüsslich erzählt das ehrwürdige "Wall Street Journal" jedes kleinste Detail des Falls nach. So habe sich Spitzer im Mayflower als "George Fox" eintragen lassen, unter seiner New Yorker Privatadresse an der Fifth Avenue. George Fox ist der Name eines Hedgefonds-Beraters und Freundes Spitzers, der sich gestern völlig verblüfft gab auf Nachfragen von Journalisten.

Ende einer Laufbahn - aufgebaut auf Recht und Ordnung

Spitzers politisches Schicksal scheint besiegelt. Die Vereinigung der US-Gouverneure entzog ihm bereits das Vertrauen. Auch wenn ihm selbst derzeit noch nichts Strafrechtliches vorgeworfen wird: Er hat seine ganze Laufbahn schließlich auf Recht und Ordnung aufgebaut - und sein Gouverneursamt 2007 mit dem Schwur angetreten, "New Yorks Ethik" wiederherzustellen. Außerdem: Schon werden erste Fragen laut, aus welchen Quellen genau das Geld für die Prostituierten gestammt habe.

Spitzers Rücktritt wird womöglich schon heute erwartet. Ein Amtsverbleib sei "fast unmöglich", sagte der demokratische Stratege Scott Levenson dem Wirtschaftsblatt "Crain's".

Ein steiler Sturz für den Sohn österreichischer Einwanderer, der mit einer historischen Mehrheit von 69 Prozent zum Gouverneur gewählt worden war. Als Generalstaatsanwalt hatte er zuvor viele prominente Wall-Street-Größen zu Fall gebracht. Darunter Hank Greenberg, damals Chef des weltgrößten Versicherungskonzerns AIG, und den Ex-Vorsitzenden der New York Stock Exchange, Dick Grasso, den er zwang, einen Großteil seiner "exzessiven" Abfindung zurückzuzahlen.

Zu Spitzers Opfern zählten so namhafte Wall-Street-Konzerne wie Bear Stearns, Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley. "Time" ernannte ihn zum "Kreuzritter des Jahres". Nun frohlockt das "Wall Street Journal" heute: "Es ist Schadenfreude-Zeit an der Wall Street."

"Wir haben geschworen, echten Wandel nach New York zu bringen", sagte Spitzer gestern in seiner kurzen Erklärung. "Und das wird auch so weitergehen." Wahrscheinlich aber ohne ihn.

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