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22.03.2008
 

Gewalt in Afghanistan

Taliban töten Polizeichef in Kunduz

Aus Kunduz berichtet Matthias Gebauer

Der beginnende Frühling in Afghanistan bringt keine guten Vorzeichen: In Kunduz, wo die Bundeswehr-Einheiten ihr Lager haben, töteten Taliban-Kämpfer in der Nacht einen ranghohen Polizisten auf einer Patrouille.

Masar-e-Sharif – Es dauerte nicht lange, bis sich die Taliban am Samstagmorgen ihrer blutigen Tat rühmten. Per Telefon meldete sich einer ihrer notorischen Sprecher bei mehreren lokalen Journalisten. "Wir haben in der Nacht zum Samstag in Kunduz einen mächtigen Polizisten erschossen", sagte Zaibullah Mudschahed. Ebenso habe man in einer anderen Provinz des Nordens einen Distriktchef ermordet. Jeder, der mit der Karzai-Regierung in Kabul kooperiere, sei ein Ziel für die Radikalislamisten, setzte der Sprecher hinzu.

Zumindest die Fakten stimmten. Gegen acht Uhr am Freitagabend war der Chef der Highway-Polizei von Kunduz, Abdul Hudud, mit einer Streife in Richtung der Ortschaft Iman Saheb unterwegs, als die Patrouille von mehreren Angreifern beschossen wurde.

Nach Angaben der Polizei in Kunduz, dem nordafghanischen Stützpunkt des deutschen Wiederaufbau-Teams, wurde der Polizeiführer von einer Kugel getroffen und starb noch am Tatort. Obwohl er mit mehreren Autos und Soldaten unterwegs war, konnten die Täter nach Polizeiangaben "die Dunkelheit ausnutzen und unerkannt fliehen". Ob die Soldaten zurückfeuerten, konnte der Sprecher nicht sagen.

Der Vorfall bestätigt Befürchtungen, dass die Taliban nach dem harten Winter in Nordafghanistan ihre Aktivitäten verstärken könnten. Auch die Bundeswehr weiß sehr genau, dass die Guerilla-Truppe rund um Kunduz in den paschtunischen Ortschaften Schutz genießt und recht einfach Teams für Anschläge einschleusen kann.

Intern rechnet die Bundeswehr für die kommenden Monate mit einer "deutlichen Verschlechterung" der Sicherheitslage und mit "erhöhter Aktivität von irregulären Kräften". Offiziell wird die Lage im gesamten Norden seit Monaten als "nicht ruhig und nicht stabil" beschrieben.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte in den vergangenen Wochen zum besseren Schutz des Lagers rund 200 Fallschirmjäger nach Kunduz entsandt – vor allem, um das Wiederaufbau-Team besser vor Raketenangriffen zu schützen. Insgesamt 36 recht simple 107-Millimeter-Raketen waren in den vergangenen Monaten auf das Lager abgefeuert worden. Viele von ihnen verfehlten das Camp, die wenigen Treffer richteten bisher nur Sachschaden an.

Die neue Schutztruppe wurde im Umkreis des Lagers in den letzten Wochen mehrmals fündig. Mindestens dreimal hoben sie teils größere Lager mit Gewehren und den Raketen aus, die in Afghanistan leicht verfügbar sind. Die Funde zeigen eindrücklich, dass es zumindest Vorbereitungen für neue Anschläge gibt.

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