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US-Demokraten im Wahlkampf Clinton patzt mit peinlicher Übertreibung - Obama-Lager feiert

Hillary Clintons Hauptargument im Vorwahlkampf der US-Demokraten ist ihre außenpolitische Erfahrung. Nun ist ihr ein peinlicher Fehler unterlaufen: Sie sei 1996 in Bosnien von Heckenschützen beschossen worden, behauptete Clinton - und musste nun eingestehen, dass das nicht stimmt.

Washington - Die Szene, die sich 1996 in Bosnien abgespielt haben soll, klang dramatisch: Clinton hatte in einer Wahlkampfrede vor einer Woche erklärt, dass sie und ihr Mann Bill, der damalige US-Präsident, bei ihrer Landung nahe der bosnischen Hauptstadt Sarajevo im März 1996 von Heckenschützen attackiert worden seien. Die US-Delegation habe sich dann schnellstens in Sicherheit gebracht. Doch die bislang offiziellen Angaben sehen anders aus: Bisherigen Erkenntnissen zufolge war das Präsidentenpaar bei der Landung in Tuzla keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Ein Mitreisender sagte der "Washington Post", er könne sich nicht an einen Beschuss erinnern.

Demokratin Clinton: Phantombeschuss in Bosnien
AP

Demokratin Clinton: Phantombeschuss in Bosnien

Die Anhänger von Barack Obama werfen Hillary Clinton nun vor, bei ihren Schilderungen gewaltig übertrieben zu haben. Die Reaktion kam prompt - und sie dürfte Clinton kaum leicht gefallen sein: Ein Sprecher Clintons räumte ein, dass sich die New Yorker Senatorin irreführend geäußert habe. Er stellte klar, dass sich die damalige First Lady in Tuzla nicht in Gefahr befunden habe. Allerdings sei Clinton in einem "potentiellen Kampfgebiet" gewesen, und die Sicherheitskräfte hätten vor Beschuss aus den angrenzenden Bergen gewarnt. "Eigentlich hätte am Flughafen eine Begrüßungszeremonie stattfinden sollen", hatte Clinton gesagt, "aber stattdessen rannten wir mit eingezogenen Köpfen zu den Fahrzeugen, die uns zum Stützpunkt brachten."

Clinton selbst erklärte später, wer ständig öffentlich reden müsse, dem könnten auch mal Fehler unterlaufen. Ihr Sprecher Howard Wolfson nannte es bezeichnend, wie viel Energie das Obama-Lager darauf verwende, Negatives über Clinton zu verbreiten. Obamas Sprecher Tommy Vietor erklärte, die aufgebauschten Bemerkungen zu Bosnien reihten sich ein in eine ganze Liste von Äußerungen, in denen Clinton ihre bisherige Rolle in der Innen- und Außenpolitik übertrieben habe.

Harsche Worte kamen auch von einem Clinton-Berater, der den Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, wegen dessen Unterstützung für Obama angriff. James Carville bezeichnete Richardson als Judas und lehnte es anschließend ab, sich dafür zu entschuldigen.

Carville wies in einem Interview mit der "New York Times" darauf hin, dass Richardson einst als Energieminister dem Kabinett von Ex-Präsident Bill Clinton angehört habe. Er sprach von einer besonderen Ironie, dass der Gouverneur seine Unterstützung für Obama ausgerechnet in der Karwoche bekannt gegeben habe. Genau so habe Judas Jesus damals für 30 Silberlinge verraten.

In der vergangenen Woche hatte ein Berater Obamas, der ehemalige Luftwaffengeneral Merrill McPeak, Bill Clinton mit Joseph McCarthy verglichen, der Symbolfigur der Kommunistenjagd in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Anlass waren Äußerungen des Ex-Präsidenten, in denen dieser indirekt den Patriotismus Obamas in Zweifel zog.

Die nächste Vorwahl der Demokraten findet erst wieder am 22. April in Pennsylvania statt. Davor wollen Clinton und Obama am 16. April in einer Fernsehdebatte um die Stimmen der Parteimitglieder und Sympathisanten werben. Nach den bisherigen Abstimmungen liegt Obama knapp in Führung. Die Entscheidung fällt vermutlich erst auf dem Nominierungsparteitag im August, wenn auch die von der Partei ernannten Super-Delegierten zum Zuge kommen.

ffr/AP/AFP/Reuters

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