Von Gerd Höhler, Athen
Obwohl mittlerweile mehr als 120 Länder die Republik Mazedonien unter ihrem Namen anerkannt haben, glauben die Griechen, am längeren Hebel zu sitzen – weil sie jetzt mit ihrem Veto eine Aufnahme Mazedoniens in die Nato verhindern könnten. Dazu scheinen Premier Kostas Karamanlis und seine Außenministerin Bakogiannis, eine Tochter des 1993 auch über den Mazedonienstreit gestürzten Premiers Mitsotakis, tatsächlich entschlossen - selbst um den Preis der außenpolitischen Isolierung ihres Landes.
Bereits seit Jahren bemühen sich Vermittler der Vereinten Nationen um eine Schlichtung des Namensstreits - vergeblich. Im Vorfeld des Nato-Gipfels versucht jetzt der Uno-Sonderbeauftrage Matthew Nimetz mit Hochdruck, einen Kompromiss auszuhandeln. Er brachte Namenskonstruktionen wie "Konstitutionelle Republik Mazedonien", "Republik Obermazedonien", "Unabhängige Republik Mazedonien" und "Neue Republik Mazedonien" ins Gespräch, fand damit aber bei den beiden Kontrahenten keine Zustimmung.
Am Dienstag unterbreitete Nimetz in New York den aus Athen und Skopje angereisten Unterhändlern seinen vorerst letzten Vorschlag: "Republik Mazedonien-Skopje". Ein "gerechter Kompromiss", wie Nimetz selbst meint. Doch die Griechen lehnten postwendend ab: der Vorschlag sei "weit von einer akzeptablen Lösung entfernt", ließ Außenministerin Bakogiannis ihren Sprecher erklären. Nun könnte die griechische Chefdiplomatin selbst versuchen, am Rande des EU-Außenministertreffens Ende dieser Woche im direkten Gespräch mit ihrem "skopianischen" Amtskollegen Antonio Milososki doch noch eine Lösung zu finden.
Aber die Chancen dafür gelten als gering – zumal es auch in Skopje mittlerweile erhebliche Meinungsverschiedenheiten im Namensstreit gibt: Staatspräsident Branko Crvenkovski plädiert für einen Kompromiss, um den angestrebten Nato-Beitritt nicht zu gefährden, den viele Mazedonier als eine Art Existenzgarantie für ihr Land sehen. Doch Ministerpräsident Nikola Gruevski will sich "nicht erpressen lassen" und gegenüber den Griechen einen harten Kurs steuern. Ohnehin wackelt die mazedonische Regierung, seit die Albanische Demokratische Partei Mitte März aus der Regierungskoalition ausscherte. Sie fordert die Anerkennung des Kosovo und die Einführung des Albanischen als zweite Amtssprache.
Die Albaner stellen mit rund einem Viertel der Bevölkerung die größte ethnische Minderheit in Mazedonien. Die Regierungskrise dürfte nach dem Nato-Gipfel neu aufbrechen – vor allem, wenn die Aufnahme in die Allianz an einem griechischen Veto scheitert.
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