Johnstown - Barack Obama trat Bedenken entgegen, die Demokraten könnten durch den erbitterten Wettstreit um die Kandidatur gespalten werden. Diese Darstellung sei übertrieben, sagte er. Den Forderungen aus seinen Reihen nach einem Rückzug seiner Rivalin erteilte Obama eine Absage: Die frühere First Lady habe das Recht, bei den Vorwahlen so lange um Stimmen zu kämpfen, "wie sie das will".
Im Sommer brauche es dann aber eine zügige Entscheidung. Obama fasst dabei einen Termin Anfang Juni ins Auge - am 3. Juni finden die letzten Vorwahlen statt. Der Kandidat brauche vor dem Parteitag Ende August in Denver genügend Zeit, um etwa seine Wahl für die Person des Vizepräsidenten zu treffen. Er gehe davon aus, dass sich die Partei danach geschlossen hinter den Sieger stelle.
Der Senator Patrick Leahy, ein Obama-Unterstützer, hatte zuvor Clinton offen aufgefordert, ihre Bewerbung aufzugeben. Sie könne seinen Vorsprung nicht mehr aufholen, außerdem laufe der Trend für ihn: "Sie hat zwar das Recht, Kandidatin zu bleiben, so lange sie will, aber keinen guten Grund dazu." Tatsächlich wachsen bei vielen Demokraten Bedenken, die Partei könne gespalten werden, wenn das Duell zwischen den beiden Bewerbern lange weitergehen. Davon könnte der republikanische Kandidat John McCain profitieren.
Clinton selbst machte bei einem Auftritt in Indianapolis klar, dass sie keineswegs ans Aufgeben denkt: "Es gibt Leute, die sagen: Wir sollten diese Vorwahlen stoppen. Ich dachte nicht, dass wir in Amerika so etwas wollen. Ich dachte, wir von allen Völkern in der Welt wüssten, wie wichtig es ist, jedem eine Chance zu geben, dass seine Stimmen gehört und gezählt werden." Clinton wirbt damit, dass sie für die Stimmen der neun Staaten und Puerto Ricos kämpft, wo jetzt noch Vorwahlen anstehen: "Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen", rief sie am Freitag Zuhörern in Kentucky zu. "Ich jedenfalls bin froh, dass Kentucky sich an der Entscheidung beteiligt."
Ihr Ehemann, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, rief zu Gelassenheit auf: "Wir müssen uns entspannen und das hier einfach geschehen lassen. Niemand spricht davon, dass die Partei Schaden nehmen könnte." Wohin er auch komme, die Leute würden ihm über Hillary sagen: "Wagt es nicht, sie aus dem Rennen zu nehmen." Das wollten nur Leute in Washington, "die uns nicht repräsentieren".
Im Rennen um die Delegiertenstimmen liegt Clinton bislang hinter Obama, kann Umfragen zufolge aber in Pennsylvania auf einen Sieg hoffen. Dort finden am 22. April die nächsten Vorwahlen statt. Nach einer Zählung des US-Fernsehsenders CNN kommt die Senatorin bislang auf 1486 Delegiertenstimmen, ihr innerparteilicher Konkurrent jedoch auf 1625. Für die Nominierung auf dem Parteitag der Demokraten im Spätsommer sind 2025 Stimmen erforderlich.
Nach der Abstimmung in Pennsylvania stehen noch neun Vorwahl-Entscheidungen der Demokraten an. Dass einer der beiden Kandidaten allein durch diese Vorwahlen die nötige Zahl an Delegierten zusammenbekommt, ist unwahrscheinlich - entscheidend werden die Super-Delegierten, Parteifunktionäre, die unabhängig von den Abstimmungen in den Staaten zum Parteitag geschickt werden.
mik/Reuters/dpa/AP
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