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31.03.2008
 

Olympisches Feuer in Peking

Aufpasser riegeln Tiananmen-Platz ab

Beobachter auf den Dächern, die U-Bahn-Stationen geschlossen, der Platz des Himmlischen Friedens abgeriegelt - der Empfang für das olympische Feuer in Peking verlief unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Sinn der dramatischen Inszenierung: ungebetene Besucher fernzuhalten.

Peking - Der offizielle Startschuss für den olympischen Fackellauf ist gegeben, möglich war er aber aus Sicht der chinesischen Regierung nur unter starken Sicherheitsvorkehrungen: Bei einer Zeremonie auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking hielt Staatschef Hu Jintao am Montagmorgen die Fackel in die Höhe und reichte sie dann dem Hürdenläufer und Olympiasieger Liu Xiang. Zuvor war das symbolische Feuer per Flugzeug aus Griechenland nach Peking gebracht worden, die Maschine landete gegen 9 Uhr in Peking. Angesichts der Unruhen in Tibet hatten mehrere Organisationen Proteste auf den Stationen des Fackellaufs angekündigt.

Die Übertragung der Zeremonie im Fernsehen war als "live" gekennzeichnet. Tatsächlich schienen die Bilder aber eine Minute verzögert ausgestrahlt zu werden.

Das große Sicherheitsaufgebot sollte anti-chinesische Demonstrationen wie etwa bei der Entzündung der Flamme im antiken Olympia verhindern. Dort störten französische Aktivisten die Rede des chinesischen Vertreters Wang Wei, indem sie eine Fahne enthüllten, auf der die olympischen Ringe mit Handschellen ersetzt waren.

Ein ähnlicher Protest sollte in China nun unter allen Umständen verhindert werden. Sicherheitskräfte waren auf den Gebäuden rund um den Tiananmen-Platz zu sehen, die umliegenden Metrostationen waren geschlossen, um ungebetene Zuschauer fernzuhalten. Fußgänger und Fahrradfahrer wurden angehalten. Rund 5000 ausgewählte Chinesen waren eigens als Publikum für die Zeremonie auf den Platz gebracht worden.

Erste Etappe des Fackellaufs, der am Dienstag beginnt, ist die frühere kasachische Hauptstadt Almaty. Die sogenannte Reise der Harmonie soll über 137.000 Kilometer durch 19 Länder auf fünf Kontinenten führen. Höchster Punkt wird der Mount Everest im Mai sein. Es ist der bisher längste Fackellauf in der Geschichte der Olympischen Spiele. Das olympische Feuer war vor einer Woche im heiligen Hain des antiken Olympias entfacht worden. Am Sonntag hatte der Chef des chinesischen Organisationskomitees, Liu Qi, die Flamme in einer Zeremonie in Athen entgegengenommen.

Diskussion um Boykott geht weiter

Drei Wochen nach Beginn der Proteste in Tibet war der Aufstand gegen die chinesische Regierung am Wochenende offenbar wieder aufgeflammt. Die tibetische Exilregierung berichtete von Demonstrationen in Lhasa außerhalb eines Klosters, denen sich am Samstag schnell Tausende Menschen angeschlossen hätten.

Die anti-chinesischen Proteste in Tibet hatten am 10. März begonnen und waren vier Tage später eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der tibetischen Exilregierung mindestens 135 Menschen getötet. Die chinesische Regierung spricht von rund 20 Toten.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), forderte China auf, den Dialog mit dem Dalai Lama zu suchen. "China sollte eine Chance darin sehen, mit dem Dalai Lama einen Vertreter tibetischer Interessen zu haben, der für Gewaltfreiheit eintritt", sagte Erler der "Berliner Zeitung". Zugleich verteidigte er die Linie der EU-Außenminister, die Olympischen Spiele in China nicht zu boykottieren. "Es hat im Augenblick keinen Sinn, mit dem Boykott der Spiele zu drohen", sagte er. "Es gibt in Peking Hardliner, die nur auf ein Scheitern der jetzigen Führer in China warten."

"Klar zwischen Falsch und Richtig unterscheiden"

Von Seiten Chinas kam scharfe Kritik auf den Appell der europäischen Außenminister, in dem Peking zu einem Dialog mit dem Dalai Lama aufgefordert wurde. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Jiang Yu, brachte die "starke Unzufriedenheit" der chinesischen Regierung über die Diskussionen und Äußerungen der europäischen Außenminister am Samstag bei ihrem Treffen im slowenischen Ort Brdo zum Ausdruck, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete. Tibet sei "eine innere Angelegenheit Chinas". Kein Land und keine internationale Organisation hätten das Recht, sich einzumischen.

"Wir hoffen, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten klar zwischen Richtig und Falsch unterscheiden können, ausdrücklich die gewalttätigen Verbrechen wie Prügel, Zerstörungen, Plünderungen und Brandstiftung sowie all jene Täter verurteilen und es vermeiden, mit zweierlei Maß zu messen." Die EU solle "nicht Salz in die Wunden der unschuldigen Opfer der Unruhen in Lhasa reiben", sagte die Sprecherin.

Bei ihrem Treffen in Brdo hatten die EU-Außenminister die chinesische Führung zu einem "substanziellen und konstruktiven Dialog" mit dem Dalai Lama aufgerufen. Zu einem möglichen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking äußerten sie sich nicht.

ffr/AFP/AP/dpa

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