Bagdad - Viel war über seinen Rückzug und seine Rolle im jüngsten Kampf um Basra gemutmaßt worden – jetzt hat der irakische Schiitenführer Muktada al-Sadr einem TV-Sender ein seltenes, höchst aufschlussreiches Interview gegeben. Sichtbar schlanker als bei seinen letzten öffentlichen Auftritten, entspannt und den Interviewer zwanglos als "Habibi" ("mein Lieber") ansprechend, räsonierte er über seine gefürchtete Miliz, die Mahdi-Armee, sein Verhältnis zu Iran und seinen Aufruf, den fünften Jahrestag des Falls von Bagdad mit einer Millionen-Demonstration gegen die Besatzung zu begehen.
Die Milizen Sadrs hatten sich zuletzt heftige Kämpfe mit irakischen Regierungstruppen geliefert, dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben.
Schon Saddam Hussein habe das Land "besetzt" gehalten und eine Politik "hundert Meilen entfernt von der Vernunft" betrieben, sagte Sadr in dem Interview. Doch die Invasion habe das Land nicht befreit: "Der kleine Satan ging, der große ist gekommen."
Überraschend sind vor allem Sadrs Worte über sein Verhältnis zu Iran, wo er sich seit seinem Rückzug immer wieder zum Studium aufhalten soll: Jede äußere Einflussnahme auf den Irak sei schädlich - auch der Irans, so Sadr. Das habe er Irans Revolutionsführer Ali Chamenei im Januar persönlich mitgeteilt: "Ich sagte ihm, dass ich nicht der Repräsentant Irans im Irak sein werde. Ich sagte ihm, Iran sollte seine Fehler im Irak korrigieren und sich dort nicht einmischen, weder politisch noch militärisch." Das alles habe er Chamenei persönlich gesagt, fragte ungläubig der Interviewer. "Ja, ja", so Sadr. "Jeder macht Fehler. Iran sollte seine Politik im Irak neu ausrichten."
Persönlich habe er nun vor, sich in den nächsten fünf Jahren dem Studium zu widmen. Zu studieren und gleichzeitig politisch zu führen, sei allerdings nicht einfach, so Sadr. "Gebt mir die Chance, mein Wissen und meinen Glauben zu vertiefen."
Bernhard Zand
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