Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt
Strahlend klingt das "Gloria in Exelsis Deo" beim Festgottesdienst zu Ehren der Regensburger Domspatzen in der mächtigen Kathedrale.
Doch selbst in dieser von Gesang und Gebet erfüllten Feierstunde in Kapstadts katholischer Kathedrale bleibt das Thema nicht ausgespart, das zunehmend auch die Südafrikaner ängstigt: Simbabwe. Inbrünstig betet die Gemeinde für Frieden und Stabilität im afrikanischen Nachbarland.
Denn dort geht das Ringen um die Macht zwischen der offenbar siegreichen Oppositionspartei "Bewegung für einen demokratischen Wandel" (MDC) von Morgan Tsvangirai und dem starrsinnigen Diktator Robert Mugabe nun schon in die zweite Woche. Und immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass der greise Mann im State House in Harares Borrowdale Road seine Schergen von der Leine lässt, um sich und seiner Clique die Macht zu retten.
Seit dem Wochenende haben denn auch Mugabes nach der Wahl vom 29. März zunächst gedämpfte Vasallen wieder Oberwasser: Die Veteranen des Befreiungskrieges marschieren durch die Straßen der Hauptstadt. Viele von ihnen haben den Befreiungskampf gegen die Briten gar nicht mehr selbst erlebt. Sie sind zu jung dafür.
Opposition warnt vor einem "Schlachtfest"
Doch auch Mugabes junge Garde will beim Kampf um Mugabe dabei sein, den sie auf ihren Websites als "Idol" und "Held" feiern, der ewig leben wird. Der jüngste Schlag soll offenbar alle einschüchtern, die es gewagt haben, bei den Wahlen nicht den von ihnen vergötterten Helden, sondern Tsvangirai und seine MDC zu wählen: Begleitet von einem Team des staatlichen Fernsehens erschienen am Sonntag Kriegsveteranen auf einer Farm nur eine Autostunde von Harare entfernt und forderten die weißen Besitzer auf, ihr Land zu verlassen.
Gerade mal vier Stunden gab der grölende und trommelschlagende Mob der Familie Zeit, ihr Hab und Gut zusammenzupacken. Es war keine Einzelaktion: In den Regionen von Masvingo, Manicaland und Mashonaland – alles Gegenden, in denen die Mugabe-Partei überdurchschnittlich viele Stimmen an die MDC verloren hat – wurden Medienberichten zufolge insgesamt 18 weiße Farmer eingeschüchtert, drangsaliert oder vertrieben.
Hendrik Olivier, Chef eines Zusammenschlusses kommerzieller Farmer, sitzt die Angst im Nacken: Nachdem Mugabe bereits vor acht Jahren die meisten der 4200 weißen Farmer aus dem Land gejagt hatte, würden nun wohl auch die restlichen 300 dran glauben müssen, sagte er. Die Furcht, dass der Machtkampf in Simbabwe blutig enden wird, wächst stündlich.
Südafrikas Präsident Mbeki ist abgetaucht
Die oppositionelle MDC warnt bereits vor einem "Schlachtfest", das die Zanu-Pf veranstalten könnte. Morgan Tsvangirai, der nach dem Sieg in der Parlamentswahl auch das Amt des Präsidenten für sich beansprucht, wandte sich am Montag in einem dramatischen Appell in der britischen Zeitung "The Guardian" an die Weltöffentlichkeit: "Es steht auf Messers Schneide." Er bittet die Uno, die Afrikanische Union (AU), die USA, Großbritannien, vor allem aber Südafrikas Präsidenten Thabo Mbeki um Hilfe.
Am Montag flog der MDC-Chef überraschend nach Pretoria. Doch Südafrikas Offizielle versicherten eilends, dass weder Mbeki noch der Außenminister zu sprechen seien. Sie seien außer Landes. Mbeki hatte ursprünglich einen entscheidenden Anteil daran, dass Mugabe sich überhaupt auf einigermaßen faire und freie Wahlen eingelassen hat. Doch nun ist er abgetaucht. Sogar George W. Bush hat Mbeki von Bord seiner Air-Force-One angerufen und ihn bedrängt, Mugabe zum Aufgeben zu bewegen. Vergebens.
Auch innnenpolitisch gerät Südafrikas Präsident unter Druck. Der frühere Oppositionschef Tony Leon forderte ihn am Montag ultimativ auf, den Sicherheitsrat der AU einzuschalten. Die Stichwahl, die Mugabe schon vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zwischen sich und Tsvangirai verlangt, müsse durch Beobachter des Sicherheitsrates kontrolliert werden. Besser noch: Die AU solle eine Friedenstruppe ins südafrikanische Nachbarland entsenden, um ein Blutbad zu vermeiden.
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