• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Simbabwe Mugabes Schergen drangsalieren weiße Farmer

2. Teil: Internationale Investoren warten auf den Wandel

Doch Mbeki hält sich bedeckt. "Ihr müsst Geduld haben", ist alles, was er den Simbabwern rät, die einst so große Hoffnungen auf ihn gesetzt haben. Doch vieles deutet darauf hin, dass eine Stichwahl überhaupt nicht mehr stattfinden kann. Nicht nur die weißen Farmer werden eingeschüchtert.

Fünf westliche Journalisten sind seit vergangenem Freitag in Harares berüchtigtem Polizeigefängnis eingekerkert. Sie seien wohlauf, teilte die Anwältin Beatrice Mtetwa mit - so weit das an einem so verlausten Platz möglich sei. Aber im schlimmsten Fall drohe ihnen eine bis zu zweijährige Gefängnisstrafe. Zwei von ihnen wurden am Abend gegen Kaution aus dem Gefängnis freigelassen. Sie müssen sich am Donnerstag wieder vor Gericht einfinden, wie ihr Anwalt am Montag sagte.

Mugabes Partei hat die Neuauszählung der Stimmen in den Wahlkreisen verlangt, in denen sie verloren hat. Immer öfter erscheine Mugabes Polizei in Büros der MDC oder bei bekannten Mugabe-Gegnern, um sie einzuschüchtern. Sogar missliebige Mitglieder der staatlichen Wahlkommission sind laut MDC inzwischen verhaftet worden. Die MDC will die Bekanntgabe der noch ausstehenden Wahlergebnisse für die Präsidenten- und Senatswahl gerichtlich erzwingen. Doch das Gericht hat die Entscheidung am Montag erst einmal vertagt.

Simbabwe hat knapp zwölf Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Harare
SPIEGEL ONLINE

Simbabwe hat knapp zwölf Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Harare

Noch setzt die Opposition darauf, dass wenigstens die Justiz in Simbabwe funktioniert. Doch unabhängig davon: In dieser Woche muss sich entscheiden, wer in Simbabwe siegt - der Machtwille des Diktators oder die Stimme des Volkes. Während in dem krisengeschüttelten Land die Feierlaune nach der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse am Sonntag vor acht Tagen längst zur Katerstimmung geworden ist, stehen internationale Investoren längst bereit, das wirtschaftlich ruinierte Land mit der höchsten Inflationsrate der Welt wieder zu sanieren. Gerade hat die Staatsbank 50-Millionen-Dollar-Noten drucken lasse. Ihr Wert: gerade einmal einen US-Dollar.

"Geh jetzt, Genosse Bob!"

Englands Premier hat bereits eine Soforthilfe von einer Milliarde Pfund jährlich angekündigt, wenn Mugabes Herrschaft beendet und das Land den demokratischen Wandel vollziehen werde. Die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, auch die deutsche Bundesregierung stehen bereit, dem ausgebluteten Land mit massiven Finanzspritzen zu helfen. Große Minenunternehmen haben angekündigt, dass sie ihre Förderung drastisch erhöhen würden. Simbabwe hat weltweit die zweitgrößten Chrom- und Platinvorkommen.

"Wenn der politische Wandel in Simbabwe kommt, wird der Wirtschaftsaufschwung schnell folgen", prophezeit Greg Hunter, Chef des Minenunternehmens Central African Gold, das im vergangenen Jahr bereits zwei Goldminen in Simbabwe gekauft hat und über eine weitere Expansion nachdenkt. Der Finanzchef der Supermarktkette Guy Hayward, die mit zwei Märkten in Simbabwe vertreten ist, sagt deutlich: "Wir werden erst über unser weiteres Engagement nachdenken, wenn die politische Lage übersichtlicher wird."

Auch Fastfood-Unternehmer Pierre van Tonder, dessen Spur-Kette sechs Restaurants in Simbabwe unterhält, ist vorsichtig: "Wir brauchen Sicherheit, bevor wir ausbauen." Es hängt alles an dem Mann im State House von Harare.

Auf eine Wand mit Wahlplakaten in Harares Innenstadt haben in der Nacht zum Montag die vielleicht letzten Optimisten die Parole aufgesprüht: "Geh jetzt, Genosse Bob. Sonst es es für uns alle zu spät."

Mit Material von afp

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP